Kloster Arkadi – Lasithi-Hochebene – Moni Toplou – Vai – Agios Nikolaos

Nach der Wanderung in der Samaria-Schlucht verspricht der heutige Tag weniger anstrengend zu werden. Zunächst geht es von Rethymon entlang der Küste zum 21 km östlich gelegenen Dorf Amnatos.

Das Kloster Arkadi, ein ehemaliges orthodoxes Kloster und das bedeutendste Nationaldenkmal von Kreta, ist unser Ziel. Erbaut im 14. Jahrhundert steht es heute zwischen Weinbergen, Pinien, Zypressen und Olivenhainen mit einem wunderschönen Blick auf die Arkadi-Schlucht. Es gibt mehrere Versionen, wie das Kloster zu seinem Namen kam. Einmal heißt es, dass der byzantinische Kaiser Arkadius das Kloster gegründet und ihm seinen Namen gegeben hat. Dann wieder wird berichtet, dass das Kloster nach dem Mönch Arkadius, benannt wurde.

Kloster Arkadi

Bekannt wurde das Kloster durch die am 09.11.1866 stattfindenden Ereignisse. Die Insel Kreta war von den Türken besetzt und im Kloster Arkadi übte man den Aufstand gegen die Türken. Ein großer Teil der Kreter versammelte sich beim Eindringen der Türken ins Kloster im Pulverraum. Konstantinos Giaboudakis, ein Mönch, zündete den gesamten Sprengstoff und es kam zu einer extremen Explosion. Die türkische Besatzung der Insel wurde nicht länger geduldet und im Jahr 1898 erlangte Kreta die Unabhängigkeit.

Kloster Arkadi – Pulverraum

Der Pulverraum ist seit der Explosion bis heute als Mahnmal ohne Decke geblieben.

Gegenüber dem Kloster gelangen wir zum Heldenmahnmal, einer Stätte, in der sich die Gebeine vieler gefallener Kreter befinden.

Kloster Arkadi – Heldenmahnmal

Nach der Besichtigung des Klosters starten wir in Richtung Meer, um dann entlang der Küste bis Malia zu fahren. Dort fahren wir über die P. Mela vorbei an Koules, einer Festung, die auf dem Hügel Kefali liegt. Ab hier zieht sich die Strecke ein wenig durch eine karge Landschaft bis nach Krasi. Diese jedoch ändert sich hinter Krasi und wir durchqueren nunmehr wieder mit Bäumen besiedelte Berge. Nach einer landschaftlich abwechslungsreichen Fahrt erreichen wir schließlich die Lasithi-Hochebene.

Fahrt zur Lasithi-Hochebene

Mit ungefähr 10 km Länge und 7 km Breite ist die Lasithi-Hochebene die größte auf Kreta. Über eine Passstraße geht es auf eine Höhe von 1.100 Meter, um dann direkt wieder 300 Meter hinabzufahren, damit wir auf die Ebene kommen. Den besten Blick auf die Hochebene haben wir natürlich von der Passstraße aus.

Lasithi-Hochebene

Wir durchfahren die Lasithi-Hochebene und entdecken immer wieder Einheimische, die hier leben und ihre Handarbeiten an Touristen verkaufen möchten. Allerdings sehen wir auch Menschen, die mühsam den Ackerbau betreiben, was in der heutigen Zeit in dieser Form kaum noch vorstellbar ist.

Schließlich kommen wir zu den Wahrzeichen der Lasithi-Hochebene, den Windrädern. Diese hatten die Aufgabe, das Grundwasser hochzupumpen. Heute wird dies überwiegend mit durch Strom betriebenen Pumpen gemacht. Insgesamt standen hier einmal ca. 8.000 Windräder, einige ließ man stehen, um das Wahrzeichen der Hochebene zu wahren.

Windmühlen in der Lasithi-Hochebene

Die Fahrt durch die Lasithi-Hochebene ist sehr lang aber auch wunderschön. Ständig müssen außerplanmäßige Fotostopps gemacht werden, was natürlich die Dauer der Fahrt nach hinten verlängert.

Nach einiger Zeit kommen wir der Küste wieder näher und durchfahren Ierapetra, eine Stadt, die im Südosten der Insel liegt. In der Stadt machen wir nur eine kleine Pause und erfahren, dass Ierapetra nicht nur die südlichste Stadt Europas sein soll, sondern auch noch an der schmalsten Stelle Insel liegt. Zwischen Süd- und Nordküste liegen lediglich 12 km Luftlinie. Wir fahren weiter an der Südküste entlang bis ungefähr Lagoufa Beach und von dort aus in das Ladesinnere bis Sitia.

Moni Toplou – Das Kloster ist ungefähr 20 km von Sitia entfernt. Es wird vermutet, dass es aus dem 14. Jahrhundert stammt und nimmt eine Fläche von fast 800 qm ein.

Moni Toplou

Auf den Ruinen eines anderen Klosters soll es aufgebaut worden sein. Im Jahr 1612 wurde es durch ein Erdbeben komplett zerstört. Interessant an dem Kloster ist, dass es einer Festung ähnelt. Es wurde mehrere Male zerstört und stets neu aufgebaut. Wir stellen fest, dieses Kloster hat eine lebendige Geschichte.

Moni Toplou hat seinen Namen aus dem türkischen und bedeutet in etwa, dass es sich um ein Gebäude handelt, das über eine Kanone verfügt. Dies war schon deshalb erforderlich, weil es zum Schutz vor Seeräubern und auch den Türken dienen sollte. Eine ca. 10 Meter hohe Mauer bietet den entsprechenden Schutz.

Wir betreten die Anlage durch einen Eingang, dessen Tür auf Rädern gerollt wurde. Über dem Eingang sehen wir ein Loch, aus dem die Mönche Steine warfen und siedend heiße Flüssigkeiten auf jeden schütteten, der das Kloster angreifen wollte.

Im Inneren der Anlage, in der Nähe des Brunnens, befindet sich die zweischiffige Basilika. Sie ist der Jungfrau Maria und Johannes dem Theologen gewidmet. Mittlerweile beherbergt das Kloster ein Museum, in dem recht große und auch sehr alte Ikonen zu bestaunen sind.

Leider ist das Fotografieren im Inneren des Klosters zum Zeitpunkt unseres Besuches verboten.

Nach einer kleinen Weinprobe im Kloster fahren wir zum bekannten und nahe gelegenen Palmenstrand von Vai, der an der Ostküste der Insel liegt. Hinter dem Strand befindet sich ein großen Palmenhain, bestehend aus Dattelpalmen. Man sagt, dass es der größte Palmenhain Europas sein soll. Hier wollen wir den Rest des Tages verbringen.

Palmenstrand Vai

Vai wurde von den Hippies bereits in den 70iger Jahren entdeckt. Natürlich sprach sich die Schönheit dieses Ortes schnell herum und es kamen mehr und mehr Hippies. Langsam verlor dieser wunderschöne Ort seinen Glanz. Der Müll blieb liegen und die äußerst seltene kretische Dattelpalme (Phoenix Theophrastii) wurde dahingehend beschädigt, dass man Wörter in diese ritzte. Es wurde schnell gehandelt, indem die Palmen eingezäunt wurden und sich somit hier niemand mehr aufhalten konnte. Dies hat sich, nachdem sich der Palmenhain erholt hat, auch wieder geändert.

Wir genießen hier den Nachmittag in der Sonne am Meer und lassen abends den Tag mit einem wunderschönen Sonnenuntergang ausklingen.

Zeitig am Morgen des nächsten Tages sind wir wieder auf den Beinen. Denn noch heute fahren wir zurück nach Heraklion. Der Plan für den heutigen Tage ist, in die ungefähr 83 km entfernte Stadt Agios Nikolaos zu fahren.

Agios Nikolaos mit 11.421 Einwohnern befindet sich im östlichen Teil der Insel in der Mirabello Bucht. Bis Sitia sind es 30 km und bis zur Hauptstadt Heraklion sind es ca. 50 km. Dank der Tatsache, dass wir früh losgefahren sind, haben wir nun ausreichend Zeit, uns in Agios Nikolaos umzusehen.

Agios Nikolaos

Agios Nikolaos diente im 3. Jahrhundert v. Chr. der im Landesinneren liegend antiken Siedlung ‚Lato‘ als Hafenstadt. Allerdings trug dieser kleine Hafenort damals den Namen ‚Kamara‘. Die Überreste dieser Stadt Lato sind heute noch zu besichtigen.

Auf einem kleinen Kap befindet sich die Kuppelkirche ‚Agios Nikolaos‘ durch die die Stadt ihren Namen erhalten hat. Früher war die Stadt lediglich ein kleines Fischerdörfchen, hieran erinnert mittlerweile nur noch sehr wenig. Heute gibt es im Hafen weniger Fischerboote. Es verkehren Fähren nach Athen, zu den Kykladen und zu den Inseln der Dodekanes.

Mitten in der Stadt finden wir den ‚Voulismeni‘, ein kleiner See, der durch einen Kanal mit dem Meer verbunden ist. Hierdurch erlangt die Stadt ein ganz außergewöhnliches Flair und wir bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf die Stadt Chania, in deren Nähe wir unsere dritte und letzte Urlaubswoche der Inselhopping-Tour verbringen werden.

Auf der einen Seite ist der See von Felsen umgeben, die begrünt wurden und, auf denen ein Teil der Stadt erbaut wurde. Auf der anderen Seite ist die Stadt so angelegt, dass es wie ein Hafen wirkt. Das Flanieren entlang der Tavernen, Bars und Cafés ist eine Wohltat.

Heute wird der Binnensee als Fischerhafen genutzt. Er war nicht immer durch den Kanal mit dem Meer verbunden. In der Zeit von 1867 bis 1871 haben die Türken den fast 20 Meter langen Kanal zum Hafen fertig gestellt. Der Voulismeni-See hat eine beachtliche Tiefe von 65 Metern.

Einem Mythos zu Folge soll der Schlund sogar unterirdisch mit der Insel Santorini verbunden sein. Auch soll die Göttin Athene hier schon gebadet haben.

Voulismenis-See

Wenn ihr das ganze lieber von oben betrachten möchtet, so stehen auf den Felsen Panorama-Restaurants mit wunderschönem Blick nach unten auf den Hafen.

Während wir in einem Café den Ausblick auf den See genießen, erfahren wir, dass vor der Stadt die Insel Spinalonga liegt. Auf dieser gibt es eine venezianische Festung zu besichtigen, die noch recht gut erhalten sein soll.

Allerdings fahren die Touristen nicht wegen der Festung dort hin. Warum dann? Wir werden hellhörig. Spinalonga war Kretas letzte Leprakolonie. In den Jahren von 1903 bis 1954 hat man alle an Lepra erkrankten Menschen auf diese Insel verbannt. Hier lebten sie, legten sich Gärten an und betrieben angeblich auch Tavernen. Die Kranken wurden hin und wieder sowohl von einem Arzt als auch von einem Priester besucht. Obwohl dies alles ein wenig unheimlich klingt, beschließen wir, uns diese Festung anzusehen.

Spinalonga – ehemalige Leprakolonie

Im Anschluss an den Kurzausflug zur Insel Spinalonga verbringen wir noch ein wenig Zeit am Fischerhafen und beobachten das bunte Treiben um uns herum.

Schließlich fahren wir weiter nach Heraklion, wo wir erneut übernachten werden, da für den nächsten Tag die Besichtigung von Knossos geplant ist.

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