Die Tempelanlagen von Karnak

Unsere Reise führte uns von Kairo nach Luxor. Dem dortigen Hotel war eine Hotelfachschule unter Deutscher Führung angegliedert mit der Folge, dass wir durch die devoten Hotelbediensteten wie Könige behandelt wurden. Einen solchen höflichen Umgang mit Gästen haben wir in keinem anderen Hotel mehr erlebt. 

Zwei Kilometer nördlich von Luxor liegen die berühmten Tempelanlagen von Karnak, denen wir am ersten Tag unseres Hotelaufenthalts einen Besuch abstatteten.

Ab und zu lohnt es sich, einen Blick in die Luft schweifen zu lassen. So erfasst man einen Raubvogel im schnellen Vorbeiflug.

Der Eingang zur Tempelanlage in Karnak wird durch eine Reihe von steinernen Widdern gesäumt. Die widderköpfigen Sphingen (Mehrzahl von Sphinx) sind eine Verkörperung des Gottes Amun, der zwischen den Tatzen jeweils die Figuren des Pharaos hält.

Neben den Widdersphingen steht ein kleiner Obelisk, der von dem Pharao Sety II. (19. Dynastie,  1200-1194 v. Chr.) errichtet wurde. Er war der Nachfolger des Pharao Merenptah.

Wie in den Tempelanlagen in Indien sind auch in der Tempelanlage von Karnak zahlreiche blühende Büsche angepflanzt, die eine auflockernde Dekoration darstellen und an der sich die Touristen erfreuen.

Der Erhaltungszustand der Sphingen ist unterschiedlich. Wahrscheinlich sind viele beschädigte dem Vandalismus zum Opfer gefallen.

Auch auf diesem Bild kann man den recht unterschiedlichen Erhaltungszustand der Widdersphingen gut erkennen.

Der erste Pylon ist der westliche Eingang des Großen Tempels von Amun. Dies soll in der Zeit von Nectanebo I (4. Jahrhundert v. Chr., 30. Dynastie) gebaut worden sein. Die Höhen links und rechts sind unterschiedlich, und es wurden weder Inschriften noch Reliefs angefertigt.

Nach dem ersten Pylon folgt der Große Hof (oder der Erste Hof) und hier befinden sich der Tempel des Sety II auf der linken Seite, nach vorne versetzt, und der Tempel von Ramses III. auf der rechten Seite. Auf der rechten Seite vor dem zweiten Pylon steht die große Statue von Ramses II.  Zwischen den Füßen Ramses II. steht die Figur seiner Hauptfrau und königlichen Gemahlin Nefertari.

Sie sollte mit der Statue von Ramses II. auf der linken Seite korrespondieren. Stattdessen steht auf der linken Seite die große Statue von Pinedjem, die die Hände kreuzt. Die Pinedjem-Statue war ursprünglich eine Statue von Ramses II., aber der Name wurde von Pinedjem aus der 21. Dynastie überschrieben und die Statue damit usurpiert.

Im Vordergrund  steht die Taharka-Säule in der Form eines großen Papyrusbündels. Diese verbliebene Säule war Teil eines Säulenganges der von dem kuschitischen Pharao Taharka in der Zeit zwischen 691 – 664 v. Chr. in der 25. Dynastie erbaut wurde.

Eine weitere Reihe von Widdersphingen vor einer Säulengruppe. Sie befinden sich im Bereich der Tempelanlage des Amuntempels (19. Dynastie, Ramses II., 1279–1213 v. Chr.).

Die Statue eines Pharos im aufrechten Gang.

Im Tempel Ramses des III., der sich auf der rechten Seite des Großen Hofes befindet, sieht man eine Reihe von Statuensäulen, die bereits stark zerstört sind.

Dies ist der Eingang zum Tempel Ramses III.

Teilweise befinden sich die Reliefs noch in einem erstaunlich guten Zustand. Dieses zeigt den Pharao Sethos I. (Sethy I.) mit seinen Insignien umgeben von Amun und Mut. Es befindet sich an der Nordostseite der Säulenhalle.

Hinter dem zweiten Pylon befindet sich die Säulen Halle, die von Sety I. gebaut wurde. Sie vermittelt einen großartigen und überwältigenden Anblick durch ihre enorme Größe ihrer Säulen. Wie der Name schon sagt, ist die Halle mit riesigen 134 Steinsäulen bestückt. Die Kapitelle der Säulen bilden die offene Blume des Papyrus, daher werden sie „Papyrus-Säulen mit offener Blume“ genannt. Die Reliefs auf den Säulen sind teilweise noch deutlich zu erkennen und auch Reste der Farbpigmente sind auf einigen Säulen verblieben.

Die 134 Säulen in 16 Reihen bilden eine Fläche von 5.408 Quadratmeter.

Die Kapitelle der Papyrussäulen sind teilweise bereits abgebrochen.

Sie stehen so eng zusammen, dass teilweise spärlich Sonnenlicht in die Halle eindringt.

Im Hintergrund sieht man den Obelisken Thutmosis des I. Ursprünglich sollen in dem Amun-Tempel zwanzig Obelisken gestanden haben, von denen drei verblieben sind. Thutmosis regierte von  1504-1492 v. Chr. und damit in der 18. Dynastie.

Der Bau der Hypostyl-Halle wurde unter Haremhab zwischen dem zweiten und dritten Pylon begonnen, jedoch von Sethos I. und Ramses II. vollendet. Das hölzerne Dach der Säulenhalle wurde von den Papyrussäulen getragen, die auf einer Fläche von 103 m Länge und 53 m Breite standen. Im Mittelschiff der Halle waren die Säulen bis zu 23 Meter hoch.

Die gewaltige Höhe und der Umfang der Säulen wird deutlich im Vergleich zu der Person im Hintergrund.

Rechts steht der Obelisk Thutmosis des I., links etwas weiter dahinter der Obelisk der Königin Hatschepsut. Der rechte Obelisk hat eine Höhe von 19,5 Meter und wiegt 143 Tonnen.

Thutmosis II. ( 18. Dynastie) stellte diesen Obelisken ursprünglich her, konnte ihn jedoch zu Lebzeiten nicht vollenden. Daher transportierte ihn seine Frau Hatschepsut (1479-1457 v. Chr.) zum Amun-Tempel und errichtete ihn dort.

Bis zum Ende des Neuen Reiches wurden alle Obelisken aus dem typischen rötlichen Granit in den Granitsteinbrüchen südöstlich von Assuan hergestellt. Dazu wurde ein Monolith in der erforderlichen Größe geschnitten und i. d. R. noch im Steinbruch in die Grobform gehauen. Anschließend konnte die Verschiffung über den Nil zum jeweiligen Zielort erfolgen.

Bei dem Versuch des Abtransportes mancher Obelisken aus der Tempelanlage sind diese zu Bruch gegangen. Hiervon zeugen noch einige Fragmente, die sich nach wie vor in der Anlage befinden.

Die erstaunlich gut erhaltenen Malereien sind besonders an der Unterseite des Architravs unschwer zu erkennen.

Auf dem Detailfoto ist dies noch besser zu sehen.

Die westliche Seite der Nordwand zeigt Reliefdarstellungen des Königs  Sethos I., wie er seine Feinde unterwirft. Mit diesen Schlachtszenen preist der Pharao die Überlegenheit über seine Feinde.

Der Obelisk der Hatschepsut aus einem anderen Blickwinkel.

Es lohnt sich die Anlage zu umlaufen, um andere Perspektiven der Anlage zu erhalten.

Diese Statue stellt die Göttin Sachmet („die Mächtige“) dar. Dies ist eine löwengestaltige Göttin, die Göttin des Krieges aber auch des Schutzes vor Krankheiten und Heilung.

In Memphis galt Sachmet als Gefährtin des Ptah und für die Pharaonen war sie ein Symbol für den eigenen Kampfesmut. Ptah („der Bildner“) ist einer der Götter der altägyptischen Religion.

Die Statue steht im Tempel des Ptah. Dieser Tempel liegt an der Nordwand der Amunanlage. Ursprünglich wurde er von einer Mauer umgeben.

Die Anlage von Karnak aus einem weiteren Blickwinkel.

Auf einer der Steinfragmente erkennt man eine Lotusblüte, das Symbol für Oberägypten.

An manchen Wandfragmenten, die man wieder zusammengesetzt hat, erkennt man noch farbige Darstellungen, die den Pharao bei feierlichen Ereignissen wie Krönung, religiösen Prozessionen und Fahrten abbildet.

Der berühmte Skarabäus aus Granit von Amenophis III . Er steht an der Nordostecke des Heiligen Sees von Karnak.  Er wurde dort 1907 durch den Forscher Georges Legrain ausgegraben.

Ursprünglich soll der Skarabäus auf der Westseite Thebens gestanden haben und für den Totentempel Amenophis III bestimmt gewesen sein. Auf der Inschrift des Sockels wird dem Pharao Amenophis III ewiges Leben gewünscht.

Die Schönheit der Natur lässt einen nicht unberührt.

Sie findet man am Heiligen See, in dem sich die Priester der Tempelanlage waschen und sich Reinigungsritualen unterziehen konnten. Er ist der größte seiner Art in Ägypten mit immerhin 200 x 77 Metern.

Wenn man diese Zusammenstellung von Pharaoenstatuen am Amuntempel in Karnak sieht, beschleicht einen der Eindruck, die Entdecker der Statuen hätten noch nicht den richtigen Standort wieder gefunden. Wer genau hinschaut, erkennt auf dem Schild über der Schranke den Vermerk „Kein Eingang“.

Nun, wir hatten auch nicht vor, erneut in den Tempel zu gehen, sondern widmeten unsere Aufmerksamkeit dem nächsten Tag und der Besichtigung der Tempelanlage in Luxor.

 

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