Siena – Bellezza della Toscana

Bellezza della Toscana – Schönheit der Toskana. So wird Siena von den Italienern liebevoll beschrieben.

Siena bietet den Touristen ein unsagbar schönes historisches Stadtbild. Und wieder einmal hatten wir während unserer Italien-Rundreise das Gefühl, in einem Ort zu sein, in dem die Zeit stehen geblieben ist.

Bei unserer Anreise fuhren wir durch eine Hügellandschaft, die bei dem guten Wetter traumhaft schön war. Siena ist von Weinbergen umgeben.

Doch zunächst einmal wollen wir das Geheimnis um Karlchen lüften.

Karlchen war unser damaliges Reisegefährt, mein erstes eigenes (neues) Auto. Dieser Wagen hatte gerade mal 45 PS und so kam, was kommen musste. Um in Siena unsere Unterkunft zu erreichen, mussten wir einen steilen Berg hinauf. Für das Auto war dieser offensichtlich zu steil, denn auf der Hälfte der Strecke machte er schlapp und wollte wieder bergab fahren. Bremse treten, Handbremse anziehen und das typische Anfahren am Berg … nichts funktionierte, er war einfach zu schwach. Wenden, um wieder nach unten zu fahren – unmöglich. Die Straße war zu eng. Schließlich haben uns ein paar Einwohner der Stadt so lange angeschoben, bis Karlchen wieder in der Lage war, die restliche Strecke alleine zu fahren. An der Unterkunft wurde Karlchen geparkt und ihm bis zum nächsten Tag eine Verschnaufpause gegönnt.

Wir hingegen machten uns sofort auf zur Stadtbesichtigung.

Dieses historische Städtchen empfing uns mit zahlreichen verwinkelten Gassen, die durch die sehr gut erhaltene Stadt verlaufen. Wegen der wunderschön erhaltenen Altstadt gehört Siena seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Siena gehörte bereits im Mittelalter zu den mächtigsten Städten Mittelitaliens. Dies deshalb, weil die Stadt direkt an den wichtigen Handelswegen lag. Im Jahr 1555 verlor die Stadt ihre Abhängigkeit und war von diesem Zeitpunkt an Teil des Großherzogtums Toskana.

Auf unserem Weg in die Stadt schlängelten wir uns durch zahlreiche enge Gassen, die von hohen Gebäuden gesäumt waren, um dann direkt im „Herzen“ der Stadt zu landen. Wir befanden uns auf dem wohl bekanntesten und schönsten Platz der Toskana, die muschelförmig angelegte Piazza del Campo. Hier findet das sienesische Leben statt.

Der Platz ist bekannt durch die um ihn herum angesiedelten architektonischen Bauten. Die ältesten Gebäude stammen aus dem Jahr 1169. Aber auch durch das Palio di Siena, ein Pferderennen das zweimal im Jahr stattfindet, ist die Stadt bekannt geworden. Da wir das Glück haben, immer außerhalb der Schulferien reisen zu können, haben wir ein solches Pferderennen nicht miterleben können. Sie finden am 02. Juli und 16. August statt. Uns wurde berichtet, dass diese Pferderennen seit 1644 ausgetragen werden. Zwei Stadtviertel treten gegeneinander an und es soll bereits nach wenigen Minuten beendet sein. Dafür dauern allerdings die Siegesfeiern über mehrere Tage an.

Bei genauer Betrachtung des Platzes sieht man, dass dieser verschiedene Höhen hat, so dass die Mitte in einer Senke liegt.

Der Torre del Mangia (Turm des Palazzo Pubblico)

Der Torre del Mangia befindet sich links neben dem Palazzo Pubblico, dem eindrucksvollen Rathaus. Er stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Siena. Dieser imposante Turm ragt mit ungefähr 100 Metern hoch über die Dächer der Stadt hinaus.

Die Bauzeit des aus Backstein bestehenden Turmes betrug zehn Jahre (1338-1348). 1360 wurde in ihm die erste mechanische Uhr installiert. Der Rathausturm hat neben der Uhr auch eine Glocke.

Benannt wurde der relativ schlanke Turm nach Mangiaguadagni, dem ersten Glöckner. Allerdings soll sein richtiger Name wohl Giovanni di Balduccio gewesen sein. Da er ein regelrechter Geldverschwender war, bekam er den Beinamen Mangiaguadagni.

Mein Mann hatte sodann die „fantastische“ Idee, auf diesen Turm zu steigen. Wer bereits mehrere Berichte von uns gelesen hat weiß, dass ich Höhenangst habe. Bevor ich auch nur den kleinsten Einwand andeuten konnte, hatte er schon die Eintrittskarten gekauft und los ging es. Wenn ihr auf den Turm steigen möchtet, müsst ihr ca. 500 Stufen überwinden. Ein Unterfangen, das recht anstrengend ist, da der Aufgang extrem eng ist. Auch auf der Plattform ist nicht sonderlich viel Platz. Hier kam uns wieder zugute, dass wir recht früh – wir haben die ersten Karten des Tages gekauft – vor Ort waren.

Piazza del Campo mit dem Fonte Gaia Brunnen

Oben angekommen, war die Anstrengung des Aufstiegs sehr schnell vergessen. Und auch ich habe mich getraut, nach unten und auch in die Ferne zu schauen. Von hier oben hatten wir einen wahnsinnigen Blick auf die Piazza del Campo und eine atemberaubende Aussicht über die Stadt.

Blick über die Stadt

Blick auf den Dom

Blick auf die Kirche San Niccolò del Carmine

Es ist sehr schwer, sich von solch einem traumhaften Ausblick zu lösen. Aber es nützte alles nichts, wir mussten ja auch wieder nach unten. Der Abstieg war ebenso anstrengend wie der Aufstieg. Am nächsten Tag sollte der Muskelkater grüßen. Letztendlich war ich froh, doch mit auf den Turm gestiegen zu sein. Ich hätte etwas Wunderbares verpasst!

Touristeneingang zum Palazza Pubblico

Der Palazzo Pubblico hat zwei Eingänge. Einer befindet sich auf der rechten Seite, durch diesen gelangt man zur Stadtverwaltung. Der zweite befindet sich auf der linken Seite und ist für die Touristen. Hier befinden sich die Kasse für die Eintrittskarten, der Eingang zum Museum und die Treppe hinauf zum Turm.

Palazzo Pubblico

Der majestätische Palazzo Pubblico stammt aus der Zeit zwischen 1288 und 1342 und war Sitz der Regierung der Neun. Dieses imposante Gebäude bildet mit dem dazugehörigen Turm das Wahrzeichen der Stadt. Neben der Verwaltung beherbergt der Palazzo Pubblico heute das Museo Civico, in dem sich berühmte Fresken befinden.

In der Fassade des Rathauses sind verschiedene Baustile zu finden. Während zunächst mit Stein (Travertinquadern) und sowohl der erste als auch der zweite Stock mit Ziegelstein gebaut wurde, hat man den Abschluss mit guelfischen Zinnen verziert.

Mittig im oberen Teil der Hauptfassade wurde ein Monogramm Christi (auch als Bernardisches Monogramm bekannt) angebracht. Es befindet sich auf einer aus weißem Marmor bestehenden großen Platte. Hergestellt wurde es im Jahre 1425 von Battista di Niccolò und Turino die Sano.

Zwei steinerne Wölfe flankieren die Ecken des Gebäudes.

Der Brunnen Fonte Gaia befindet sich auf dem höchsten Punkt der Piazza del Campo. Jacopo delle Quercia hat ihn komplett aus Marmor erbaut und mit zahlreichen Statuen und Reliefs verziert. Er benötigte hierfür zehn Jahre. Der Brunnen ist von drei Seiten mit einer Marmorwand begrenzt.

Der Fonte Gaia, „Brunnen der Freude“, ist ein beliebtes Fotoobjekt. Da die Stadt auf einem Hügel liegt und immer unter Wassermangel litt, war die Freude der Einwohner seinerzeit sehr groß, als das erste Wasser aus dem Brunnen sprudelte. Durch unterirdische Rohe wurde das Wasser aus 25 Kilometern Entfernung hierher verbracht.

Die heute an ihm zu bewundernden Skulpturen sind keine Originale mehr, diese wurden 1858 durch Nachbildungen ersetzt. Allerdings wurden die Originale erhalten und befinden sich in dem im Rathaus gelegenen Museum.

Um den Dom zu erreichen mussten wir wieder auf einen Hügel laufen, da dieser an der höchsten Stelle der Stadt erbaut wurde. Aber auch diese kleine Strapaze hat sich gelohnt. Der Dom, Duomo Santa Maria Assunta , ist ein weiteres Highlight der Stadt. Aus schwarzem und weißem Marmor erbaut, ist er ein bedeutendes Bauwerk. Beginn des Baus war Anfang des 13. Jahrhunderts, fertiggestellt wurde er im 14. Jahrhundert.

Der 77 Meter hohe Glockenturm des Doms wurde 1313 erbaut.

Wie wir bei der Besichtigung erfuhren, setzt sich die weiße Marmorfassade aus zwei Stilelementen zusammen. Dabei ist die untere im romanisch-gotischen Stil gestaltet und die obere orientiert sich an der florentinischen Gotik. Dies ist an dem Rosenfenster zu erkennen, um das gotische Nischen mit Büsten der Aposteln und Prohpheten angebracht wurden.

Auf diesem Foto ist die Engelsstatue an der Spitze der Domfassade zu sehen. Darunter sehen wir die Krönung der Jungfrau von Mussini.

Auf der linken Seite über dem Hauptportal ist die Darstellung Marias im Tempel zu sehen.

Auf der rechten Seite wird die Geburt Jesu dargestellt. Beide Mosaike wurden von Franchi entworfen.

Wasserspeier, architektonische Details der Außenfassade.

Nicht nur von außen ist der Dom beeindruckend. Im Inneren erstrahlt eine Eleganz, die einen zu erschlagen droht. Einfach fantastisch.

Der Piccolomini-Altar befindet sich im nördlichen Seitenschiff. Er wurde im Auftrag von Francesco Todeschini Piccolomini (späterer Papst Pius III.) von Andrea Bregno errichtet. Der Altar besteht aus Carrara-Marmor und ist bestückt mit Skulpturen von Michelangelo.

Der Hochaltar wurde 1536 von Baldassarre Peruzzi aus Marmor gemeißelt. Über ihm befindet sich ein Bronze-Ziborium von Vecchietta.

Ein Blick in die Kuppel.

Das Fenster zeigt das Abendmahl Jesu.

Das Leben Mariens, gemalt von Duccio di Buoninsegna.

Ein weiterer Schatz im Inneren des Doms ist die achteckige Kanzel von Niccolò Pisano. Löwen stützen die Säulen, auf denen sich die Kanzel befindet.

Für die Fertigstellung dieses wunderschönen Mosaikbodens wurden sechs (!) Jahrhunderte benötigt. Giorgio Vasari bezeichnete ihn „als den schönsten und größten und prächtigsten Boden, der je gebaut wurde“ („Al più bello et al più grande e magnifico pavimento che mai fusse stato fatto.“).

Die Gestaltung des Bodens durch Marmorplatten mit Einlegearbeiten aus farbigem Marmor und mit schwarzen Gravuren versehen ist einzigartig. Dargestellt werden u.a. biblische Szenen.

Innenraum zur Apsis

Besonders sollte dem Chorgestühl in der Apsis Beachtung geschenkt werden. Dieses wurde mit wertvollen Intarsienarbeiten von Fra Giovanni da Verona versehen.

Die gesamte Kirche ist eines der bedeutendsten Prachtstücke der Toskana.

Wer durch die Altstadt von Siena bummelt wird neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten auch einige wundersame Dinge zu sehen bekommen. So „die Frau im Fenster“.  Angeblich soll diese Darstellung ein Hinweis darauf sein, dass an dieser Stelle einst ein Bordell betrieben wurde.

Wir bummelten noch etwas durch die Altstadt und entschieden uns dann, zurück zur Piazza del Campo zu laufen. Den Abend wollten wir hier bei einem guten Essen und einem Glas Wein ausklingen lassen.

Siena nicht zu mögen, ist schier unmöglich. Die Stadt hat nicht nur Charme, sie besticht vor allem mit dem wohl bekanntesten Platz Italiens, der sowohl den Mittelpunkt der Stadt als auch des sienesischen Lebens bildet.

Ein Tag in Siena reicht gerade einmal aus, um sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzusehen. Wer die Stadt intensiver erkunden möchte, sollte etwas mehr Zeit einplanen. Auch die Umgebung von Siena bietet viele Gelegenheiten, einige Ausflüge zu unternehmen.

Ein unvergesslicher Ausflug in die Vergangenheit ging zu Ende. Möchtest du eine Reise in die Toskana unternehmen? Dann sollte Siena auf jeden Fall auf der Liste stehen.

Unser Karlchen war am nächsten Tag auch wieder fit und brachte uns wohlbehalten nach Rom. Auch den Rest unseres Roadtrips absolvierte er ohne Probleme.

© 2022 by Travel-See-Xperience

6 Antworten auf “Siena – Bellezza della Toscana”

  1. Liebe Ulrike. Was für ein schöner Reisebericht. Es ist wiedermal so als ob ich selber da gewesen bin. Du schreibst einfach so schön locker und flockig. Auch von deiner Höhenangst, die Du überwinden musstest. Es hatte sich ja wirklich gelohnt. Was für ein Ausblick. Danke für die vielen schönen Bilder. Bitte schreibe immer weiter so schöne Reiseberichte. 🙏

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  2. Hallo fleißige Schreiberin, von Silvia Commodore habe ich den Hinweis bekommen. Wir, meine Frau und ich, scheinen nicht die einzigen Italien-Liebhaber zu sein. Und Siena ist bei uns ganz weit vorn. Sehr schöner Bericht. Hat mir den Mund sofort wässrig gemacht. 2022 wird wohl nichts mehr, aber dann!

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  3. ein sehr schöner Reisebericht! Siena ist definitiv auch eines meines Highlights in der Toscana. Wir sind damals in unserem Urlaub sogar extra ein zweites Mal hingefahren, da es zuerst geregnet hatte.

    Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim Reisen,
    Hanna

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  4. Hallo Ulrike,

    Vielen Dank, ein wirklich wunderbarer Bericht, eine sehr gute Mischung von Informationen und persönlich Erlebten. Da möchte ich mich am liebsten ins Auto setzten und nach Siena fahren.
    Ciao
    Ecki

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