Athen – Das Archäologische Nationalmuseum

Das Archäologische Nationalmuseum in Athen enthält im Vergleich zu den anderen Museen in Griechenland die wohl beeindruckendste und bedeutendste Sammlung antiker Kunstgegenstände. Die Sammlung umfasst heutzutage mehr als 11.000 Exponate. Wir stellen in unserem Bericht eine kleine Anzahl dieser Kostbarkeiten vor.

Bereits 1874 wurde das Archäologische Nationalmuseum eingeweiht. 1881 und 1885 wurden Erweiterungsbauten in Form von Seitenflügeln eröffnet. 1935 folgte ein weiterer Seitenflügel, der der ständig anwachsenden Zahl von Exponaten geschuldet war. Aus Angst vor Plünderungen wurde das Museum 1940 verschlossen, alsbald nach fünf Jahren jedoch wieder eröffnet. Ende Februar 2009 wurde es um eine Ausstellungsfläche von 24.000 Quadratmeter erweitert, wobei man teilweise Flächen im Kellergeschoss erschließen musste.

Eine der bekanntesten Vasen des Museums ist die Dipylon-Amphora, auch DipylonVase genannt. Sie wurde durch den griechischen Vasenmaler und Töpfer Dipylon um 760/750 v. Chr. geschaffen.

Wegen der geometrischen Muster, mit denen die Vase geschmückt ist, wird sie als das bedeutendste Exponat des geometrischen Zeitalters angesehen.

Aus der attischen Vasenmalerei stammt diese Vase in der typischen Farbkombination aus dunkelbraunen oder schwarzen und hellbraunen Farben. Sie stammen aus Athen und dem attischen Umfeld und waren insbesondere im 6. Jahrhundert vor Chr. verbreitet.

Im Nationalmuseum steht auch diese Statue eines jungen Mannes aus parischem Marmor, genannt Kroisos-Kouros, auch Kouros von Anavyssos. Sie wird auf das Jahr 530 v. Chr. datiert und gehört zu den besterhaltenen Statuen ihrer Epoche.

Die Statue wurde fragmentiert vorgefunden, wie noch deutlich an den verschiedenen Bruchstellen zu erkennen ist. Ursprünglich zierte die Figur eine Grabstelle  in der Nekropole von Anavyssos in Attika. Bei illegalen Ausgrabungen fanden Grabräuber die Statue, zersägten sie und brachten sie 1937 nach Paris. Ein Jahr später wurde sie an Griechenland zurückgegeben.

Auf dem Sockel findet sich in Griechisch die Inschrift: „Stehe und trauere am Monument des toten Kroisos, den der gewalttätige Ares zerstörte, als er in der ersten Reihe kämpfte.“

Wie bei Jünglingen ihrer Zeit üblich, ist das Haar in vielen kleinen Löckchen und Strähnen gestaltet. Im Gesichtsbereich haben die Locken die Form kleiner Schnecken und verjüngen sich zur Scheitelmitte. Der Mund zeigt das typische „archaische Lächeln“.

Bei dieser Statue sind die Gelehrten sich nicht sicher, ob es es sich um eine Darstellung des Poseidons oder Zeus handelt. Folgerichtig heißt sie Poseidon vom Kap Artemision oder auch als Zeus vom Kap Artemision. Sie besteht aus wertvoller Bronze und ist von daher einer der seltenen griechischen Bronzefiguren des 5. Jahrhunderts v. Chr., die noch bis in die Gegenwart erhalten geblieben ist. Sie hat eine Größe von 2,09 Meter, die Spannweite zwischen beiden Armen beträgt über zwei Meter.

Das sie nicht längst eingeschmolzen worden ist, hat sie einem besonderen Glücksfall zu verdanken. Das Schiff, mit dem die Figur und weitere Exponate transportiert wurden, havarierte während eines Sturms und sank. 1926 wurde sie in der Nähe des Schiffswracks vor dem Kap Artemision nördlich der Insel Euböa gefunden. Bei weiteren Tauchgängen fand man 1928 noch den Reiter vom Kap Artemision.

Als ein Taucher verunglückte, stellte man die Bergungsarbeiten ein. Vermutlich schlummern noch viele Schätze am Meeresgrund. Hier kennt man die Fundstelle, belässt es aber bei den gefundenen Objekten.

Das Haupt des Gottes ist umrahmt von den flechtenartig herabhängenden Kopf- und Barthaaren. Die Augenhöhlen lassen vermuten, dass ursprünglich die Augen entweder aus polierten Steinen, Elfenbein, Knochenscheiben oder Glas gestaltet waren. Das Gesicht lässt keine Mimik erkennen.

Der Reiter vom Kap Artemision befindet sich ebenfalls im Nationalmuseum. Die Bronzegruppe wurde in mehreren Fragmenten gefunden und wieder zusammengesetzt. Keiner vermag zu sagen, ob die Zusammensetzung vollständig geglückt ist und die Gruppe tatsächlich genauso aussah. Zaumzeug und Gerte werden noch vermisst. Ein Teil des Zaumzeuges hält der Junge in der Hand.

Man datiert die Bronzegruppe auf die Zeit um 140 v. Chr. und ordnet sie damit dem Hellenismus zu. Gesichert ist dies jedoch nicht.

Ursprünglich stand im Parthenon in Athen eine riesige Statue der Göttin Athena. Diese bestand aus Gold und Elfenbein, die über einen Holzkern gezogen waren. Sie hatte eine Größe von 12 Metern. Der griechische Bildhauer Phidias schuf die Statue zwischen 447 und 438 v. Chr. 

Die Varvakeion Statue der Athena Parthenos ist wohl eine Replik aus der römischen Zeit. Sie wurde in Varvakeion in Athen in den Ruinen eines römischen Hauses gefunden. Die Statue besteht aus Marmor und hat eine Größe von 1,05 Meter.

Dieses florale Motiv aus der Antike ist auch heute noch zeitgemäß. Man nennt es Akroterion, was übersetzt soviel heißt wie Spitze oder oberste Ecke. Das Akroterion kommt häufig in der antiken griechischen, etruskischen und römischen Tempelarchitektur sowie bei Grabstelen in verschiedenen Ausgestaltungen vor. Als Zierelement vorwiegend an Dachfirsten wurde es zuletzt gerne auch im Klassizismus verwendet.

Die Goldmaske des Agamemnon wurde 1876 von dem deutschen Archäologen Heinrich Schliemann bei Ausgrabungen in Mykene entdeckt. Man ordnet die Maske auf die Zeit Mitte des 1600 Jahrhunderts v. Chr. ein.

Dass es die Grabmaske des Agamemnon war, ist reine Fiktion und nicht durch Fakten untermauert. Gleichwohl hat sich die Bezeichnung eingeprägt, auch wenn es sich nur um die Maske eines unbekannten mykenischen Fürsten handeln könnte.

Diese antike Satyrfigur mit Phallus springt sofort ins Auge. Diese Bronzefigur stammt aus dem Zeustempel in Dodona in der griechischen Landschaft Epirus und wird auf die Zeit zwischen 540-530 v. Chr. datiert. In Dodona befand sich ein Orakel, das bereits vor Delphi bekannt war.

Dieser weibliche Kopf aus bemalten Stuck stammt aus Mykene. Er wird auf die Zeit um das 13. Jahrhundert v. Chr. datiert und soll eine Göttin darstellen.

Goldmasken aus der mykenischen Sammlung, die von Heinrich Schliemann ausgegraben wurden.

Ein gold- und silberverzierter Bronzedolch mit der Darstellung einer Löwenjagd aus der mykenischen Zeit. Vier Krieger kämpfen gegen einen Löwen, während ein fünfter Krieger bereits verletzt am Boden liegt. Datiert wird der Dolch auf die Zeit von  1600 – 1500 v. Chr. Er wurde von Schliemann 1876 in Mykene (Grabkreis A, Schachtgrab IV) gefunden.

Goldbecher von Vaphio. Diese Goldbecher mit der Darstellung von Männern beim Stierfang wurden im Tholosgrab von Vaphio in Lakonien (Peloponnes) gefunden. Sie stammen aus der mykenischen Zeit um 1500 v. Chr. und werden nach ihrem Fundort Vaphio-Becher genannt.

Weitere Teile des legendären Goldschmucks, die von Heinrich Schliemann in Mykene ausgegraben wurden.

Eine Grabstele aus Mykene mit der Darstellung eines Pferdegespanns mit zwei Männern. Diese Grabstele aus Kalkstein (16. Jahrhundert v. Chr.) wurde über dem Schachtgrab V gefunden.

Dieses Fragment einer Wandmalerei aus dem Palast v. Tiryns stammt aus der Zeit zwischen dem 13. und 12. Jahrhundert v. Chr. und stellt eine Meute von Jagdhunden dar, die ein Wildschwein verfolgen. Rechts erkennt man noch eine Hand, die einen Spieß in den Eber stößt.

Auf einem weiteren Teil des Fragments erkennt man zwei Frauen, die einen Streitwagen führen.

Diese Wandmalerei wurde im Tsountas-Haus in Mykene gefunden. Dargestellt sind sogenannte Esel-Dämonen oder Kultfunktionäre in Eselsmasken.

Ein mykenischer Kantharos (Trinkbecher) aus Gold in Kalamata gefunden. Die Grabungen wurden nach dem Fund dieses Bechers weiter fortgeführt und waren erfolgreich. Mit diesem Trinkbecher wurde in der Antike Wein getrunken.

Ein weiterer Kantharos aus Gold mit zwei Henkeln. Er stammt aus der Zeit 1550-1500 v. Chr. und ist der mykenischen Periode zuzuordnen.

Zwei goldene Siegelringe aus der mykenischen Periode mit Darstellung jeweils einer Sphinx.

Dieser Siegelring stammt aus einem Kuppelgrab von Midea (14. Jahrhundert v. Chr.). Der Fund bestätigt, dass Midea neben Mykene und Tiryns ein wichtiges Zentrum war.

Zwei Siegelringe aus Gold (Mykene). Der obere stellt eine Jagdszene mit Kampfwagen dar, der untere eine kriegerische Kampfszene. Sie wurden im Grab IV durch Schliemann gefunden.

Abgebildet ist eine goldene Brustplatte (Thorax) mit getriebenen Spiralornament aus Mitte des 16. Jahrhunderts v. Chr., die im Schachtgrab 5 in Mykene gefunden wurde.

Einer der Sensationsfunde, die Schliemann im Grab IV vorfand. Die Abbildung zeigt ein silbernes Rhyton in Form eines Stierkopfes mit goldenen Hörnern. Dabei handelt es sich um ein Trink- oder Spendegefäß zum Ausgießen von Trankopfern, die häufig in Tiergestalt wie Stier- oder Widderköpfe gearbeitet waren.

Im gleichen Grab fand Schliemann dieses Rhyton in Form eines Löwenkopfes.

Eine goldene Totenmaske aus Mykene, Bestandteil der Ausgrabungen Schliemanns. Bis heute sind sich die Wissenschaftler nicht im klaren, warum die mykenische Hochkultur unterging. Es werden wohl verschiedene Faktoren gewesen sein wie regionale Kriege, Aufstände, der Zusammenbruch wichtiger Ressourcen, Erdbeben und länger andauernde Dürreperioden. Ereignisse, die sich bis in die Gegenwart wiederholen.

Mit dieser mykenischen Totenmaske aus dem Grabe IV schließen wir unseren Rundgang durch das Archäologische Museum in Athen. Dieses Museum mit unglaublich wertvollen Artefakten sollte auf der Liste jeden Besuchers der Stadt Athen stehen, der auch etwas Wert auf Kultur und Geschichte legt.

Für den nächsten Tag war eine ausgedehnte Stadtbesichtigung von Athen geplant, mit der unsere Rundreise auch endete.

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