Schloss Waldenburg Hohenlohe Baden-Württemberg

Schloss Waldenburg

Die pure Neugierde war ausschlaggebend dafür, dass wir auf dem „Balkon Hohenlohes“ landeten.

Während unserer Touren durch das Hohenloher Land haben wir aus der Ferne immer wieder die „Burg“ auf dem 500 Meter hohen Bergsporn gesehen. Also fassten wir den Entschluss, diese „Burg“ zu besichtigen. Bei unserem Besuch stellte sich sehr schnell heraus, dass selbige ein Schloss ist, nämlich Schloss Waldenburg.

Das Städtchen Waldenburg ist sehr beschaulich und bietet seinen Besuchern traumhafte Blicke in die Hohenloher Ebene, so dass die Bezeichnung der „Balkon Hohenlohes“ wirklich sehr treffend ist.

Ein kleines „Bergdorf“ mit ganz besonderen Reizen. Ganz klar dominiert hier noch die Natur, was sich durch die bewachsenen abfallenden Hänge und die in der Nähe liegenden Wälder zeigt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Waldenburg ein anerkannter Luftkurort im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ist.

Die Begeisterung machte sich bei uns breit, denn das zauberhafte Dörfchen versprühte durch die Schlossanlage einen mittelalterlichen Charme, da sich noch heute die dicken Wehrmauern um die Altstadt säumen.

Im Übrigen lagen wir gar nicht so falsch mit der Annahme, dass es sich um eine Burg handeln würde. Was heute das Schloss Waldenburg darstellt, war früher eine Burg des Mittelalters, die 1235 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Zur Zeit der Staufer errichteten Vögte des Bistums Regensburg die „Waldenberc“ (1200). Sie diente zum Schutz der sich am Fuß des Berges befindlichen Reichsstraße, die vom Rhein zur Donau führte.

Die Fürsten zu Waldenburg-Hohenlohe nahmen im 15. Jahrhundert die Burg als Residenz. Von ihnen wurde sie auch zum Schloss umgebaut. Nach der Auflösung des Fürstentums Hohenlohe (1806) ging Waldenburg an das Königreich Württemberg über.

Das Schloss

Das heutige Schloss Waldenburg bildet das nördliche Ende des gleichnamigen Bergdorfes. Ein Teil des Schlosses ist öffentlich, der andere Teil befindet sich nach wie vor im Privatbesitz.

Eingang zum Schloss

Bevor wir in den Innenhof gelangten, passierten wir den Halsgraben über eine alte Steinbrücke. Wir können nur vermuten, dass die Anlage an dieser Stelle früher eine Zugbrücke hatte. Ansonsten wäre ein entsprechender Schutz hier nicht möglich gewesen.

Wappen am Eingangsportal

Der Durchgang zum Innenhof führt durch den kompletten querliegenden Gebäudetrakt hindurch. Hier entdeckten wir an der Wand ein Wappen. Im oberen Teil des Wappens befindet sich schön dargestellt eine Maske. Der darunter liegende Teil hat Ähnlichkeit mit dem Muster eines Schachbrettes.

Darüber hinaus ist das Wappen mit einer Inschrift versehen, die darauf hindeutet, dass es sich um ein Familienwappen handeln könnte.

Der Innenhof des Schlosses ist recht überschaubar. Von ihm aus gelangt man sowohl zu den einzelnen Gebäuden als auch in den privaten Bereich des Schlosses.

Bergfried mit Eingang zur Schlosskapelle

Gleich neben dem Bergfried befindet sich der Eingang zur Schlosskapelle (1793), die für die Besucher zugänglich ist. Diese ist schlicht gehalten und weist Stile des Spätrokoko und Frühklassizismus auf. Nach der Zerstörung im Krieg wurde sie vollständig wieder aufgebaut.

Im Anschluss an die Besichtigung der Schlosskapelle machten wir eine interessante Entdeckung.

Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Brunnen ist 65 Meter tief und soll wohl immer noch Wasser führen. 1949 wurde der Brunnen wiederentdeckt.

Natürlich wollten wir uns auch davon überzeugen, ob er wirklich so tief ist und die Abdeckung ihre Berechtigung hat. Im Übrigen war es auch nicht so einfach, durch das Gitter hindurch ein halbwegs passables Foto zu machen.

Keine Ahnung, wie weit es dort hinunter geht, sieht aber ziemlich tief aus. Ob auf dem Grund schon sehr viele Handys liegen?

Damit war die Besichtigung des Innenhofes auch schon vorbei. Zurück ging es wieder über die alte Steinbrücke.

Bergfried – Männlesturm

Der Männlesturm (Bergfried) sieht – wie auch schon auf der Aufnahme vom Innenhof zu sehen – aus, als wäre er in das Schloss hineingebaut worden. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass er beim Umbau wegen seiner extrem dicken Mauern nicht abgebrochen werden konnte. So wurde er in das Schloss integriert. Sein heutiges Aussehen hat er aus dem Jahr 1576.

Wer möchte nicht eine Wohnung mit solch einer schönen Aussicht haben? Das kleine Tor in der Mauer führt direkt in die schöne Natur hinaus.

Da sich die alten Stadtmauern und Wehranlagen an der Stadt entlang befinden, ist eine Tour durch die Altstadt Waldenburgs unabdingbar. Denn auch hier gibt es Vieles zu entdecken.

Rundgang durch die Altstadt

Vom Schloss begeben wir uns auf den Stadtrundgang. Es gibt einen sogenannten Panoramarundweg, der mit einem Kilometer nicht allzu lang und gut zu meistern ist.

Schneiderwerkstatt

Dieses Gebäude befindet sich vor der Steinbrücke, die über den Halsgraben zum Schloss führt. Die Tafel an der Tür weist aus, dass sich heute tatsächlich eine Schneiderwerkstatt in dem Haus befindet.

Das Wappen an der Hauswand macht deutlich, dass das Gebäude einst Teil des Schlosses war.

Rathaus

Das Rathaus, in schönem Fachwerkstil errichtet, wurde 1953 fertiggestellt. In diesem befindet sich auch die Tourist-Information. Das ursprüngliche Rathaus befand sich allerdings in der Schlossstraße, dient heute aber auch noch als Verwaltungsgebäude.

Bevor 1947 eine neue Hauptstraße angelegt wurde, standen in diesem Bereich die Häuser dicht beieinander. Sodann erfolgte der Bau des neuen Rathauses, der im ersten Bauabschnitt lediglich einen Saal für die Bürger vorsah. Erst später wurde der Verwaltungstrakt hinzugefügt.

Haus Palmer

Haus Palmer wurde 1581 errichtet. Das älteste und im Krieg völlig unversehrt gebliebene Haus wurde mit einem sog. Renaissance-Staffelgiebel (auch Treppengiebel) errichtet. Der Giebel ist hierbei stufenförmig aufgebaut und ragt ein wenig über das eigentliche Dach hinaus. Heute beherbergt das Haus ein kleines Café.

Auch die Evangelische Stadtkirche wurde 1594 im Renaissancestil als Hallenkirche erbaut. Jedoch wurde sie nach der Errichtung mehrfach umgebaut. In ihr zu sehen sind wunderschöne Glasfenster von H.G. von Stockhausen. Etwas untypisch ist die Anbringung der Uhr am Glockenturm. Offensichtlich wurde sie wegen der Sonnenuhr mehr nach links außen angebracht.

Marktplatz mit Phönixbrunnen und Wehrgang

Den Mythos vom Vogel Phönix, der seinen Ursprung in Ägypten im Land der Pharaonen hat, kennt wohl jeder. Der Phönixbrunnen steht seit 1987 auf dem heutigen Marktplatz. Er soll an die Zerstörung und den darauf erfolgten Wiederaufbau erinnern. Im Hintergrund ist ein Teil des Wehrganges zu sehen.

Der Wehrgang ist Teil der alten Stadtmauer, befindet sich teilweise noch in seinem Originalzustand und liegt mit vier bis sechs Metern deutlich über dem Niveau der Stadt. Die Stadtmauer war übrigens bis zu 1,30 Meter dick. Im 17. Jahrhundert wurde die Erlaubnis erteilt, diese mit Häusern zu überbauen, woraus eine einzigartige architektonische Mischung aus historischen Gemäuern und teilweise modernen Gebäuden entstand.

Lachnersturm

Mit einer Höhe von 33 Metern ist der Lachnersturm der höchste Aussichtsturm Hohenlohes. Um von oben eine tolle Aussicht genießen zu können ist es erforderlich, einhundert Stufen zu erklimmen. Bei schönem Wetter reicht der Blick bis zur Frankenhöhe oder aber auch zum Odenwald.

Seinen Namen bekam der Turm etwa im Jahr 1750 von der Wächtersfamilie Lachner. Um den Zugang zur Stadt zu bewachen und zu schützen war er früher von einem Hochwächter bewohnt.

Info:
Der Turm ist in der Regel von März bis Oktober ab acht Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. 

Brunnentörle

Die Stadtmauer mit ihren zahlreichen Aussichtspunkten verläuft in einer Länge von 950 Meter um die Stadt herum. Das Brunnentörle stellte bis 1901 die Verbindung zum einzigen Trinkwasserbrunnen der Stadt her. Der Weg war mit 248 Stufen insbesondere dann schwer zu bewältigen, wenn auf dem Rückweg die mit Wasser gefüllten Behälter getragen werden mussten.

Die Schanz

Die Schanz ist ein aus dem Jahr 1490 stammendes massives historisches Bauwerk. Sie wurde im 18. Jahrhundert mit Häusern überbaut.

Wer bei der Stadtbesichtigung die Augen überall hat und genau hinsieht, wird die „Fratze in Stein“ gemeißelt entdecken.

Fratze in Stein gemeißelt (rechts)

Eine Vielzahl von Touristen laufen täglich durch dieses Tor und somit häufig auch achtlos an der „Fratze in Stein gemeißelt“ vorbei. Lustig schaut das Gesicht nicht gerade aus und wir fragten uns, welche Bedeutung es wohl haben wird.

Diese Fratzen werden häufig auch „Neidköpfe“ genannt und befinden sich oft an Fachwerkhäusern, Stadttoren oder auch Stadtmauern. Dort hatten sie nicht nur die Aufgabe, alles Böse abzuwehren. Befand sich solch eine Fratze an einem Stadttor, so war dies ein Hinweis darauf, dass die Bewohner in ihrer Stadt weder Bettler noch Wegelagerer duldeten.

Also Augen auf, wenn ihr in historischen Städten unterwegs seid. Es gibt immer etwas zu entdecken.

Nachtwächterturm

Auf der historischen Stadtmauer befindet sich der um 1490 erbaute Nachtwächterturm. Er diente zum Schutz des äußeren Stadttores, was durch die Schießscharten deutlich wird. Errichtet wurde er ursprünglich als Wehrturm, erst später bekam er durch die Nutzung der Nachtwächter seine heutige Bezeichnung. Im Jahr 1988 erfolgte eine Sanierung des Turms.

Im Übrigen hat man von hier aus einen einen wunderschönen Blick in das Hohenloher Land.

Sowohl der Nachtwächter dieses Turms als auch der Hochwächter des Lachnersturms hatten die Aufgabe sich nachts während ihrer Wachen etwas zuzurufen. Dies diente zur Sicherstellung, dass beide wachsam auf ihren Posten waren.

Durch diese Toranlage wurde über viele Jahrhunderte der südliche Stadteingang geschützt. Sie befindet sich gegenüber des Hochwächterturms (Lachnersturm). Um es eventuellen Eindringlingen schwer zu machen war es sowohl durch ein sog. „Inneres Tor“ als auch durch ein „Äußeres Tor“ gesichert. Waldenburg wurde durch diese immense Absicherung zu einer wahren Festung.

Hier endete unser Stadtrundgang. Es war Zeit für eine kleine Pause …

Mitfahrbank

Doch Achtung! Auf dieser Bank solltest du nicht allzu lange verweilen. Denn wer sich hier niederlässt, signalisiert Autofahrern, dass er auf eine spontane und möglichst kostenlose Mitfahrgelegenheit wartet.

Wo genau liegt Waldenburg

Die Stadt Waldenburg ist ein Luftkurort im Hohenlohekreis des Bundeslandes Baden-Württemberg. Sie ist rund 20 Kilometer von der nördlich gelegenen Stadt Schwäbisch Hall entfernt. Waldenburg gehört zur Region Heilbronn-Franken.

Die Region Hohenlohe zeichnet sich durch ihre malerische Landschaft und zahlreichen historischen Städte aus. Waldenburg ist von Hügeln umgeben und bietet den Besuchern ein außergewöhnliches Flair.

Wandern auf den Waldenburger Rundwegen

Aufgrund der schönen Lage Waldenburgs bietet es sich an, die Wanderschuhe zu schnüren und ein wenig die Natur zu genießen.

Die Wanderung Rund um den Neumühlsee hat eine Länge von 6,9 km (Wanderroute 5). Erforderlich ist festes Schuhwerk. In der Nähe des Sees kann in einer kleinen Gaststätte eine Pause eingelegt werden. Zu besichtigen gibt es bei dieser Tour eine historische Pumpstation. Start/Ziel ist der Parkplatz Friedhof Waldenburg.

Wer wissen möchte Wo Mönche lebten und heute Ponys grasen macht sich auf einen Fußmarsch von etwa 8,8 km (Wanderroute 6). Für diese Wanderung wird etwas Kondition für den Aufstieg benötigt. Nach einer kleinen Pause auf einem Ponyhof geht die Wanderung weiter in Richtung des früheren Klosters aus dem 14. Jahrhundert, danach steil bergan auf den Friedrichsberg und zurück zum Ausgangspunkt. Start/Ziel ist der Parkplatz Friedhof Waldenburg.

Wenn du ausschließlich Im Naturschutzgebiet, wo die Arnika blühen wandern möchtest, benötigst du für 11,3 km etwas mehr Zeit (Wanderroute 7). Für diese Tour wird neben festem Schuhwerk auch eine gute Kondition benötigt. Neben dem Jagdhaussee können während der Wanderung schottische Hochlandrinder bewundert werden. Start/Ziel ist der Parkplatz Friedhof Waldenburg.

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