Heilbronn
Die Großstadt Heilbronn, gelegen im Neckartal und umgeben von den Löwensteiner Bergen ist bekannt für ihre vielen verschiedenen Facetten.
Im Rahmen unseres Aufenthaltes in Döttingen zog es uns auch nach Heilbronn, die Stadt, die als Salzstadt, grüne Stadt, aber auch als Stadt des Weins bekannt ist.
Im Norden Baden-Württembergs gelegen gehört Heilbronn zu einer der größten Städte des Bundeslandes.
Reichsstadt durfte sich Heilbronn ab 1371 nennen. Die Lage direkt am Neckar war mit ausschlaggebend, dass sich die Stadt zu einem bedeutenden Handelsplatz entwickelte und mittlerweile den siebtgrößten Binnenhafen in Deutschland stellt.
Bei einem Luftangriff am 04.12.1944 wurde die Stadt so schwer getroffen, dass sie fast vollständig zerstört wurde. Der Wiederaufbau fand in den 50er Jahren statt.
Seit dem 01.02.2020 darf sich Heilbronn offiziell als Universitätsstadt bezeichnen.

Bereits vor der Abfahrt haben wir uns über entsprechende Parkmöglichkeiten informiert. Wir entschlossen uns für das Parkhaus Klosterhof am Kiliansplatz. Ein helles Parkhaus, welches darüber hinaus mit ausreichend großen Stellplätzen ausgestattet ist. Mit € 1,70/Std. ist es vielleicht nicht die preiswerteste Parkmöglichkeit, dafür waren wir aber sofort mitten im Geschehen. Allerdings nicht im Stadtzentrum, sondern wegen mangelnder Beschriftung an den Türen fanden wir uns plötzlich mitten im Gewusel eines großen Bekleidungsgeschäft wieder 😊.
Trotz alledem ist die Fußgängerzone in unmittelbarer Nähe zum Parkhaus. Von hier sind die historischen Bauten und weitere Sehenswürdigkeiten schnell zu erreichen.
Sehenswürdigkeiten

Die Ev. Kilianskirche ist die bekannteste Kirche der Stadt. Das ursprüngliche Kirchenbauwerk reicht bis in das 11. Jahrhundert zurück. Im 15. Jahrhundert wurde sie zur gotischen Hallenkirche aus „Heilbronner Sandstein“ umgebaut. Dies ist ein in Heilbronn gebrochener Schilfsandstein, der aus dem Mittleren Keuper entstand.

Beeindruckend ist der 62 Meter hohe Turm, der gerade durch seine achteckige Form beachtlich das Stadtbild prägt. Dieser wurde in der Zeit von 1513-1529 von Hans Schweiner errichtet. Die Kirchturmspitze wird von einem Landsknecht geziert, der im Volksmund als „Das Männle“ bezeichnet wird. „Das Männle“ hat eine Größe von 2,35 Meter und mit dieser weltlichen Figur auf dem Kirchturm bietet die Stadt Heilbronn eine Besonderheit.
Darüber hinaus ist der obere Teil des Turms, das Turmachteck, mit zahlreichen Wasserspeiern, Tieren, Fabelwesen und Gesichtern verziert.


Die Kilianskirche ist mit zwei Taufsteinen ausgestattet. Der neue Taufstein befindet sich im südlichen Seitenchor in der Taufkapelle. Interessant an ihm ist, dass er immer noch mit dem fließenden Wasser aus dem Kirchbrunnen gespeist wird. Dieser entspringt unter der Kirche. In ihm eingearbeitet sind Figuren, die symbolisch für “Lasset die Kindlein zu mir kommen” stehen.

Im Chorraum befindet sich der aus dem Jahr 1498 stammende zweiflügelige Marienaltar von Hans Seyfer. Dieses schnitzerische Glanzstück ist über elf Meter hoch. Wunderschön dargestellt wurden die aus reinem Lindenholz geschnitzten Figuren und Reliefszenen.

Hier sehr schön im mittleren Teil des Skulpturenschreins zu sehen, ist in der Mitte Maria. Rechts neben ihr der Hl. Kilian mit seinem Schwert und der Märtyrer Stephanus (rechts außen) mit Steinen auf der Bibel. Links befindet sich der Hl. Petrus, der einen Kirchenschlüssel bei sich trägt und der Märtyrer Laurentius (links außen) mit einer aufgeschlagenen Bibel.
Ein fantastisches Werk, das jeden Besucher in seinen Bann zieht.

Vom Marktplatz aus kommend sieht man gleich vor dem Eingangsportal der Kirche eine Christophorus-Skulptur.

Ein weiteres Schmuckstück der Stadt entdecken wir mit dem historischen Rathaus, das direkt am Marktplatz gelegen ist. Der Hauptbau ist der Gebäudeteil, der nach einer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. Ihm angeschlossen wurde ein moderner Gebäudekomplex, der das historische Bild leider stört.

Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Gebäude sticht durch seine Uhr besonders hervor. Ohne den Glockenaufsatz misst die Uhr eine Höhe von 10,50 Meter! Die beiden an der Uhr befindlichen Engel sind beweglich und drehen sich zum Stundenschlag. Hierbei werden die Glockenschläge mit dem Zepter des linken Engels gezählt.
Im Grunde genommen besteht die Rathausuhr aus drei Uhren.

Der untere Teil ist die astronomische Uhr mit der Tage, Wochen und Monate (Tierkreiszeichen) angezeigt werden.

Die Zeituhr mit den Angaben Minuten, Viertelstunden und Stunden befindet sich in der Mitte. Zu beachten ist hier, dass der große Zeiger die Stunden anzeigt. Die beiden unter der Uhr befindlichen Widder haben keine besonders schöne Aufgabe, stündlich stoßen sie ihre Köpfe zusammen. Auch der Hahn hat seine Aufgabe. Er kräht und bewegt die Flügel zur vierten, achten und zwölften Stunde.

Im oberen Teil werden die Mondphasen angezeigt. Oberhalb der Uhr befinden sich zwei Putten, von denen die linke die Aufgabe hat, jede Viertelstunde die Glocke anzuschlagen.
Obwohl die Rathaus-Uhr wunderschön ist, ist sie nicht das Original. Auch sie stammt aus dem Jahr des Wiederaufbaus (1953).

Das Käthchenhaus ist ein gotisches Pratizierhaus aus dem 14. Jahrhundert. Besonders beeindruckt hat uns der Erker. Johann Lachmann, ein lutherischer Theologe und der Reformator von Heilbronn, hat das Haus einige Zeit bewohnt. Er ließ den Erker im 16. Jahrhundert anbringen. An diesem sind die Oberkörpernachbildungen der Propheten Jesaja, Jeremias, Hosea und Habakuk zu sehen.
Auch dieses Gebäude fiel den Angriffen des Zweiten Weltkrieges zum Opfer, es brannte völlig aus. August Dietsche, ein Kaufmann, der seit 1919 Eigentümer war, ließ es wieder aufbauen. Seit 2000 ist es nunmehr im Besitz Becker-Franck-Stiftung der Stadt Heilbronn.
Woher hat das Käthchenhaus seinen Namen? Diesen verdankt das Haus der Titelfigur aus dem Drama von Heinrich von Kleist das „Käthchen von Heilbronn“.
Möglicherweise ist dir schon einmal aufgefallen, dass Heilbronn häufig auch als „Käthchenstadt“ bezeichnet wird.

Als Fleisch- und Gerichtshaus wird das Renaissancegebäude bezeichnet, das auf der Kramstraße zu sehen ist. Tatsächlich ist es aber auch noch das Hochzeitshaus. In der Zeit von 1598 bis 1600 wurde es erbaut und diente unter der Woche mit seinen Räumlichkeiten dem reichsständischen Gericht. An den Wochenenden ging es in dem Haus zeitweilig hoch her. Neben den Hochzeiten stand es auch für andere wichtige Feste zur Verfügung.
Warum das Gebäude auch als Fleischhaus bezeichnet wurde liegt daran, dass sich im Erdgeschoss eine offene Halle befand, in der die Metzger bis ungefähr zum Ende des 19. Jahrhunderts ihr Fleisch anboten, ja sogar schlachteten und entsprechend verarbeiteten.

Nur wenige Meter entfernt befindet sich der Deutschhof am Deutschordensmünster. Zunächst (seit dem 13. Jahrhundert) wurde der Deutschhof sowohl als Residenz und Fruchtkammer der Hauskommende genutzt. Später, im 19. Jahrhundert diente er sogar als Kaserne.
Nachdem der Gebäudekomplex im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, entstand nach dessen Wiederaufbau hier das Kulturzentrum mit dem Städtischen Museum. Auch das Stadtarchiv und das Haus der Stadtgeschichte befinden sich in dem Gebäude.
Wir schlenderten weiter und bewegten uns in Richtung Neckar. Unser nächstes Ziel war der Götzenturm.

Der Götzenturm ist einer von zwei Türmen, die als Bestandteil der ehemaligen mächtigen Stadtmauer erhalten geblieben sind. Er wurde nach Götz von Berlichingen benannt. Warum ist nicht ganz klar, da dieser nie im Götzenturm eingesessen hat. Vielmehr musste Götz von Berlichingen eine Nacht lang als Gefangener im Bollwerksturm, dem bis heute zweiten erhaltenen Turm verbringen.
Erbaut wurde der Götzenturm 1392 unter Zuhilfenahme von Steinen der früheren Burg Klingenberg als südwestlicher Eckpfeiler. Früher trug der Turm den Namen Viereckiger Turm. Nach einem Schild am Turm zu urteilen war sein ursprünglicher Name Neuer Turm. Wir haben das Rätsel nicht lösen können, vielleicht gelingt es dir bei einem Besuch in Heilbronn.

1985 wurde das Dach des Turms mit einer Figur ausgestattet, die über dem Abgrund balanciert. Diese stammt von Hubertus von der Goltz.
Es besteht die Möglichkeit, den Turm zu besichtigen. Allerdings ist er nicht dauerhaft, sondern nur zu bestimmten Zeiten „geöffnet“. Um den Turm zu besteigen muss der Schlüssel bei der Tourist-Information gegen Hinterlegung eines Pfands geholt werden. Dann steht dem Abenteuer „Turmbesichtigung“ nichts mehr im Wege.

Heilbronn besaß ein Franzikanerkloster, dessen Bestandteil der Hafenmarktturm war. Die diesem Kloster angehörende gotische Franziskanerkirche wurde im Jahr 1314 geweiht. 1688 brannte sie nieder. Der Wiederaufbau des Turms fand in der Zeit von 1698 bis 1727 statt, nachdem die Bürger der Stadt zuvor Spenden gesammelt haben, um dieses Projekt zu ermöglichen.

Seinen Namen hat er letztlich dadurch erhalten, dass vor ihm in der Zeit des Mittelalters bis hin zum Zweiten Weltkrieg der Töpfermarkt stattgefunden hat. Jetzt wirst du dich sicherlich fragen, was ein Hafen mit einem Töpfermarkt zu tun hat. Die Antwort ist ganz einfach: Im Schwäbischen bedeutet Hafen „Topf“. So ist der Name Hafenmarktturm entstanden.

Im Inneren des Turms befindet sich heute ein Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege, das von Paul Bonatz gestaltet wurde.
Eine Besonderheit des Hafenmarktturms ist, dass sowohl um kurz vor elf als auch um 19.20 Uhr Volkslieder aus dem Turm erklingen. Die Uhrzeiten wurden deshalb gewählt, da dies die Zeitpunkte der Luftangriffe vom 10.09.1944 und 04.12.1944 waren.

Was es sonst noch Interessantes in Heilbronn gibt
Soweit nach einer Stadtbesichtigung noch etwas Zeit übrig ist, bietet sich ein Spaziergang entlang des Neckarufers an.
Du interessierst dich für Salzminen? Dann lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch im Salzhafen, der – wie die Heilbronner selbst sagen – der Eingang zu einem grandiosen Untergrundnetz aus Salzminen ist. Hier besteht die Möglichkeit, an einer Führung in den Mienen teilzunehmen, die 180 Meter unter der Erde liegen!
Für die Weinfreunde hält Heilbronn eine Führung durch die Weinberge parat. Wer nicht gerne in die Weinberge steigt, sollte in eine der zahlreichen Besenwirtschaften einkehren.
Eine Besenwirtschaft ist nichts Geringeres als eine einfache, saisonal geöffnete Gastwirtschaft, in der hausgemachte Weine und Brände sowie deftige Speisen angeboten werden.
Etwas außerhalb von Heilbronn befindet sich das Trappenseeschlösschen, ein barockes Bauwerk. Es stammt aus den Jahren 1575/76 und diente den wohlhabenderen Familien der Stadt als Landsitz.
Tipp: Auch für Menschen, die beim Laufen eingeschränkt sind, besteht die Möglichkeit, Heilbronn zu besichtigen. Diese können die Gelegenheit nutzen mit dem Hop-On-Hop-Off-Bus zu fahren.
Mit einer historischen Altstadt kann Heilbronn jetzt nicht gerade aufwarten. Dennoch wird dir bei einem Besuch ein guter Mix aus Sehenswürdigkeiten, Shopping und auch Natur geboten.


