Wismar entdecken: Geschichte und Sehenswürdigkeiten
Im Rahmen unseres traditionellen Mutter-Tochter-Urlaubs haben wir während unseres Aufenthaltes in Boltenhagen einen Abstecher nach Wismar gemacht.
Die Hansestadt mit ihrem Kopfsteinpflaster, den ehrwürdigen Giebelhäusern und dem maritimen Flair der Ostsee hat uns sofort in ihren Bann gezogen. Zwischen Kirchen, Hafen und Fischbrötchen sind wir der Frage nachgegangen, was der berüchtigte Pirat Klaus Störtebeker mit Wismar zu tun hat. Die Antwort steckt voller Geschichten, Legenden und einer Prise Seeräuberromantik.
Inhalt
- Wo liegt Wismar?
- Wissenswertes über Wismar
- Rundgang durch Wismars Altstadt
- Was hat Störtebeker mit Wismar zu tun?
- Fazit zum Wismar-Besuch
Wo liegt Wismar?
Wismar liegt an der Ostseeküste im Nordwesten des Bundeslandes Meckenlenburg-Vorpommern. Genaugenommen befindet sie sich direkt an der Südspitze der Wismarer Bucht, einem Teil der Mecklenburger Bucht. Die Hansestadt ist etwa 60 Kilometer westlich von Rostock entfernt, sowie rund 30 Kilometer nordöstlich von Schwerin.
Von Boltenhagen aus ist Wismar nur einen Katzensprung entfernt, also perfekt für einen Tagesausflug. Die knapp 40-minütige Fahrt war angenehm, verlief ganz entspannt und ohne großes Verkehrsaufkommen.
Parkmöglichkeiten gibt es in Wismar mehr als genug. Wir haben in der Nähe des Hafens (Stockholmer Straße) einen Parkplatz gefunden. Von dort aus waren wir in wenigen Minuten zu Fuß mitten in der Altstadt. Das Tagesticket kostete hier 4,00 Euro, während im direkt gegenüberliegenden Parkhaus der Tageshöchstpreis bei 8,00 Euro liegt.
Wissenswertes über Wismar
Die Geschichte Wismars beginnt im frühen 13. Jahrhundert, einer Zeit des Wandels, der Expansion und der Stadtgründungen im Ostseeraum. Auch Wismar entwickelte sich rasch von einer kleinen Siedlung zu einem bedeutenden städtischen Zentrum mit eigenem Stadtrecht und wachsender Bevölkerung.
Im Mittelalter war Wismar ein bedeutendes Mitglied der Hanse, jenem mächtigen Handelsbund norddeutscher Städte. Die Lage an der Ostsee machte die Stadt zu einem wichtigen Umschlagplatz für Waren wie Salz, Fisch, Getreide und viele andere Güter, die über den Seeweg gehandelt wurden.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg fiel Wismar 1648 an Schweden. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Herrschaft über 150 Jahre andauerte. Offiziell wurde Wismar 1903 wieder Teil Mecklenburgs. Interessant dabei ist, dass Schweden die Kontrolle schon deutlich früher abgegeben hatte. Dies geschah bereits 1803 im Rahmen eines Pfandvertrags. Hierbei wurde allerdings darauf geachtet, sich das Rückkaufsrecht zu sichern, genutzt haben die Schweden dieses allerdings nie.
Die Anfänge der Stadt
Wismar hatte im Laufe der Geschichte viele Namen. So wurde die Stadt unter anderem als Visemêr, Wyssemaria oder auch Wismaria bezeichnet. Wahrscheinlich geht der Name auf den nahe gelegenen Bach “Aqua Wisemaraa” zurück. Eine plausible aber nicht belegbare Verbindung.
Die eigentliche Stadtgründung wird auf das Jahr 1226 datiert. Als Gründer wird der mecklenburgische Fürst Heinrich Borwin I. benannt. Die Entscheidung, direkt an der Ostseeküste eine Stadt entstehen zu lassen, war gut durchdacht. Diese Lage gewährte Zugang zu Handelswegen und begünstigte das wirtschaftliche Wachstum.
Urkundlich erwähnt wurde Wismar erstmals 1229, womit der Beginn der dokumentierten Stadtgeschichte besiegelt wurde.
Stadtrechte
Kurz nach der ersten Erwähnung wurde das Lübische Stadtrecht eingeführt. Es regelt nicht nur das Zusammenleben der Bürger, sondern auch die Organisation von Handel, Handwerk und die Gerichtsbarkeit. Für Wismar war dies ein Schritt zur Selbständigkeit und, was wichtig war, zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die Stadt wuchs und gewann an Bedeutung.
Siedlungen entstanden um die Kirchen
In dieser frühen Phase der Stadtentwicklung bildeten sich mehrere Siedlungen um die Kirchen St. Nikolai und St. Marien. Märkte entstanden und somit spielte sich das Leben der Städte überwiegend in diesen Bereichen ab. Bis etwa zum Jahr 1230 wuchsen die Siedlungen um diese beiden Kirchen zusammen und bildeten ein geschlossenes Stadtgebiet. Der Grundstein für die mittelalterliche Altstadt war gelegt. Ein lebendiges Zentrum mit wachsender Bevölkerung nahm an Bedeutung zu.
Rückkehr zur Hansestadt
Wismar trägt seit 1990 wieder den Namenszusatz Hansestadt. Du fragst dich jetzt sicherlich warum wieder. Bereits im Mittelalter war Wismar Mitglied der Hanse. Die Bezeichnung “Hansestadt” war jedoch über viele Jahrzehnte nicht mehr offizieller Bestandteil des Stadtnamens. Insbesondere während der DDR-Zeit spielten historische Titel dieser Art keine Rolle. Erst mit der politischen Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der traditionsreiche Zusatz erneut aufgenommen. Damit wird die historische Bedeutung Wismars als Handelsstadt unterstrichen. Der Zusatz ist nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch ein Ausdruck von Stolz.
Wismar gehört seit 2002 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Rundgang durch Wismars Altstadt
Wismar, die historisch geprägte Hansestadt an der Ostsee, begeistert mit ihrer besonderen Atmosphäre und dem unverwechselbaren maritimem Flair. Beim Spaziergang durch die kopfsteingepflasterten Gassen wird die Geschichte der Vergangenheit in jedem Winkel spürbar. Begleite mich auf unsere Entdeckungstour zu den schönsten Sehenswürdigkeiten und spannendsten Orten dieser einzigartigen Stadt. Von imposanten Kirchen bis zum Alten Hafen – Wismar steckt voller Überraschungen.
Alter Hafen
Da wir in der Nähe des Hafens geparkt haben verstand es sich von selbst, dass wir zunächst einen Blick in diesen Bereich warfen. Der Hafen erstreckt sich entlang der Küstenlinie und bietet eine Mischung aus historischen Bauwerken und moderner Nutzung. Auffällig sind die alten Speichergebäude aus Backstein, die einst zur Lagerung von Getreide, Salz und auch Fisch dienten.
Baumhaus
Direkt an der Einfahrt des Alten Hafens liegt ein Barockbau aus dem 18. Jahrhundert, das Baumhaus. Der Name klingt erstmal nach Abenteuer, doch hat er mit einem Baum im klassischen Sinn recht wenig zu tun. Vielmehr geht es hier um einen “Baum” aus Holz, der früher eine praktische Funktion hatte. Er war Teil einer Sperrvorrichtung, die den Hafen schützte. Das Gebäude verdankt seinen Namen den Bohmschlütern. Dies waren einst die Wächter des Hafens, die in dem Gebäude lebten und arbeiteten. Sie zogen bei Gefahr einen dicken Holzbalken, der im Wasser schwam, quer über die Hafeneinfahrt. Hierdurch wurde verhindert, dass ungebetene Schiffe in den Hafen eindrangen, es war sozusagen ein schwimmender Schlagbaum.
Der Holzbaum wurde später durch eine schwere Eisenkette ersetzt, jedoch hat das Gebäude seinen Namen beibehalten. Heute erinnert es an die Menschen, die einst über Wismars Hafen wachten. Im Rahmen einer Ausstellung erlangen Besucher Einblicke in die Hansezeit.
Der Hafen ist mittlerweile nicht nur ein Ort für Handel und Fischerei, sondern auch ein beliebtes Ziel für Touristen. Spaziergänge entlang des Kais, Bootsfahrten und der Blick auf historische Schiffe machen ihn zu einem lebendigen Treffpunkt.
Poeler Kogge “Wissemara”
Wenn du schon einmal am Hafen bist, kannst du ein echtes Highlight erleben. Ein Segeltörn mit der Wissemara. Sie sieht aus wie ein Handelsschiff aus dem Mittelalter. Nachgebaut wurde sie nach einem Wrack, das man vor der Insel Poel gefunden hat. Das Schiff ist aus Holz, breit und stabil. Wer möchte, kann bei kurzen Fahrten durch die Wismarbucht mitfahren. Bei Veranstaltungen wie der Hanse Sail, finden auch längere Segeltörns statt. Die Crew zeigt den Passagieren, wie man früher navigierte. Sie erklären, wie die Segel gesetzt werden und wer möchte, darf auch selbst anpacken. Es ist keine Kaffeefahrt wie auf einem Ausflugsdampfer, sondern ein Abenteuer mit Wind, Wellen und viel Seemannsgarn. Wie das aussieht, siehst du hier.
Wassertor
Das letzte erhaltene Stadttor von insgesamt fünf Toren der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer führt vom Hafen direkt in die Altstadt. Kommst du aus der Altstadt, siehst du den Hafen eingerahmt im historischen Tor. Errichtet wurde das Bauwerk mit seinem spitz zulaufenden Torbogen um 1450 im spätgotischen Stil.
Wer hätte gedacht, dass der Raum über der Tordurchfahrt noch genutzt wird. Hier veranstaltet der Club Maritim Vorträge und Ausstellungen.
Gewölbe an der Runden Grube
Auf unserem Rundgang vom Hafen Richtung Altstadt entdeckten wir den historischen Wasserlauf Runde Grube. Er fließt unter dem Gewölbe hindurch, um schließlich im Alten Hafen zu münden. Dieser künstlich angelegte Kanal stammt aus dem 13. Jahrhundert und durchzieht malerisch die Altstadt von Wismar. Besonders eindrucksvoll ist das Gewölbe, ein auffallend schöner Fachwerkbau aus dem Jahr 1650, das quer über dem Wasser errichtet wurde.
Das “Gewölbe” gehört zu den bedeutenden historischen Bauwerken in Wismars Altstadt und verbirgt einiges von der reichen Vergangenheit der Hansestadt. Doch woher stammt eigentlich der Name “Gewölbe”? Die Antwort findet sich im Inneren des Bauwerks. Ein beeindruckendes Tonnengewölbe prägt die Architektur. Es verleiht dem Gebäude nicht nur Stabilität, sondern auch seinen charakteristischen mittelalterlichen Flair.
Ursprünglich diente das Gewölbe als Lagerhaus und zeitweise auch als Sitz für den Handel. Später wurden hier die Weine geprüft, die mit Schiffen im Hafen ankamen. Heute befindet sich in dem denkmalgeschützten Bau eine Ferienwohnung, die Besucher einlädt, Geschichte und Atmosphäre der Altstadt hautnah zu erleben.
Ein Blick auf den Straßenbelag

Wer durch einige Straßen der Altstadt von Wismar schlendert, bekommt Geschichte unter den Füßen zu spüren – wortwörtlich. Der Straßenbelag besteht aus rohem Kopfsteinpflaster, das so uneben ist, dass selbst geländegängige Rollatoren ins Wanken geraten. Für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl ist dieser Weg eher eine Herausforderung als ein gemütlicher Spaziergang.
Meine Mutter, kämpfte sich tapfer mit ihrem Rollator über das historische Pflaster. Jeder Stein schien ein Gegner zu sein. Irgendwann blieb sie stehen, schüttelte den Kopf und sagte trocken: “Mein Gott, was haben die hier dicke Keiermüüte. Wenn das überall so wäre, bräuchte ich meinen Rollator gar nicht mehr mitnehmen.” Und sie hat nicht ganz unrecht. Die Pflastersteine sind so massiv, dass man das Gefühl hat, sie wurden für Karren gemacht, die von Pferden gezogen wurden. Aber genau das macht den Charme aus: Wismar ist eben nicht glattgebügelt, sondern kantig, echt und voller Geschichten.😉
Auch in Friedrichstadt haben wir Häuser gesehen, deren Fassaden von Rosenstöcken gesäumt sind – ganz ähnlich wie in Wismar.
Hospitalkirche zum Heiligen Geist
Ein Ort, der Geschichte schreibt und gleichzeitig von gelebter Fürsorge erzählt. Ursprünglich diente die Kirche nicht nur dem Gottesdienst, sondern war als mittelalterliches Hospital 1255 errichtet worden. Bedürftige wurden hier gepflegt und versorgt.
Architektonisch zeigt sich die Kirche in schlichter Backsteingotik, was für den norddeutschen Raum typisch ist. Du wirst hier keine prunkvolle Kathedrale, sondern vielmehr einen ehrwürdigen Bau mit klaren Linien finden. Die Atmosphäre im Inneren ist ruhig. Der Altar ist funktional gehalten.
Der heutige Bau stammt aus dem 14. Jahrhundert. Als 1699 in der Nähe der Kirche drei Pulvertürme explodierten, stürzte das gotische Gewölbe der Kirche ein. Sie wurde nicht nur neu errichtet, sondern auch umgestaltet. Die Decke ist mit Medaillons bestückt, die biblische Geschichten erzählen. Um sie herum finden sich Putten und florale Ornamente.
Bei Restaurierungsarbeiten an der Nordwand der Hospitalkirche wurde eindrucksvolle mittelalterliche Fresken freigelegt. Besonders bemerkenswert ist die Darstellung der Legende “Die drei Lebenden und die drei Toten”. Sie erzählt von drei jungen, wohlhabenden Männern, die beim Jagen plötzlich drei verweste Gestalten erblicken – die Toten. Diese treten ihnen mit den Worten entgegen: “Was ihr seid, das waren wir. Was wir sind, das werdet ihr.” Die Legende soll eine Mahnung an die Vergänglichkeit sein, daran, dass Reichtum und Jugend nicht ewig währen.
Wir entdeckten in der Nähe des Hauptportals ein kleineres Tor, dessen Blickfang Skulpturen sind, die hinter einem Metallzaun stehen. Wettergegerbt, kantig und ausdrucksstark wirken sie wie Wächter. Ihre Formen sind abstrakt. Leider haben wir nicht herausbekommen, wen oder was sie darstellen. Vielleicht ist es gerade das Geheimnisvolle, was sie so faszinierend macht.
Es war ja nicht so, als wäre meine Mutter zum ersten Mal in Wismar gewesen. Als wir vor der Hospitalkirche zum Heiligen Geist standen, sagte sie mir lächelnd und ganz nebenbei: “Hier wird übrigens SOKO Wismar gedreht.” Ich war überrascht, denn für mich war das eine historische Kirche. “Die Einfahrt da, die erkenne ich wieder”, erklärte sie. “Die stellt in der Serie die Polizeiwache dar.” Ich musste schmunzeln und mir war sofort klar, das gehört unbedingt in den Blogbeitrag!
Rund um den Marktplatz
Wer Wismar besucht, kommt am Marktplatz nicht vorbei. Mit seinen beeindruckenden Ausmaßen zählt er zu den größten Marktplätzen Norddeutschlands und das merkt man sofort. Er bietet Raum zum Staunen, Schlendern und Verweilen. Der Platz trumpft mit einer Mischung aus prächtigen Bürgerhäusern und öffentlichen Gebäuden mit historischen Fassaden auf. Viele dieser Gebäude stammen aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, was an der typischen Backsteinarchitektur des Ostseeraums festzumachen ist.
Historisches Rathaus
Besonders auffällig ist das klassizistische Rathaus. Seine schlichte Eleganz steht im interessanten Kontrast zu den reich verzierten Giebelhäusern. Bereits 1319 wurde an dieser Stelle das erste Rathaus errichtet; 1807 stürzte es ein. Die entstandene Ruine lag sehr lange brach. Aus den Überresten entstand 1819 ein neues Rathaus, das der Hofbaumeister Georg Barca (Ludwigslust) entworfen hatte.
Kleiner Geheimtipp für Geschichtsinteressierte: Das gotische Kellergewölbe unter dem Rathaus verbirgt ein kleines Museum zur Stadtgeschichte Wismars. Über eine schmale Treppe an der Ostseite des Gebäudes gelangt man hinein. Der Eintritt ist kostenlos. Die Atmosphäre ist historisch. Originale Bauelemente aus dem 14. Jahrhundert sind ebenso zu bestaunen wie kuratierte Ausstellungsstücke zur Stadtentwicklung.
Wasserkunst
Ein wahres Schmuckstück mitten auf dem Marktplatz ist der Brunnen. Das achteckige Bauwerk aus Sandstein und Kupfer war früher Teil der städtischen Wasserversorgung. Mittlerweile ist er zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Touristen geworden.
Auf den ersten Blick sieht der Brunnen wie ein kunstvoller Pavillon aus. Doch tatsächlich verbirgt sich hinter dem Bauwerk eine faszinierende Geschichte. Das Brunnenhaus wurde zwischen 1595 und 1602 errichtet. Was heute wie ein dekoratives Denkmal aussieht, war einst ein technisches Wunderwerk. Unter dem Gebäude befindet sich ein unterirdisches Wasserreservoir, das von den Metelsdorfer Quellen gespeist wird. Das Wasser dieser Quellen wurde über hölzerne Leitungen in die Stadt geleitet.
Die Wasserkunst wurde 1861 umgebaut und zwischen den Jahren 1972 und 1976 restauriert. An der Seite zum Markt entdeckten wir ein nettes Detail, zwei Wasserspeier, die im Übrigen Nix und Nixe genannt werden.
“Alter Schwede” – Eine Bezeichnung, die neugierig macht
Ein weiteres architektonisches Highlight ist das markante Giebelhaus “Alter Schwede”, das älteste erhaltene Bürgerhaus (1380) am Marktplatz. Durch seine reich verzierte Backsteingotik sticht das Gebäude mit seinem ungewöhnlichen Namen sofort ins Auge. Aber wieso wird in Wismar ein Gebäude als “Alter Schwede” bezeichnet? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In der Zeit, als Wismar unter schwedischer Herrschaft stand, lebte und arbeitete hier ein schwedischer Kaufmann. Das Gebäude wurde deshalb später liebevoll “Alter Schwede” genannt. Eine nette Erinnerung an die skandinavische Episode der Stadtgeschichte. So einfach geht’s: Ein Schwede zieht ein, die Geschichte bleibt und das Haus wird zur lokalen Berühmtheit!
Heute beherbergt das Gebäude ein Restaurant. Wer hier einkehrt, speist zwischen jahrhundertealten Mauern. Inmitten dieser Backsteingotik und dem nordischen Flair haben wir unsere Mittagspause verbracht. Zwischen Bestellung und Getränken konnte ich es mir nicht verkneifen, einen kleinen Live-Gruß per Video in die Heimat zu senden. Schließlich sollen ja alle etwas davon haben.😉
Was den Marktplatz von Wismar so besonders macht, ist seine Vielschichtigkeit. Er ist gleichzeitig Bühne für Geschichte, Kulisse für Begegnungen und ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart perfekt miteinander harmonieren.
Archidiakonat
Direkt gegenüber des Marienforums entdeckten wir das Archidiakonat. Es wurde im 15. Jahrhundert als Wohnhaus des Archidiakons errichtet. Auch hier ist die Fassade in typischer norddeutscher Backsteingotik gehalten. Es ist kein Prunkbau, sondern eher solide. In dem Gebäude wohnte und arbeitete der Archidiakon, ein hoher kirchlicher Beamter. Im Mittelalter war er für die geistliche Verwaltung zuständig, sozusagen als verlängerter Arm des Bischofs.
Die Lage gegenüber dem Turm der Marienkirche ist kein Zufall, da sie einst die Hauptkirche der Stadt war. Wer sich für Geschichte interessiert, findet hier echte Spuren kirchlicher Macht. Das Gebäude wirkt bis heute eindrucksvoll und zeugt von der einstigen Bedeutung des geistlichen Lebens.
Wismars drei besondere Kirchen
Kirchenbesichtigungen klingen für manche nach Pflichtprogramm. In Wismar sind sie schon fast ein kleines Abenteuer. Denn hier trifft ehrwürdige Backsteingotik auf spannende Geschichten und überraschende Perspektiven. Jede Kirche hat seinen eigenen Charakter. Nicht selten haben wir uns auf unseren Reisen gefragt: Wie haben diese Bauwerke all das überstanden? Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Geschichte und Stille, die uns so fasziniert.
St. Marien
Bereits vom Marktplatz sahen wir den imposanten Turm, der letzte erhaltene Teil der einst mächtigen St. Marien-Kirche.

Die Ursprünge der Kirche reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als Wismar begann, sich als Handelsstadt zu entfalten. Von einem schlichten Holzbau entwickelte sie sich zu einer monumentalen Basilika, deren Mittelschiff 32 Meter hoch war. Das war doppelt so hoch, wie die ursprüngliche Hallenkirche! 1945, in der Nacht vom 14. zum 15. April wurde sie bei einem Luftangriff schwer beschädigt. Ein Teil der Kirche stürzte ein, was zum Abriss des Kirchenschiffes führte. Einzig und allein der Turm blieb, heute 80 Meter hoch und weithin sichtbar. Vom Glanz zur Ruine!
Wenn du vor dem mächtigen Turm der St. Marien-Kirche stehst, befindest du dich auf einem ganz besonderen Platz, der mich sehr beeindruckt hat: dem Marienforum. Hier stand einst das Kirchenschiff, das sich majestätisch an den Turm anschloss. Die Stelle wurde in ein Forum verwandelt, welches den Besuchern die Geschichte der Kirche näherbringt.
1921 wurde die Kirche als Kulisse für den Horrorfilm "Nosferatu" genutzt.
Tipp: Setz dich auf eine der Bänke, schließ die Augen und stell dir vor, wie die Kirche einst ausgesehen hat. Die Glocken im Turm, die alle 15 Minuten läuten, helfen dir dabei, die Zeit zurückzudrehen. Wenn du Lust hast, kannst du an einer Turmführung teilnehmen.
St.-Georgen
Kopfsteinpflaster, Backsteingotik und dann – plötzlich – ein gewaltiger Bau, der fast wie eine Festung wirkt. Sie ist nicht groß, sie ist gigantisch! Im 13. Jahrhundert wurde die St.-Gorgen-Kirche als Pfarrkirche der Neustadt errichtet. Mit ihren gewaltigen Ausmaßen ist sie die größte der drei Hauptkirchen Wismars. Nach ihrer schwerer Beschädigung im Zweiten Weltkrieg stand sie jahrzehntelang als Ruine in der Stadt. Innen erinnert vieles noch immer daran.
Ein echtes Highlight ist die Aussichtsplattform auf dem Turm. Keine Sorge, mit dem Fahrstuhl geht es ganz bequem nach oben. Belohnt wirst du mit einem spektakulären Blick über die Stadt.
St. Nikolai
Unbedingt besichtigen solltest du die St.-Nikolai-Kirche, ein architektonisches Meisterwerk aus dem 14. Jahrhundert. Ich hörte während unserer Besichtigung den Kommentar eines Besuchers: “Backsteingotik in XXL”. Die Aussage ist zutreffend, denn die Kirche ist riesig. Sie wurde für die Seefahrer und Händler errichtet, die Wismar zur bedeutenden Hansestadt machten. Das Mittelschiff gehört zu den größten in ganz Norddeutschland.
Als wir durch das Portal der St.-Nikolai-Kirche schritten, veränderte sich die Stimmung schlagartig. Draußen noch das bunte Treiben der Altstadt, drinnen plötzlich Stille, Größe und Licht.
St. Nikolai ist dem Schutzpatron der Seefahrer gewidmet. Überall finden sich maritime Details, von Schiffsmodellen (Votivschiffe) bis zu Symbolen der See. Es ist, als würde die Kirche Geschichten von Sturm und Hoffnung erzählen.
Der spätgotische Hochaltar stammt aus der Zeit um 1430 und wurde ursprünglich für die St.-Georgen-Kirche geschaffen. Mit seinen geschnitzten Figuren, vergoldeten Details und bemalten Flügeln zählt er zu den bedeutendsten Altären der Region. Die Seitenflügel zeigen Szenen aus dem Leben des Heiligen Georg, Heiligen Martin sowie Episoden aus der Kindheit und Passion Christi. Die gemalte Predella rundet das Gesamtbild ab.
Filigrane Fenster, schlanke Pfeiler und das Lichtspiel im Inneren erzeugen eine Atmosphäre, die gleichzeitig ehrfürchtig und beruhigend wirkt.
Predella ist der Sockel unter dem Hauptbild eines Altars. Häufig ist sie mit Szenen bemalt, die thematisch zum Retabel (Altar) passen.
Direkt vor der Nikolai-Kirche verläuft das Flüsschen Grube, ein kleiner, historischer Wasserlauf, der sich malerisch durch die zauberhafte Altstadt schlängelt.
Kleine Brücken, alte Speicherhäuser und das Plätschern des Wassers runden das Bild ab. Nach einem Besuch der Kirche lohnt sich ein Abstecher hierher auf jeden Fall.
Und: Kamera nicht vergessen, es gibt viel zu entdecken!
Schabbellhaus
Mitten in der Altstadt gelegen befindet sich das Schabbellhaus, das sofort ins Auge fällt. Errichtet wurde es im 16. Jahrhundert für den wohlhabenden Brauer und Ratsherrn Hinrich Schabbell. Damals war es ein echtes Statussymbol mit repräsentativer Fassade. Im Hinterhof soll sogar ein eigenes Brauhaus vorhanden gewesen sein.
In dem Gebäude befindet sich heute ein Museum. Wer sich für die Stadtgeschichte interessiert, ist hier gut aufgehoben. Hansezeit, Schwedenherrschaft, maritime Traditionen und das Leben der Menschen über die Jahrhunderte sind hier zu bestaunen.
Fürstenhof
Auch der Fürstenhof zählt zu den Gebäuden, die man nicht übersehen kann und ein Muss bei einer Wismar-Besichtigung ist. Mit seiner prächtigen Renaissancefassade gehört er zu den bedeutendsten Profanbauten der Stadt. Einst beherbergte das Gebäude den Sitz des höchsten Gerichts für die schwedischen Besitzungen in Norddeutschland. Und auch heute wird in ihm noch Recht gesprochen, hier befindet sich nämlich das Amtsgericht der Stadt.
1553 wurde das Gebäude auf drei Stockwerke erweitert. Auffällig sind die kunstvollen Friese, die die einzelnen Etagen voneinander trennen. Sie spiegeln biblische Gleichnisse wider. Bei einem Besuch solltest du ruhig einmal einen Blick in den Innenhof werfen. Dort entfaltet sich die historische Atmosphäre besonders eindrucksvoll.
Was hat Störtebeker mit Wismar zu tun?
Wenn du durch die Gassen von Wismar schlenderst, stößt du früher oder später auf einen Namen, der nach Abenteuer und rauer See klingt: Störtebeker. Der legendäre Pirat wird oft mit der Hansestadt in Verbindung gebracht. So ist Wismar einigen Legenden nach zu urteilen, sein Geburtsort. Allerdings gilt dies auch für Verden und Rotenburg! Man erzählt sich, dass er eine Verbindung zur Stadt gehabt haben soll. In alten Aufzeichnungen taucht tatsächlich ein “Störtebeker” auf, der wohl in eine handfeste Auseinandersetzung verwickelt war. Ob es aber wirklich der Klaus Störtebeker war, das bleibt ein Geheimnis, das die Geschichte nicht preisgibt.
Wismar hat diese Legende in seine Stadtgeschichte eingewoben. Und während du weiter durch die Altstadt streifst, kannst du dir vielleicht vorstellen, wie einst ein windgegerbter Pirat mit entschlossenem Blick und wehender Mantelspitze auf der Suche nach seinem nächsten Abenteuer durch die Straßen zog.
Fazit zum Wismar-Besuch
Ich könnte es ganz kurz ausdrücken: Wismar ist sehenswert und die Besichtigung entspannt an einem Tag machbar!
Mit hanseatischem Flair, gut erhaltenen Bauwerken und maritimer Gelassenheit entfaltet sich in Wismar eine lebendige Geschichtskulisse. Die Altstadt, der Alte Hafen und die kulturellen Angebote machen die Stadt zu einem lohnenswerten Ziel. Wer norddeutsche Städte mag, wird sich in Wismar schnell wohlfühlen.
Gleichzeitig bietet die Stadt genug Sehenswürdigkeiten, um auch einen längeren Aufenthalt sinnvoll zu gestalten. Zu Fuß lässt sich die Altstadt mühelos erkunden und überzeugt mit ihrer Architektur, den imposanten Kirchen und dem weitläufigen Marktplatz.
Wer sich für die Stadtgeschichte interessiert, sollte Zeit für das Museum oder eine geführte Tour einplanen.
Wismar zählt zweifellos zu den Städten, die man gesehen haben muss. Lass dich von ihrer besonderen Ausstrahlung begeistern und plane deinen Besuch am besten gleich heute.
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2 Comments
Silvia Commodore
Das ist mal wieder ein richtig schöner Reisebericht, Ulrike. 🥰
Den empfehle ich direkt mal weiter.
Man braucht nur Zeit und Geld dann kann man viel von der Welt sehen.
Ich freue mich schon da drauf.
Ulrike
Vielen Dank. Bald habt ihr ja auch so viel Zeit wie wir 😉.