Quedlinburg: UNESCO-Weltkulturerbe und Königsstadt
Entdecke die faszinierende Stadt Quedlinburg mit ihren Fachwerkhäusern, dem Schlossberg und der märchenhaften Geschichte des Käsekuchenstreits.
Urlaub im Harz? Bei diesem Gedanken hätte ich vor einigen Jahren noch die Stirn gerunzelt.
Das Mittelgebirge im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Ost- und Westdeutschland assoziierte ich, wenn überhaupt, mit Abschlussfahrten von Schulen und Kurorten, in denen nichts los ist . Im Verlauf unserer zahlreichen Reisen in diese Region wurde ich vom Gegenteil überzeugt … was für ein Glück!
Während unseres Harz-Urlaubs haben wir die bezaubernde Stadt Quedlinburg besichtigt, die seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Heute erfährst du von mir, warum du einmal in den Harz reisen und dieser reizvollen Stadt einen Besuch abstatten solltest.
Quedlinburg punktet mit einer mittelalterlichen Altstadt, deren historische Architektur gut erhalten ist – ein wahres Juwel. Wir werden von über 1.300 Fachwerkhäusern in Empfang genommen, die das Stadtbild prägen. Insgesamt stammen sie aus acht Jahrhunderten.
Die Geschichte um Heinrich I., den Roland am Rathaus und viele andere Sehenswürdigkeiten spiegeln das damalige Leben wider und prägen den Charme der Stadt.
Inhalt
- Wo liegt Quedlinburg?
- Parken in Quedlinburg
- Wissenswertes: Heinrich I. erhielt in Quedlinburg die Königswürde
- Sehenswürdigkeiten der idyllischen Altstadt
- Marschlinger Bastion
- Ruinenromantik am Kornmarkt
- Der Kunsthoken
- Das Boulevard-Café
- Rathaus: Ein architektonisches Meisterwerk
- Münzenberger Musikanten
- Schachtbrunnen – Legende um den Hund namens Quedel
- Brauerei Lübbe
- Kekse vom Feinsten in der Manufaktur Keks-Art
- Finkenherd und Klopstockhaus
- Schlossberg und Schloss Quedlinburg
- Sandsteinfelsen zwischen Fachwerkhäusern?
- Mobilität
- Quedlinburg als Filmkulisse
- Weitere Sehenswürdigkeiten
- Käsekuchenstreit in Quedlinburg
- Wieviel Zeit sollte man für Quedlinburg einplanen?
- Unsere Meinung zu Quedlinburg
Wo liegt Quedlinburg?
Die einstige Königspfalz befindet sich nordöstlich des Harz-Gebirges in Sachsen-Anhalt. Etwa 85 Kilometer südwestlich sind es bis zur Landeshauptstadt Magdeburg. Quedlinburg liegt darüber hinaus eingebettet in wunderschöner Natur und nur 53 Kilometer vom Brocken entfernt.
Parken in Quedlinburg
Quedlinburg verfügt über zahlreiche Parkmöglichkeiten, die sehr gut ausgeschildert sind. Sie sind entlang des Stadtrings gelegen, so dass man fußläufig nur wenige Minuten bis zur Altstadt benötigt.
Wir wählten den Parkplatz Marschlinger Hof. Neben PKW-Stellplätzen finden hier auch sechs Wohnmobile einen Stellplatz. Der Parkplatz verfügt über vier Stromanschlüsse sowie Ladestationen für E-Autos.
Der Parkplatz ist täglich von 8.00 – 18.00 Uhr gebührenpflichtig. 1,00 Euro/2 Stunden oder 26,00 Euro/24 Stunden (inkl. Touristensteuer 6,00 Euro)
(Stand: Juli 2024)
Wissenswertes: Heinrich I. erhielt in Quedlinburg die Königswürde
Im Mittelalter war Quedlinburg nicht nur eine der bedeutendsten Königs- und Kaiserpfalzen, sondern auch Mitglied der Hanse. 1330 verschmolzen die Altstadt und die Neustadt zu einer sogenannten Doppelgemeinde, umgeben von einer Stadtmauer. Der Charakter der Stadt wurde seitdem durch die Fachwerkhäuser geprägt.
Bei einem Besuch der Stadt wirst du auf imposante Sandsteinfelsen stoßen. Hier soll vor mehr als 1.000 Jahren die deutsche Geschichte begonnen haben und somit blickt Quedlinburg auf eine über tausendjährige Historie zurück.
Genaugenommen reicht die Geschichte um den Schlossberg herum sogar bis in die Steinzeit zurück. Dies kann durch Funde entsprechender Utensilien (Geräte, Waffen) belegt werden.
Auch sollen sich hier Cherusker angesiedelt haben, die jedoch später von den Thüringern abgelöst wurden.
Doch zurück zu König Heinrich I., der auf dem Sandsteinfelsen die Pfalz errichten ließ. Quedlinburg erlebte daraufhin seine Blütezeit, da es zu einem wichtigen Zentrum der Reichspolitik wurde.
Erstmals wurde Quedlinburg 922 in einer Urkunde König Heinrichs I. erwähnt, der bereits 919 als Sachsenherzog Heinrich hier seine Königskrone empfangen hatte. 936 wurde König Heinrich I. in einer Kapelle der Stiftskirche St. Servatius der Pfalz beigesetzt, da Quedlinburg als seine Lieblingspfalz galt.
Nach seinem Tod gründete seine Frau Mathilde ein Damenstift, das großen Respekt genoss. Mathilde von Quedlinburg war im Übrigen eine Tochter von Kaiser Otto II.! Sogar die Kaiserinnen Adelheid von Burgund (Gemahlin von Otto dem Großen) und Theophanu regierten zeitweise neben der Äbtissin Mathilde von hier aus das Reich. Theophanu war eine byzantinische Prinzessin und die Gemahlin von Kaiser Otto II., die eine intensive Beziehung zu Quedlinburg hatte. Dies ermöglichte ihr, die kulturelle Entwicklung stark zu beeinflussen.
Insgesamt erlebte die Stadt eine Weiterentwicklung als 994 das Münz-, Zoll und Marktrecht an die Äbtissin Mathilde verliehen wurde. Gleichzeitig erhielten die Bürger die Erlaubnis zum freien Handel im gesamten Reich.
Quedlinburg hat jedoch auch eine andere, weniger bekannte Seite. Während des Zweiten Weltkrieges diente die Stadt 1943 bis 1944 als Lazarettstadt für mehr als 8.000 Kriegsverwundete. Die Stadt wurde in der Folge von den Amerikanern besetzt, die diese an die Rote Armee abgaben. Quedlinburg gehörte nun zur sowjetischen Zone, später zur DDR und war Teil des Landes Sachsen-Anhalt.
Glücklicherweise blieb die Stadt im Krieg unversehrt. Trotzdem befand sie sich zum Zeitpunkt der Wende in einem sehr bedauerlichen Zustand. Denn für die Instandhaltung standen keine Mittel zur Verfügung.
Mit großem Engagement, der finanziellen Unterstützung durch die UNESCO, aber auch der Einwohner selbst wurde Quedlinburg restauriert.
Was die Menschen im Laufe der Zeit aus ihrer Stadt machten, wirst du bei unserer Stadtbesichtigung zu sehen bekommen.

Sehenswürdigkeiten der idyllischen Altstadt
Die kopfsteingepflasterten Straßen und verwinkelten Gassen spiegeln den mittelalterlichen Charme wider. Auf wunderschönen kleinen Plätzen gibt es viel zu entdecken.
Besonders sehenswert ist das malerische Ensemble an Fachwerkhäusern, die das Stadtbild prägen. Sie sind bunt, verspielt und doch verdeutlichen sie alle die Liebe zum Detail und werden hingebungsvoll gehegt und gepflegt.
Begleite uns auf unserem Rundgang zu den Sehenswürdigkeiten. In jeder Gasse der Altstadt sieht man die eigentlichen Highlights von Quedlinburg: die Fachwerkhäuser.
Marschlinger Bastion
In unmittelbarer Nähe des Parkplatzes befand sich die Marschlinger Bastion, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde.
Um die heutige Stichstraße errichten zu können, musste die Bastion bis auf die Grundmauern abgetragen werden, weshalb heute nur noch der Hohe Turm nördlich der Lindenbeinschen Villa auf die Altstadt-Befestigung hindeutet.
Der Turmhelm mit den vier Ecktürmchen wurde nachträglich aufgesetzt. Mit einer Höhe von über 42 Metern dient er heute als Aussichtsturm.
Wer die Aussicht von dem Turm genießen möchte, muss beachten, dass der Zugang ausschließlich über das Gelände der Lindenbeinschen Villa möglich ist. Heute beherbergt die Villa das Schlosshotel „Zum Markgrafen“.
Der Hohe Turm wird im Übrigen auch als Lindenbeinscher Turm, Lindenbeinturm oder Sternkiekerturm bezeichnet.
Ruinenromantik am Kornmarkt
Einige beliebte Sehenswürdigkeiten findest du direkt am Kornmarkt.

Hinter dem Zierbrunnen entdecken wir das denkmalgeschützte Gebäude Kornmarkt 3, das ursprünglich als Kaufmannshof eingetragen ist. Es wurde 2005 durch einen Brand fast völlig zerstört, lediglich die Außenwände des Erdgeschosses verblieben.
Ursprünglich war das Gebäude (1600) dreigeschossig und mit einem Walmdach abgeschlossen. Nachdem es 1730 erneuert wurde, nahm beispielsweise das Treppenhaus einen spätbarocken Stil an. Es verfügte über geschnitzte Baluster und Brüstungsfelder.
Seit 2020 kannst du den Charme der Ruine genießen, indem du das Café und Bistro „Ruinenromantik“ besuchst. Bistrotische und Stühle stehen auf Kopfsteinpflaster, auf einem höher angelegten Sockel gibt es etwas bequemere Sitzgelegenheiten wie Sessel und Sofas. Bei schönem Wetter kannst du bei einer Tasse Kaffee das Treiben auf dem Kornmarkt beobachten, da das Café auch im Außenbereich Sitzmöglichkeiten anbietet.
Der Kunsthoken
Das denkmalgeschützte Gebäude wird vom Kultur- und Kunstverein Quedlinburg genutzt. Besonders auffällig ist die reich verzierte Fassade mit Konsolfries und geschnitzten Bögen. Im niedersächsischen Fachwerkstil wurde es 1569 errichtet.
Während einer Rekonstruierung wurden im Inneren des Gebäudes Reste der Stadtbefestigung aus dem 11. Jahrhundert freigelegt.
Das Boulevard-Café
Im historischen „Hoken“ fanden seinerzeit die Markttage statt. Zahlreiche Händler ließen sich hinter dem Rathaus und dennoch in der Nähe des Marktes mit ihren Ladentischen oder Karren nieder. Dort versuchten sie, ihre Waren zu verhökern.
Erstmals tauchte der Name „Hoken“ 1520 auf und wurde umbenannt in „In den Kramen“.
Der Hoken wurde zudem 1901 im Rahmen einer Rathauserweiterung verschmälert. Zeitweilig wurde die Gasse auch „Scharrengasse“ genannt. Ein Scharren wurde in der damaligen Zeit ein kleiner Verkaufstisch genannt, an dem die Ware feilgeboten wurde.
Dieses wunderschöne Fachwerkhaus ist ein absolutes Muss! Warum? In dem Café werden sehr verführerische Kuchen angeboten. Nimm dir nach der Stadtbesichtigung die Zeit und genieße ihn.
Rathaus: Ein architektonisches Meisterwerk
Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt zweifelsohne das Rathaus. Nachdem es 1616 erneuert wurde, erstrahlt es heute zusätzlich mit einem imposanten und giebelgekrönten Renaissanceportal.
Quedlinburgs Rathaus befindet sich an der Nordseite des Marktes. Wenn du vom Boulevard Café kommst, wirst du direkt vom steinernen Roland begrüßt.

Dieser verkörpert die städtischen Privilegien und Rechte. Die Figur besteht aus Buntsandstein.
Der ursprüngliche Platz des Rolands war mitten auf dem Markt. Dieser sei nach einem Streit um die städtische Unabhängigkeit sowie einer Niederlage gegen die Äbtissin Hedwig von Sachsen 1477 zerstört worden. Die Figur wurde regelrecht in Stücke geschlagen.
Im Rahmen von Abbrucharbeiten wurden 1860 einzelne Fragmente der Roland-Figur ausgegraben. Sie wurde restauriert und fand ihren Platz am heutigen Standort.

Diesen wunderbaren Blick erhältst du, wenn du den Markt von der Steinbrücke aus betrittst. Ziehen die wärmeren Monate ins Land, ist das Rathaus mit einem wilden Mauerwein grün bewachsen. Schön gestaltete Blumenkästen zieren die Fenster. Da wir im März Quedlinburg besucht haben, war dies nur andeutungsweise zu erkennen.
Für mittelalterliche Verhältnisse ist das Gebäude doch recht groß geworden.
Das 1310 erstmals urkundlich erwähnte Rathaus ist ein sogenannter Werksteinbau. Mit 25 Metern Breite und 17 Metern Höhe dominiert es den Platz.
Die hübschen und farbenfrohen Fachwerkhäuser verleihen der Altstadt eine malerische Atmosphäre. Bei einem Besuch solltest du dir unbedingt auch das Rathaus ansehen, das definitiv einen Besuch wert ist.
Münzenberger Musikanten
Die Münzenberger sind eine faszinierende Gruppe, die früher im Stadtteil Münzenberg lebte. Dieser Bereich der Stadt befindet sich im Übrigen gegenüber dem Stiftsberg. Die Gruppe verdiente sich ihr Geld mit dem Musizieren zu allen möglichen Gelegenheiten.
Der seit 35 Jahren auf dem Marktplatz stehende Brunnen stellt vier dieser Münzenberger Musikanten dar.
Ursprünglich waren die Musikanten böhmischer Herkunft und sie liebten das Musizieren. Jedoch verlor die Kunst in den Jahren nach dem Krieg an Popularität, so dass der Broterwerb nicht mehr gesichert war.
Früher bestand das Denkmal aus Bronze. Nach der Neugestaltung des Marktplatzes wurde dieses in der Mitte mit einem Wasserlauf versehen. Heute wird es von der Mehrheit als Brunnen bezeichnet.
Wer diesen genau betrachtet, wird an dem Wasserlauf speziell gefertigte Münzen und Medaillen entdecken.
Vom Marktplatz bogen wir in eine der Seitenstraßen, die Blasiistraße. In Quedlinburg gibt es verschiedene interessante und bedeutungsvolle Brunnen. Hier stießen wir auf den nächsten.
Schachtbrunnen – Legende um den Hund namens Quedel
Unmittelbar vor der Sankt-Blasii-Kirche steht der nach dem Kaufmann Friedrich Schacht benannte Schachtbrunnen.
Die auf der Stele befindlichen Figuren stellen einen Hirten mit seinem Hund dar. Im Übrigen ist der Hund auch das Quedlinburger Wappentier. Diese Darstellung geht auf eine Sage zurück.
Wer aufmerksam durch die Stadt läuft, wird an vielen Stellen den Hund finden. Im Stadtwappen sitzt er am Stadttor, dessen Gitter offen ist.
“Der kleine Hund Quedel beschützte die Bürger der Stadt vor Übergriffen von Räubern und Plünderern. Obwohl eine mächtige Mauer die Stadt umgab, vergaßen die Menschen eines Abends, diese zu schließen. Die Plünderer drangen ungehindert in die Stadt ein.
Jedoch hatten sie nicht mit Quedel gerechnet. Er erkannte die Gefahr und weckte die Bürger durch sein lautes Bellen. Verschreckt und ohne Beute verließen die Plünderer die Stadt. Die Stadttore wurden hinter ihnen geschlossen.“
Brauerei Lübbe
Hierbei handelt es sich um eine traditionelle Brauerei mit Blick auf eine lange Geschichte, die tief in der Tradition des deutschen Bierbrauens verwurzelt ist. Bekannt ist sie für ihre, nach alten Rezepten gebrauten Biere, wobei sehr viel Wert auf eine gute Qualität gelegt wird.
Als recht kleines Familienunternehmen wurde sie im 19. Jahrhundert gegründet und gewann mit den Jahren an Popularität.
Die Kriegsjahre brachten enorme Herausforderungen mit sich, da neben den politischen Umbrüchen eine Rohstoffknappheit herrschte. Das kleine Unternehmen meisterte diese Schwierigkeiten mit Bravour.
Einmal im Jahr feiert die Brauerei Lübbe im Sommer ein Brauereifest. Besuchern wird ermöglicht, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und sich umfassend über den Brauprozess zu informieren.
Hast du schon einmal eines ihrer Biere probiert? Wenn du einen Aufenthalt in Quedlinburg planst, dann statte der Brauerei Lübbe ruhig einen Besuch ab.
Kekse vom Feinsten in der Manufaktur Keks-Art
Die nächste Entdeckung war traumhaft. Fast unscheinbar befindet sich in der Lange Gasse 3 die Quedlinburger Manufaktur Keks-Art. Ein Blick durch die Scheiben und uns wird klar, da müssen wir rein.
Es handelt sich um einen nett eingerichteten kleinen Laden mit einem urigen Bereich. In diesen können Kunden etwas von den Köstlichkeiten zu sich nehmen und dazu einen Kaffee trinken.

Uriger kleiner Laden 
Café in der “Keksfabrik” 
Süßes in der Manufaktur Keks-Art 
Alles, was das Herz begehrt 
Bei einem Keks bleibt es hier gewiss nicht!
Das charmante Café ist für seine handgemachten Kekse und Pralinen bekannt. In einer gemütlichen Atmosphäre kannst du eine Vielzahl von süßen Leckereien genießen. Denn neben den Keksen findest du hier auch fantastische Kuchen und Torten.
Hast du vor, die Manufaktur Keks-Art zu besuchen? Dann empfehle ich dir, dir eine Trinkschokolade auszusuchen. Auch hiervon gibt es unterschiedliche Sorten. Zusammen mit einer der zahlreichen selbst hergestellten Köstlichkeiten ist dies ein wahrer Genuss.
Finkenherd und Klopstockhaus
Nach dieser kleinen Stärkung besichtigten wir zwei weitere besondere Fachwerkhäuser, die man unbedingt gesehen haben muss. Eins davon steht am Finkenherd.
Zwischen zwei Gassen befindet es sich auf einer kleinen Insel. Das Gebäude hat nicht nur eine faszinierende Geschichte, sondern auch eine historische Bedeutung. Es ist ein schönes Bespiel für die mittelalterliche Fachwerkarchitektur.

Vermutlich wurde es um 1530 als Teil einer Häuserzeile erbaut. Ursprünglich waren die Gefache mit einem Geflecht aus Strohlehm ausgefüllt. Noch ein Überbleibsel aus der Barockzeit ist das steile Satteldach.
Einer Legende nach soll der Sachsenherzog Heinrich 919 während des Vogelfangs hier die Nachricht erhalten haben, dass er zum deutschen König gewählt wurde.
Nicht weit entfernt entdecken wir dann auch das Geburtshaus des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock (1724).

Das aus dem Jahr 1560 stammende Haus beherbergt heute ein Museum. Das Leben und die Werke des Dichters werden hier präsentiert.
Schlossberg und Schloss Quedlinburg
Das absolute Highlight haben wir uns bis zum Schluss aufbewahrt. Der Weg hinauf zum Schloss war doch ein wenig anstrengend. Wir sind es nicht gewohnt, über Kopfsteinpflaster zu laufen.
Der Schlossberg in Quedlinburg ist ein prägnanter Hügel, der das Stadtbild dominiert und eine bedeutende historische Stätte darstellt.
Auf ihm erhebt sich das Quedlinburger Schloss, das als Königspfalz im 10. Jahrhundert erbaut wurde. Für deutsche Könige und Kaiser stellte die Pfalz einen wichtigen Aufenthaltsort dar.

Das dreiflügelige historische Ensemble thront auf einem 30 Meter hohen Sandsteinfelsen über der Stadt.
Der Schlossberg ist historisch bedeutsam, da sich dort unter anderem das Damenstift, hin und wieder auch Stift Quedlinburg genannt, befindet. Die Ehefrau von König Heinrich I. hat dieses nach dessen Tod gegründet.
Aus geologischer Sicht war dies ein gewagtes Projekt, denn der Untergrund war äußerst instabil.
Des Weiteren wurde dort das bedeutende Bauwerk, die romanische Stiftskirche St. Servatius, errichtet. Sie stammt aus der Zeit zwischen 1070 und 1129.
Im Laufe der Zeit wurde das Schloss mehrfach erweitert und umgebaut. Die Stiftskirche St. Servatius, die einen Teil des gesamten Schlosskomplexes darstellt, gilt als eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke Deutschlands. Leider konnten wir diese bei unserem Besuch nicht besichtigen, da sie wegen Umbau- und Renovierungsarbeiten geschlossen war.

Im Schlossmuseum erfährst du etwas über die Ur- und Frühgeschichte, das Mittelalter und die Stadt- und Stiftsgeschichte. Darüber hinaus sind die Prunkgemächer zu besichtigen.
Oben angekommen bot sich uns dieser Anblick …
Der „Aufstieg“ hat sich wirklich gelohnt. Bei blauem Himmel hatten wir während unseres Spaziergangs durch den Schlossgarten zusätzlich auch den besten Blick über die Altstadt.
Der Schlossgarten ist für Besucher zugänglich und kostenfrei.

Der historische Garten, der sich unmittelbar neben dem Schloss befindet, bietet eine ruhige malerische Umgebung. Es lohnt sich, einmal innezuhalten. Besucher werden von gepflegten Rasenflächen, farbenfrohen Blumenbeeten und einigen Bäumen empfangen.

Apsisfundament des mittelalterlichen Kapellenbaus St. Michaelis. Im Rahmen von Ausgabungen wurden im Jahr 2002 diese Mauerreste freigelegt. Aufgrund der Bauweise und der östlichen Ausrichtung wird angenommen, dass es sich um Überreste eines sakralen romanischen Bauwerks handelt.
Sandsteinfelsen zwischen Fachwerkhäusern?
Diesen Spot an der Wassertorstraße haben wir eher zufällig entdeckt, anderenfalls wäre uns ein schönes Fotomotiv verborgen geblieben.

Diesen Teil der Stadt muss man einfach gesehen haben, ein wirklich beeindruckendes Naturdenkmal. Die Steine, oder Klippen wie die Quedlinburger sagen, entstanden vor Millionen von Jahren durch die Ablagerung von Sand. Durch die Einflüsse Wind und Wasser haben sich mit den Jahren markante Formen und Strukturen gebildet.


Mobilität
Einige Stimmen behaupten, dass Quedlinburg ein sicheres Pflaster ist, doch dies stimmt wohl nur im übertragenen Sinne. Denn die gepflasterten Straßen, Gassen und Wege bergen doch so manches Risiko. Diese Erfahrung habe ich selbst machen müssen. Also, Augen auf!
Rollstuhlfahrer und mobilitätseingeschränkte Menschen sollten beachten, dass die Innenstadt überwiegend mit Kopfsteinpflaster ausgestattet ist.
Quedlinburg als Filmkulisse
Bei solch einem wunderschönen mittelalterlichen Ambiente bleibt es nicht aus, dass in Quedlinburg Filme gedreht wurden.
So wurde die Novelle „Pole Popenspäler“ von Theodor Storm hier 1954 verfilmt. Aber auch Otto Waalkes mit seinen „7 Zwerge“ besuchte die Stadt ebenso wie Moritz Bleibtreu („Goethe“).
So spukte es sogar in Quedlinburg in Form eines kleinen Gespenstes. Die Verfilmung des Klassikers „Das kleine Gespenst“ von Ottfried Preußler wurde größtenteils in der Altstadt gedreht.
Der berühmte Narr Till Eulenspiegel reihte sich mit einem Auftritt in die Liste ein.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Schuhhof und Hölle sind zwei zauberhafte Gassen. Während du den Schuhhof nur durch einen kleinen Hausdurchgang erreichen kannst, weist dir das Straßenschild „Hölle“ den Weg. Der Schuhhof ist die schmalste Gasse Quedlinburgs. Du findest sie rechts vom Rathaus. Hier produzierten und verkauften im Mittelalter Schuhflicker ihre Waren.
Gleich dahinter findest du die „Hölle“ mit faszinierenden Fachwerkhäusern, die du auf keinen Fall verpassen solltest. Diese charmanten kleinen Gässchen erinnern an die Lübecker Buden und Gassen.
Die Marktkirche St. Benedicti ist ein beeindruckendes gotisches Bauwerk mitten im Herzen der Altstadt. Mit ihrem reich verzierten Innenraum stellt sie ein besonderes Highlight dar. Gotische Gewölbe zeugen von mittelalterlicher Handwerkskunst.
Ein besonderer Stadtteil Quedlinburgs ist der im Mittelalter entstandene Münzenberg, auf dem sich schmucke Fachwerkhäuser aneinanderreihen. Besuche bei dieser Gelegenheit auch das Museum auf dem Münzenberg.
Du bist daran interessiert, Quedlinburg im Rahmen einer Nachtwanderung zu erleben? Der „Nachtwächterrundgang Quedlinburg“ dauert ungefähr 90 Minuten. Alle Informationen findest du hier.
Käsekuchenstreit in Quedlinburg
Zum Schluss habe ich noch eine ganz ungewöhnliche Geschichte, die sich auch in Quedlinburg zugetragen hat. Diese möchte ich dir nicht vorenthalten.
Du bist neugierig geworden? Dann schau hier nach!
Einst lebte ein Bäcker in Quedlinburg, der für seinen sagenhaft leckeren Käsekuchen bekannt war. Dieser war so gut, dass er den Titel „Käsekuchenkönig“ verliehen bekam.
Irgendwann tauchte in der Stadt ein weiterer Bäcker auf, der felsenfest behauptete, dass sein Käsekuchen der bessere sei. Ein heftiger Streit entbrannte zwischen den beiden, der letztendlich sogar das Gericht beschäftigte.
Die Bürger Quedlinburgs verfolgten mit großem Interesse den Prozess, in dem die Bäcker mit voller Leidenschaft ihre Käsekuchenrezepte verteidigten und für sie kämpften. Das Urteil erfolgte schließlich zugunsten des Käsekuchenkönigs. Dennoch blieb die Rivalität der Bäcker bestehen.
Eine nette Geschichte, die auch heute noch in Quedlinburg erzählt wird. Sie animiert die Besucher, den berühmten Käsekuchen vom Bäcker Vincent, Schlossberg 13, zu probieren. Er lockt mit bis zu 193 verschiedenen Käsekuchenvariationen.
Wieviel Zeit sollte man für Quedlinburg einplanen?
Wenn du drei Tage in Quedlinburg verbringst, besteht eine gute Chance, die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen.
Natürlich kann man im Rahmen einer Stippvisite auch an einer zweistündigen Stadtführung teilnehmen und so einen Überblick bekommen. Dafür aber ist die Stadt zu schade und zu sehenswert.
Unsere Meinung zu Quedlinburg
Wie in einem farbenfrohen Bilderbuch reihen sich die zauberhaft verzierten Fassaden der malerischen Fachwerkhäuser aneinander und erzählen eine märchenhafte Geschichte. Aber auch windschiefe Häuser, deren Farben verblasst sind und man nur noch die einstige Schönheit erahnen kann, gehören zum Stadtbild. Die kopfsteingepflasterten Gassen verleihen dem Ensemble einen reizenden Charme.
Die Stadt hat mit Sicherheit einige faszinierenden Erzählungen zu bieten, die die reiche Geschichte und Kultur widerspiegeln. Die Konfrontation mit der alten Geschichte der Stadt war ein einmaliges Erlebnis.
Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten in der pittoresken Altstadt wirst du einige charmante Cafés entdecken, die zum Verweilen einladen. Teilweise musst du hierfür einmal die gewohnten Touristenpfade verlassen und einen Blick in die Seitengassen werfen. Du wirst überrascht sein.
Kurzum: Die größte Sehenswürdigkeit von Quedlinburg ist die Stadt selbst!
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