Rust Neusiedler See - Storch füttert im Nest die Jungen

Rust am Neusiedler See: Stadt der Störche

Beim Gedanken an Österreich fallen uns sofort die Alpen, malerische Bergseen und idyllische Wanderwege ein.

Unsere Reisen sind häufig geprägt von Spontaneität und Entdeckungslust. Ohne feste Hotelbuchungen lassen wir uns treiben und erkunden dabei auch Orte, die wir zufällig entdecken. So haben wir es auch bei unserer Reise durch Österreich gemacht. Diese Flexibilität ermöglichte es uns, die Tour spontan umzugestalten. Ganz nach dem Motto: Mal für längere Zeit, manchmal aber auch nur für einen kurzen Augenblick.

Bei dieser Reise zog es uns in den östlichen Teil des Landes. Genauer gesagt, führte sie uns nach Rust am Neusiedler See im Burgenland. Die Stadt liegt etwa 18 Kilometer südöstlich von Eisenstadt und ist rund 70 Kilometer von Wien entfernt.

Inhalt

Wissenswertes über Rust

Der Name Rust hat seine Wurzeln im Ungarischen. Er wurde von dem Wort “Rüster” abgeleitet und lautete Ruszt. Erst durch die lautgetreue Übernahme entstand die heutige Bezeichnung Rust. Urkundlich wurde der Ort erstmals 1317 zunächst mit dem Namen Ceel erwähnt. Später wurde das Dorf Szil genannt.

Die freundliche Freistadt Rust liegt am Westufer des Neusiedler Sees. Bekannt geworden ist sie nicht nur durch den jährlichen Aufenthalt zahlreicher Störche, sondern auch durch den Weinanbau. 2024 hatte Rust gerade einmal 1984 Einwohner. Somit war es nicht nur der kleinste Verwaltungsbezirk, sondern auch die kleinste Statutarstadt Österreichs.


Eine Statutarstadt besitzt eigene Stadtrechte, die gleichzeitig Aufgaben einer Bezirksverwaltung übernimmt. Der Bürgermeister erhält hierdurch erweiterte Verwaltungsbefugnisse. 

Seit 1921 gehört Rust zum österreichischen Burgenland, 1681 wurden dem damaligen Dorf die Stadtrechte zugesprochen. Gleichzeitig erhielt die Stadt den Status Königlich Ungarische Freistadt.

Stadtrundgang

Welche Sehenswürdigkeiten Rust am Neusiedler See zu bieten hat, haben wir bei einem Rundgang durch die pittoreske Stadt erkundet.

Die gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz, da sie von beeindruckenden Bürgerhäusern aus dem 16. und 19. Jahrhundert geprägt ist. Die exquisit erhaltenen Fassaden im Barock- und Renaissancestil haben zauberhafte Fensterrahmen. Sie sind mit eleganten Erkern und kunstvollen Stuckverzierungen geschmückt. Diese Fassaden verleihen der Stadt einen besonderen Charme und lassen sie in historischem Glanz erstrahlen.

Das zweigeschossige Gebäude mit seiner rötlichen Fassade und den weißen Kanten sticht jedem Besucher direkt ins Auge. Dieses kleine Juwel thront stolz auf dem Conradplatz.

Rust Neusiedler See Österreich - Das rötliche Rathaus ist verziert mit weißen Ecken und Fensterrahmen. Im Vordergrund verdeckt ein Baum teilweise das Rathaus.
Über dem Westportal befindet sich die Inschrift “Erbaut Anno 1673”

Weit gefehlt wer annimmt, dass das Rathaus lediglich ein Ort der Verwaltung war!  Hinter seinen ehrwürdigen Mauern wurden bedeutende Entscheidungen getroffen, die sowohl das Stadtleben als auch die Geschichte von Rust nachhaltig prägten. Die Fassade ist ein echtes Highlight für Liebhaber historischer Gebäude. Die gelungene Kombination von Tradition und Moderne fasziniert sowohl Einheimische als auch Besucher.

Rust Neusiedler See Österreich - Über dem Kellerportal steht auf einem weißen Hintergrund eine Inschrift, die mittlerweile schon verblasst ist.

Am Eingang zum Rathauskeller erwartet die Gäste eine einzigartige Portalinschrift, die lautet:  “Mir ist recht wohl, wann ich voll bin.” Diese Gravur ist eine humorvolle und charmante Art, die Verbundenheit der Stadt mit dem Wein zum Ausdruck zu bringen. Sie lädt Besucher dazu ein, die Tradition und den Wein der Region zu genießen und zu schätzen.


Die Inschrift Mir ist recht wohl, wann ich voll bin stammt im Übrigen aus einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe. 

Insgesamt präsentiert sich Rust mit drei Kirchen. Die sakralen Bauwerke laden dazu ein, die religiöse Vielfalt und das historische Erbe der Stadt zu entdecken.

Seit dem 16. Jahrhundert prägt die Evangelische Kirche in Rust das religiöse und kulturelle Leben der Stadt. Zur damaligen Zeit war hier sozusagen das Zentrum des protestantischen Glaubens ins Österreich.

Rust Neusiedler See Österreich - Der Kirchturm ragt hinter vielen Bäumen in den blauen Himmel empor.

Die Architektur der Kirche, erbaut 1784, hat einen klassizistischen Stil. Der extrem hohe Turm ragt über die Stadt. Wie einige der Gebäude, steht auch sie unter Denkmalschutz.

Besichtige die Kirche ruhig einmal von innen und bewundere die historische Malleck-Orgel, die aus dem Jahr 1789 stammt.

Natürlich existiert neben der Evang. Kirche auch die Kath. Pfarrkirche, die der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet ist. Besonders interessant ist, dass diese Kirche ursprünglich von der in der Stadt ansässigen evangelischen Gemeinde erbaut wurde. Im frühbarocken Stil gestaltet, sticht die Kirche ebenso wie die Evang. Kirche durch ihren auffallend hohen Turm hervor.

Rust Neusiedler See Österreich - Die kath. Kirche ist von außen hell gehalten. Der Kirchturm hat zwei Umläufe, von denen man schöne Blicke auf die Stadt hat. Im Vordergrund ist der Teil eines weißen Gebäudes zu sehen.

Über eine Freitreppe gelangst du zum Portal der Kirche. Bei genauer Betrachtung ist festzustellen, dass der Giebel der Kirche seltsam aussieht. Dies liegt daran, dass offensichtlich dieser Teil einmal zerstört wurde. Der Turm beeindruckt gleich mit zwei Umgängen. Der zweite befindet sich unterhalb des Pyramidenhelms und bietet einen wunderbaren Blick auf die Stadt.

Die Fischerkirche stellt eine Besonderheit dar. Sie wurde im 12. Jahrhundert als Wehrkirche erbaut. Somit diente sie nicht nur als religiöses Zentrum, sondern auch als Schutz vor Angriffen. Die überaus dicken Mauern und der massive Turm sind typische Merkmale einer Wehrkirche. Auch heute ist die Fischerkirche noch von einer Wehrmauer umgeben.

Rust Neusiedler See Österreich - Im Hintergrund ist eine alte Wehrkirche zu sehen, die noch von einer Wehrmauer umgeben ist. Im Vordergrund befindet sich ein weißes Haus, offensichtlich ein Restaurant, da Sonnenschirme im vorderen Bereich aufgestellt wurden.
Versteckt zwischen den barocken Gebäuden dient sie heute ausschließlich kulturellen Zwecken

Wir sind der Frage nachgegangen, warum die Kirche die Bezeichnung “Fischerkirche” trägt. Tatsächlich wurde sie, nachdem sie nicht mehr als Wehrkirche fungierte, zur Anlaufstelle von Fischern und Schiffern. Die Nutzung der Gebäude veränderte sich im Laufe der Zeit stetig. Dabei werden sie immer wieder den aktuellen Bedürfnissen der Menschen angepasst.

Im Inneren der Kirche sind wunderschöne Fresken aus dem 13. Jahrhundert zu bewundern, die biblische Szenen darstellen. Neben dem spätgotischen Dreiheiligenaltar befindet sich in diesem besonderen Gebäude die älteste Orgel des Burgenlandes.

Wenn du einmal in Rust bist, solltest du der Fischerkirche auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Es lohnt sich!

Der Wein des Weingutes Feiler-Artinger wächst an den sanften Hängen der Ruster Hügel. Das heutige Weingut, eines der schönsten barocken Bürgerhäuser, befindet sich jedoch in der Stadt selbst. Ursprünglich bestand das Haus aus zwei einstöckigen Gebäuden, die durch einen gemeinsamen Hof verbunden waren. Diese Bauweise bezeichnete man als Streckhof. Im Laufe der Zeit verschmolzen beide Gebäude zu einem.

Rust Neusiedler See Österreich - Ein Bürgerhaus in den hellen Farben Ocker und Weiß gehalten. Das Eingangstor ist breit und gleicht einer Einfahrt. Es wird das Sternentor genannt. Darüber befindet sich ein Fester, dass mit Stuck verziert ist.
Das Sternentor stammt aus der Zeit zwischen 1630 und 1640

Nach einer aufwendigen Restaurierung brachte die Familie Feiler-Artinger in dem Gebäude ihr Weingut unter. So wurde es ein historisches Wahrzeichen zu einer Anlaufstelle für Weinkenner und -genießer.

Das Kremayrhaus ist etwas für Museumsbesucher. Es bietet beispielsweise eine Kunstsammlung des letzten Hausbesitzers, Rudolf Kremayr. Er schenkte das Gebäude 1986 der Freistadt Rust.

Ein besonderes Objekt ist der Kachelofen des Künstlers Koschka, der diesen 1895 gefertigt hat. Darüber hinaus gibt es Bauernmöbel aus dem Bereich Westösterreich, Gemälde und Wandteppiche.


Bei unseren Recherchen mussten wir feststellen, dass das Kremayrhaus mittlerweile vorübergehend geschlossen ist.

Spaziergang über die Hauptstraße

Waren wir gerade noch mitten im lebhaften Treiben am Rathausplatz, befinden wir uns einige Schritte später auf der Hauptstraße. Im Gegensatz zu einer trubeligen Flaniermeile ist hier alles kleiner und dennoch liebreizend. Ein Spaziergang auf dieser Straße sollte bei keinem Stadtrundgang fehlen. Warum? Lass die Blicke schweifen und dir werden einige prächtige Gebäude auffallen.

Rust Neusiedler See Österreich - Ein Bürgerhaus, in ockergelb gestrichen. Die Kanten und Fensterrahmen sind weiß. Im Hintergrund sieht man den Kirchturm.
Das Bürgerhaus ist denkmalgeschützt. Die Fassadendekoration stammt aus dem 19. Jahrhundert

Die Ruster Bürger- und Winzerhäuser besitzen überwiegend elegante Rundbogenportale. Kunstvolle Stuckverzierungen unterstreichen den historischen Charme und bei einem Blick in die Innenhöfe der Winzerhäuser wirst du überrascht sein. Diese sind teilweise mit hübschen Arkadengängen, Stiegenaufgänge und historischen Elementen ausgestattet. Die Innenhöfe sind nicht nur praktisch, sondern auch ästhetisch ansprechend.

Die Stadt der Störche

Wenn du während der Sommermonate in Rust deine Zeit verbringst, wird dich über den Tag hinweg Storchengeklapper begleiten. Überall auf den Dächern befinden sich Storchennester, in denen teilweise bis zu 40 kleine Störche aufgezogen werden.

Rust Neusiedler See Österreich - Auf dem Kamin eines Daches befindet sich ein Storchennest. Ein Storch sitzt in ihm. Links im Bild sind an einer weißen Hauswand in einer Mulde zwei Statuen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass der Storch im Wappen von Rust aufgenommen worden ist. Mittlerweile eine echte Touristenattraktion, tragen die Störche selbstverständlich zum Bekanntheitsgrad der Stadt bei. Häufig reisen die Menschen an, nur um die majestätischen Vögel zu bewundern.

Wenn du in Rust weilst, werden dir die Einwohner eine nette kleine Anekdote erzählen.

Neusiedler See

Der Neusiedler See (auch Neusiedlersee) ist der größte Steppensee Mitteleuropas. Mit einer Fläche von 315 qkm erstreckt er sich über die Grenze zwischen Österreich und Ungarn. Was ich bis zu unserem Besuch nicht wusste, der See ist mit einer maximalen Tiefe von 1,8 Meter relativ flach. Dieser Steppensee ist ein Endsee mit flachem Becken. Der Wasserstand schwankt ständig, da er in der Regel vom Niederschlag und der Verdunstung abhängig ist.


Der See ist fast vollständig von einem Schilfgürtel umgeben, wodurch der am See bestehenden Tierwelt genug Lebensraum gegeben ist. 

Lass deine Blicke einmal über den See schweifen. Hierbei wirst du viele “Inseln” entdecken, die im Volksmund als ‘Schoppen’ bezeichnet werden. Dies sind allerdings keine Inseln im herkömmlichen Sinne, sondern Schilfbestände, die wie grüne Oasen aus dem Wasser ragen.


In Ungarn wird der Neusiedler See Fertö tó genannt, was Sumpf bedeutet.

Unser Fazit zu Rust am Neusiedler See

Es gibt viele Gründe, einmal Rust am Neusiedler See zu besuchen. Obwohl die Sehenswürdigkeiten schnell aufgezählt sind, ist die Altstadt mit ihren Gassen und historischen Gebäuden unbedingt einen Besuch wert. Die malerische Lage am Ufer des Sees verleiht der Stadt einen besonderen Reiz, während die Störche das Gesamtbild harmonisch abrunden.

Rust lädt dazu ein, in einer einzigartigen Atmosphäre zu entspannen und die Schönheit der Natur zu genießen.

Hast du Rust bereits besucht, oder hat mein Beitrag dein Interesse geweckt? Teile gerne deine Gedanken mit uns und berichte von deinen Erlebnissen. Wir sind sehr gespannt!


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