Boltenhagen: Ein Geheimtipp an der Ostsee
Du kennst die Tradition: Eine Woche Mutter-Tochter-Urlaub im September. Fix im Kalender, Jahr für Jahr. Doch dieses Mal haben wir die Routine über Bord geworfen und sind bereits im Juni losgezogen.
Seit mein Alltag nicht mehr von festen Arbeitszeiten bestimmt wird, genieße ich die Freiheit, meine Zeit ganz nach Lust und Laune zu gestalten. Das frühsommerliche Wetter war einfach zu verlockend, also nutzten wir die Gelegenheit und packten unsere Koffer. Während unseres Aufenthaltes wohnten wir etwas außerhalb des Ostseebads im Lindner Hotel Boltenhagen. Die Suite war mit rund 60 qm großzügig geschnitten und bot viel Raum zum Wohlfühlen. Der direkte Blick auf den Yachthafen hat das Urlaubsgefühl perfekt abgerundet.
Inhalt
Wo liegt Boltenhagen?
Das Ostseebad Boltenhagen liegt an der westlichen Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns, nahe der Hansestadt Wismar. Boltenhagen zählt zu den Seeheilbädern, die dem Kurortgesetz unterworfen sind. Gäste müssen demnach eine Kurtaxe zahlen. Je nachdem, woher du kommst, kann die Anreise unterschiedlich lang sein. Boltenhagen liegt zwar herrlich ruhig, aber nicht wirklich zentral. Wohnst du in Mecklenburg-Vorpommern, ist der Weg natürlich überschaubar. Von Rostock brauchst du etwas mehr als eine Stunde, Schwerin liegt da schon etwas näher. Selbst von Hamburg aus ist das Ostseebad gut erreichbar.
Du fährst zunächst über die A1 Richtung Lübeck. Am Lübecker Kreuz musst du auf die A20 wechseln und dieser bis zur Abfahrt Grevesmühlen/Boltenhagen folgen. Von dort geht es weiter über Klütz direkt zum Ostseebad. Während der letzten Etappe führt die Straße durch sanftes Hügelland und kleine Dörfer. Spätestens hier beginnt die Einstimmung auf den bevorstehenden Urlaub.
Was du über Boltenhagen wissen solltest
Boltenhagen gehört zu den ältesten Seebädern an der mecklenburgischen Ostseeküste. Schon im 19. Jahrhundert, als das kleine Küstenörtchen überwiegend aus Bauernhäusern und Fischerkaten bestand, suchten es die ersten Erholungssuchenden auf. Der Ort wurde schnell durch die heilende Seeluft bekannt und zog besonders die mecklenburgischen gut gestellten Familien an. Es dauerte nicht lange, bis sich Boltenhagen vom verträumten Küstendorf zum etablierten Kur- und Ferienort verwandelte.
Heute vereint das Ostseebad auf faszinierende Weise Historisches mit zeitgemäßen Angeboten. Die gelungene Kombination aus eleganter Bäderarchitektur und malerischer Küstenlandschaft macht es zu einem begehrten Reiseziel. Boltenhagen ist nicht laut, nicht mondän – es ist entspannt und bodenständig!
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Geschichte der Halbinsel “Weiße Wiek” hat uns besonders beeindruckt. Heute bildet sie mit einem Yachthafen, dem Lindner Hotel und Ferienappartements ein nettes Urlaubsquartier.
Viele wissen nicht, dass dieses Gebiet über Jahrzehnte militärisch genutzt wurde. Die in den 1930er Jahren künstlich errichtete Halbinsel wurde früher “Tarnewitz” genannt und für die Luftwaffe ausgebaut. Mit großem Aufwand wurden hier neben Hangars auch Labore errichtet. Es hat uns sehr überrascht, dass die Halbinsel damals mit einer Landebahn ausgestattet war. Das war umso bemerkenswerter, weil sie nicht besonders groß ist. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Gelände militärisch. Erst nach der Wende wurde das komplette Areal umgestaltet. Die militärischen Anlagen wichen der heutigen Weiße Wiek. Der andere Teil der Halbinsel wurde zum Naturschutzgebiet “Tarnewitzer Huk” und ist nicht öffentlich zugänglich. Uns wurde berichtet, dass das Betreten eine Strafe von bis zu 500,00 Euro zur Folge haben kann.
Diese besondere Mischung aus Geschichte, Natur und moderner Urlaubskultur macht Boltenhagen zu einem Ort mit eigenem Charakter. Der leise Hauch der Vergangenheit weckt dabei ganz von selbst die Neugier.
Mehr als Meer – Boltenhagens besondere Ecken
Zwischen der beeindruckenden Steilküste und der einladenden Seebrücke entfaltet Boltenhagen sein ganz eigenes Flair. Es ist geprägt von klassischer Bäderarchitektur und charmanten Fischerbooten. Wer sich auf einen Rundgang durch den Ort einlässt, wird schöne Plätze entdecken: historisch, maritim oder einfach nur zum Verweilen.
Der Weg vom Hotel ins Zentrum verläuft zunächst durch einen kleinen Wald, der direkt an das Naturschutzgebiet angrenzt. Von dort gelangt man zu einem Panoramaweg, der oberhalb des weißen Sandstrands bis nach Boltenhagen führt. Die knapp 3,5 Kilometer lange Strecke lässt sich entspannt zurücklegen und bietet unterwegs immer wieder Gelegenheit innezuhalten und die Blicke über die Ostsee schweifen zu lassen.
Bäderkultur in Boltenhagen
Ursprünglich diente die Trinkkurhalle dem Ausschank von Heilwasser, wie man es von anderen Kurstädten kennt. Architektonisch fügt sich die Halle harmonisch in das Ensemble im Kurgarten ein.
Die Arkaden mit dem offenen Säulengang und der hellen Gestaltung passt zur Atmosphäre des Ortes. Mittlerweile hat die Trinkkurhalle nicht mehr ihre frühere Funktion. Sie dient heute als kultureller Treffpunkt, an dem Ausstellungen und kleinere Konzerte stattfinden. Wer durch den Ort schlendert, sollte ruhig einen Moment hier verweilen und den Blick auf die Promenade mit den kreisenden Möwen richten.
Kurhaus
Vom Kurpark einmal kurz hinüber auf die andere Straßenseite. Dort befindet sich das Kurhaus Boltenhagen, ein Gebäude mit Charakter und Geschichte. Errichtet wurde es ursprünglich im 20. Jahrhundert. Mit einer hellen Fassade, großen Fenstern und der recht offenen Gestaltung nutzte der Architekt klassische Elemente.
Heute hat das Kurhaus eine andere Funktion, es ist zum Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen geworden. Trotzdem bleibt es für Gäste häufig der erste Anlaufpunkt im Ort.
Ursprünglich befand sich auf dem Grundstück einst ein Hotel, dass das erste Kapitel der Hotelgeschichte von Boltenhagen aufschlug. Hier errichtete der Tischler Reese 1838 das erste Logierhaus, das legendäre Hotel Baltique. Was er nicht wissen konnte war, dass er damit den Auftakt zu einer Verwandlung Boltenhagens einläutete. Aus dem beschaulichen Fischerort wurde mit den Jahren ein idyllisches Ziel für Urlauber.
Im Erdgeschoss befindet sich die Tourist-Information.
Anschrift: Ostseeallee 4, 23946 Boltenhagen
Kurpark Boltenhagen
Wenn du die Promenade an der Seebrücke verlässt, bist du sofort mitten im Geschehen. Der kleine, aber wunderschöne Kurpark, entfaltet sich in unmittelbarer Nähe zur Ostsee. Schon beim Betreten bemerkt man die ruhige und gepflegte Atmosphäre.
Breite Wege führen durch die Grünflächen mit kunstvoll arrangierten Blumenbeeten. Uralte Bäume, wie Linden, Ahorn und Kastanien spenden den Besuchern Schatten. Architektonisch schön gestaltet hat die Konzertmuschel ihren Platz in diesem Ensemble. Man kann sich gut vorstellen, wie voll es hier sein muss, wenn an diesem idyllischen Ort Konzerte stattfinden. Die Wege sind so gestaltet, dass sie durchaus für Menschen mit Mobilitätsstörungen gut begehbar sind. Während wir durch den Park schlenderten entdeckten wir gleich den nächsten Blickfang.
Im Zentrum der grünen Anlage zieht ein kunstvoll gestaltetes Wasserspiel die Blicke auf sich. Um ihn herum wurden Blumenbeete angelegt, die je nach Jahreszeit ihre Farben wechseln. Die beiden 94 cm großen Keramikfische, ragen ihre Köpfe zum Himmel und fungieren dabei als Wasserfontänen. Gestaltet wurden sie von der Bildhauerin Dörte Michaelis. Das untere Becken hat eine Größe von 4,20 Meter.
Was uns besonders ins Auge fiel, war das harmonische Gesamtbild des Parks. Die sehr gut gepflegten Wege mit den Blumenbeeten und den fast schon majestätischen Bäumen. Hierdurch laden seine zahlreichen Sitzgelegenheiten einmal mehr zum Verweilen ein.
Doch der Kurpark allein macht Boltenhagen nicht aus. Vielmehr sind es die liebevollen Details rund um ihn herum, die die Gäste immer wieder begeistern. Die Häuser, die den Park säumen, sind ein Ensemble aus Bäderstil, moderner Eleganz und gemütlicher Ferienidylle.

Wer Lust hat, mehr zu entdecken, schlendert ein wenig in Richtung Mittelpromenade. Hier trifft man auf das liebevoll geführte Minilädchen, das mit seinem Angebot überrascht. Zwischen Kleidung, maritimen Accessoires und auch ausgewählten Einzelstücken lässt sich in der Boutique so manches Urlaubs-Mitbringsel finden. Nicht selten zückt ein begeisterter Feriengast hier seinen Geldbeutel.

Nur ein paar Schritte weiter lockt das Café Freytag mit Kuchen am Nachmittag oder einem kleinen Snack auf der Terrasse. Wer nicht nur den Park besuchen, sondern auch in ihm “wohnen” möchte, findet gleich nebenan eine Unterkunft. Diese befindet sich im Haus Am Kurpark und bietet einen Blick ins Grüne. Die Ostsee ist zum Greifen nah und die Möwen sind dein ständiger Begleiter.

Direkt an der Mittelpromenade, einen Steinwurf von der Seebrücke entfernt, entdeckten wir das Restaurant Zur Seebrücke. Nach unserer Ankunft im Hotel und der Wanderung nach Boltenhagen nahmen wir uns hier eine kleine Auszeit mit Blick auf das lebendige Treiben. Mit Kaffee und hausgemachtem Kuchen war es der perfekte Moment, um anzukommen.
Seebrücke
Die Seebrücke von Boltenhagen ist mehr als nur ein Steg. Sie ist sozusagen die Verbindung des Kurzentrums mit der Ostsee. Mit fast 300 Metern Länge streckt sie sich wie ein Finger in die Ostsee. Je nach Tageszeit und Wetterlage kannst du von ihr das Farbenspiel des Wassers beobachten. Mal erstrahlt es türkis und mal grau und geheimnisvoll. Früher war sie unter anderem Anleger für kleine Ausflugsschiffe, heute ist sie mehr zu einem Ort der Entspannung geworden. Bänke laden ein, den Moment in der Sonne zu genießen.
Steilküste Boltenhagen
Ein besonderes Naturhighlight an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns ist die Steilküste Boltenhagen. Westlich des Ortskerns erstreckt sie sich über mehrere Kilometer und bietet, insbesondere von der Seebrücke eine beeindruckende Kulisse. Sie ragt markant in die Höhe, um dann schon fast dramatisch mit über 30 Metern steil zum Meer herabzufallen. Aber Achtung: Es kann gefährlich werden. Bei entsprechender Wetterlage kann es zu Abbrüchen kommen, die die Landschaft immer wieder verändern.
Entlang der Steilküste befinden sich Pfade, auf denen man die Umgebung erforschen kann. Besonders in den Morgen- und Abendstunden ist sie für Spaziergänge beliebt. Fotografen können bei entsprechendem Licht hier wunderschöne Motive erhaschen. Wanderst du entlang des oberen Küstenpfads, so breitet sich vor dir ein atemberaubender Blick über die Ostsee aus. Sanddornbüsche und Stranddisteln scheinen jedem Sturm zu trotzen, sie klammern sich regelrecht an die Kanten der Steilküste.
Zwischen Segelmasten und Sonnenuntergang
Wer Boltenhagen besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum Yachthafen der Weißen Wiek nicht verpassen. Wir hatten das Glück, direkt dort zu wohnen.
Versteckt am westlichen Rand des Ostseeheilbads offenbart sich hier ein Ort, der maritimes Lebensgefühl und wohltuende Ruhe wunderbar vereint.
Schon beim ersten Blick über die Stege und das glitzernde Wasser merkt man es. Hier scheinen die Uhren anders zu ticken. Die Marina ist modern und sanft schaukelnde Boote prägen das Bild. Besonders die Sonnenuntergänge, die wir während unserer Abendspaziergänge erlebt haben, waren faszinierend. Für Segelfans bietet der Hafen alle Annehmlichkeiten, für Ruhesuchende ein stimmungsvolles Ambiente. Der Hafen ist kein Hotspot, aber genau das macht ihn so besonders.
Mein Tipp: Kamera nicht vergessen und gern etwas Zeit einplanen, um einfach nur dazusitzen und auf das Wasser zu schauen.
Wer Glück hat, wird am Abend vor der Abreise so verabschiedet …
Warum Boltenhagen eine Reise wert ist
Wer seinen Aufenthalt in Boltenhagen plant, darf sich auf eine Region freuen, die mit ihrer Vielfalt überzeugt. Ob du Aktivurlauber oder Küstenliebhaber bist, hier findest du die idealen Voraussetzungen für eine Auszeit. Zwischen weiten Sandstränden, eindrucksvoller Steilküste und dem tollen Ambiente des Yachthafens bietet Boltenhagen zahlreiche Möglichkeiten eine Kurzurlaub zu verbringen. Hinzu kommen gut ausgebaute Rad- und Wanderwege, die viel und gern genutzt werden.
Boltenhagen fehlt noch auf deiner Liste? Dann wartet auf dich ein reizvoller Küstenort Deutschlands, der darauf brennt, dich zu begeistern.
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