Die Geheimnisse des Klosters Grande Chartreuse
Versteckt in einem abgelegenen Tal des französischen Chartreuse-Massivs liegt ein Ort, der sich dem Blick der Welt seit Jahrhunderten entzieht. Als wir diesen Ort besuchten, gab es kein Hinweisschild, nur Wald, Fels und Stille.
Das Kloster Grande Chartreuse liegt auf etwa 850 Metern Höhe, umgeben von dichtem Wald und steilen Kalksteinwänden. Das Wetter kann hier selbst im Sommer rasch umschlagen. Nebel und Regen sind keine Seltenheit. Auch wir werden im Urlaub nicht immer von der Sonne begleitet. Als wir das Tal erreichten, hing feuchter Nebel über den Hängen.
Inhalt
Wo liegt Grande Chartreuse?
Eingebettet in die bewaldeten Höhen der französischen Alpen, etwa 30 Kilometer nördlich von Grenoble befindet sich das Kloster Grande Chartreuse. Es liegt im gleichnamigen Massiv. Zu erreichen ist es über die Landstraße D512. Von Grenoble aus führt die Route durch das landschaftlich reizvolle Chartreuse-Massiv in Richtung Saint-Pierre-de-Chartreuse.
Ziel für das Navigationsgerät ist das Musée de la Grande Chartreuse, da das eigentliche Kloster für Besucher mit dem Auto nicht zugänglich ist. Durch den Wald führt ein etwa zwei Kilometer langer Fußweg bis zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Kloster.
Adresse des Klosters: 1084 Allée de la Grande Chartreuse, 38380 Saint-Pierre-de-Chartreuse, Frankreich
Wissenswertes über das Kloster Grande Chartreuse
Grande Chartreuse ist kein gewöhnliches Kloster. 35 Vaterzellen gruppieren sich um Kreuzgänge und Gärten und bilden das Herz der Anlage. Jede Zelle ist mit einem eigenen Arbeitsraum, einer Gebetsnische und Zugang zum Garten ausgestattet. Insgesamt acht Glockentürme ragen über die Anlage hinaus, schlicht und dennoch weithin hörbar.
Geschichtlicher Einblick
Im 11. Jahrhundert, als Bruno von Köln mit sechs Gefährten in das abgelegene Tal zog, begann die Geschichte der Grande Chartreuse. An diesem Ort der Stille gründeten sie das Mutterkloster des Kartäuserordens. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Kloster mehrfach zerstört und immer wieder aufgebaut. Während der Französischen Revolution wurde es restlos geplündert, die Mönche vertrieben. Sie kehrten im 19. Jahrhundert zurück.
Während des Zweiten Weltkriegs flohen die Mönche erneut, das Kloster wurde zweckentfremdet, indem es als Lazarett umfunktioniert wurde.
Letztendlich entwickelte sich die Grande Chartreuse zu einem Zentrum des Wissens. Die Mönche kopierten handschriftlich niedergelegte Werke, pflegten botanisches Wissen und entwickelten im 17. Jahrhundert ein Rezept für den heute berühmten Chartreuse-Likör.
Mittlerweile leben im Kloster wieder Kartäusermönche in strenger Klausur. Das Kloster ist nicht öffentlich zugänglich.
Musée de la Grande Chartreuse
Das Museum befindet sich in Saint-Pierre-de-Chartreuse in einem ehemaligen Gebäude der Laienbrüder. Es dient als Informationszentrum für alle, die mehr über die Geschichte und Lebensweise des Kartäuserordens erfahren möchten.
Die Ausstellung ist auf historische Dokumente fokussiert. Modelle und Rekonstruktionen zeigen, wie die Vaterzellen aufgebaut sind und sich die Klosteranlage über die Jahrhunderte verändert hat. Auch die Verbindung zur Landschaft wird thematisiert, denn die Architektur hat sich dem Gelände angepasst.
Wer sich Zeit nimmt, bekommt ein präzises Bild vom Leben hinter den Mauern präsentiert.
Öffnungszeiten: Das Museum hat ja nach Saison unterschiedliche Öffnungszeiten. Daher ist es sinnvoll sich vor einem Besuch hier zu erkundigen.
Eintrittspreise: Erwachsene 10,00 Euro / Kinder 4,50 Euro / ermäßigte Tarife 7,00 Euro
(Stand: 2025)
Adresse: La Correrie, 38380 Saint-Pierre-de-Chartreuse, Frankreich
Wer war Bruno von Köln?
Er war ein bedeutender Geistlicher des 11. Jahrhunderts und gilt als Gründer des Kartäuserordens. Geboren wurde er um das Jahr 1030 in Köln als Sohn einer angesehenen Familie. Seine Ausbildung erlaubte es ihm Leiter der Domschule von Reims zu werden, die eine der wichtigsten Bildungsstätten seiner Zeit war. Obwohl er erfolgreich war, zog er sich plötzlich aus der Öffentlichkeit zurück und suchte ein Leben in Stille. Möglichst fern von politischen und kirchlichen Machtstrukturen. Dies führte schlussendlich zur Gründung der ersten Kartause im abgelegenen Tal der Chartreuse in den französischen Alpen.
Bruno wurde nie offiziell heiliggesprochen, wird aber dennoch in der katholischen Kirche wie ein Heiliger verehrt. Wer die Grande Chartreuse oder das Museum besucht, begegnet seinem Erbe auf Schritt und Tritt.
Chartreuse-Likör – Klostergeheimnis mit Geschichte
Wer kennt ihn nicht, den berühmten Chartreuse-Likör, der bis heute von Kartäusermönchen hergestellt wird. Die Produktion erfolgt in Aiguenoire unter Aufsicht zweier Ordensbrüder. Die Produktionsstätte befindet sich in einem abgelegenen Ort im Chartreuse-Tal.
Die Rezeptur ist ein gut gehütetes Geheimnis der französischen Klosterkultur. Nur soviel ist bekannt: Mehr als 130 Kräuter, Wurzeln und Pflanzen sollen darin verarbeitet werden. Das Rezept soll aus dem 17. Jahrhundert stammen. Wer daran interessiert ist, mehr über die Herstellung zu erfahren, kann die Caves de Chartreuse in Voiron besuchen. Dort lagern in historischen Kellern Fässer, in denen der grüne und gelbe Likör reift. Im Rahmen einer Führung bekommen die Besucher Einblicke in die Geschichte, die Destillation und die besondere Verbindung zwischen Spiritualität und Handwerk.
Adresse: 10 Bd Edgar Kofler, 38500 Voiron, Frankreich
Besuch der Caves de la Chartreuse kurz und knapp

- Ort: Voiron, etwa 30 Autominuten von der Grande Chartreuse entfernt
- Öffnungszeiten: Täglich 10.00 – 18.00 Uhr (01. Januar und 25. Dezember gschlossen)
- Letzte Führung: 16.20 Uhr (Reservierung empfohlen)
- Eintritt: Erwachsene: 12,00 Euro / ermäßigt: 9,00 Euro
- Dauer der Führung: etwa 1 Std. 20 Min.
- Teilnehmerzahl: maximal 20 Personen
Das steinerne Kreuz oberhalb der Grande Chartreuse
Wer sich auf den Pfad oberhalb der Grande Chartreuse begibt, stößt auf ein steinernes Monument mit einem hellen Kreuz. Es steht nicht zufällig an dieser Stelle, sondern markiert einen Ort der Einkehr, der über dem Tal und dem Kloster liegt. Der Sockel mit seinen Figuren soll an die Gründung des Kartäuserordens erinnern. Es ist eng mit dem Wahlspruch des Ordens Stat crux dum volvitur orbis (Das Kreuz steht fest, während sich die Erde dreht.) verbunden. Dieser Satz ist auch über dem Klostertor zu lesen. Er prägt die Haltung der Kartäuser, die sich bewusst aus der Welt zurückziehen, um in Stille und mit dem Gebet zu leben.
Für Wanderer ist der Ort ein klassischer Aussichtspunkt. Der Weg dorthin führt durch Waldstücke und über Wiesen.
Die Grande Chartreuse als Filmkulisse
Als ich hörte, dass die Grande Chartreuse als Filmkulisse diente, dachte ich zunächst an einen düsteren Exorzismus-Film oder ein klösterliches Horrorszenario. Die abgeschiedene Lage und die nebelverhangenen Wälder hätten das Potenzial für jede Art von Mystery. Tatsächlich aber wurde hier ein ganz anderer Film gedreht, der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm Die große Stille von Philip Gröning. Er zählt zu den eindrucksvollsten filmischen Porträts des klösterlichen Lebens. Bereits in den 1980er Jahren hatte Gröning um eine Drehgenehmigung gebeten. Die Zusage kam sage und schreibe 16 Jahre später!
Letztendlich lebte Gröning mehrere Monate allein im Kloster. Sein Team, das künstliche Licht und die Musik – alles blieb vor den Toren. Es entstand ein Film ohne Kommentare. Er gab lediglich die Abläufe des klösterlichen Alltags in langen, aber ruhigen Einstellungen wieder. Die Grande Chartreuse war somit nicht nur Kulisse, sondern sogar Hauptdarsteller … wenn auch ein stiller.
Routenvorschlag – Likör, Kloster und Museum
Diese Karte zeigt eine landschaftlich reizvolle Verbindung dreier Stationen, die Geschichte, Spiritualität und Genuss miteinander verknüpfen. Ausgangspunkt ist die Kellerei in Voiron, wo der berühmte Chartreuse-Likör noch heute von Mönchen hergestellt wird. Von dort führt die Route durch bewaldete Täler zur Grande Chartreuse, dem abgelegenen Mutterkloster des Kartäuserordens. Der letzte Halt ist das Musée de la Grande Chartreuse in Saint-Pierre-de-Chartreuse, das Einblicke in die klösterliche Lebensweise und die Geschichte des Ordens bietet. Ideal für alle, die Kultur und Natur in einem Tagesausflug verbinden möchten.
Unser Fazit
Wenn du die Grande Chartreuse besuchst, erlebst du mehr als nur ein Kloster in den Bergen. Die Stille des Tals ist beeindruckend. Die abgeschiedene Lage und die Geschichte des Kartäuserordens tragen zu einer Atmosphäre bei, die sich kaum in Worte fassen lässt. Im Museum von La Correrie wird diese Welt behutsam ein wenig geöffnet, ohne ihre Tiefe zu verlieren. Historische Objekte, Modelle und Filmsequenzen vermitteln, wie sich das Leben hinter den Mauern über viele Jahrhunderte abgespielt hat. In der Kellerei von Voiron zeigt sich sodann mit dem Chartreuse-Likör eine ganz andere Seite der Tradition. Er ist ein Produkt, das eng mit der klösterlichen Geschichte verbunden ist.
Die Grande-Chartreuse-Region ist ein Muss bei einer Reise durch diese Region Frankreichs. Dazu gehören ihr Kloster, das Museum und die traditionsreiche Kellerei.
Wenn du Orte suchst, die nicht nur schön sind, sondern auch bedeutungsvoll, dann setz die Grande Chartreuse unbedingt auf deine Liste.
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