Wendelstein: Zwischen Fels und Fernsicht
Der Wendelstein war wegen seiner Höhe und markanten Form von Beginn an Teil unserer Urlaubsplanung. Als Ziel für einen Tagesausflug bot er genau das, was wir suchten: gute Erreichbarkeit und ein lohnendes Panorama.
Bei schönem Wetter und klarer Sicht packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg. Schon während der Fahrt wurde deutlich, dass der Wendelstein nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern auch ein Berg mit Charakter ist. Je näher wir kamen, desto beeindruckender wirkte seine steile Silhouette.
Inhalt
Wo liegt der Wendelstein?
Mit seinen 1.837 Metern liegt der Wendelstein im Süden Bayerns und gehört zum Mangfallgebirge. Er bildet den höchsten Punkt der Wendelsteingruppe, die zwischen dem Leitzachtal und dem bayerischen Teil des Inntals liegt. Durch seine auffällige Felsform und die gute Erreichbarkeit zählt der Wendelstein zu den bekanntesten Bergen der Region. Ein Ausgangspunkt für Besucher ist der Ort Brannenburg, von dem aus die historische Zahnradbahn direkt auf den Berg führt.
Die Anreise zum Wendelstein gestaltet sich unkompliziert, insbesondere für Besucher mit dem Auto. Im Norden verläuft die A8 mit der Verbindung München-Rosenheim-Salzburg, während die A12 (Inntalautobahn) östlich des Berges die Strecke Rosenheim-Kufstein abdeckt. Von der A12 ist der Ort Brannenburg gut erreichbar.
Drei Wege zum Gipfel – Historisch, modern oder naturverbunden
Ob mit der historischen Zahnradbahn, der modernen Seilbahn oder zu Fuß über relativ gut ausgebaute Wanderwege: Der Weg zum Gipfel ist ebenso abwechslungsreich wie lohnend.
Das Wendelsteingebirge ist kein ausgedehntes Massiv wie beispielsweise das Wettersteingebirge oder gar die Dolomiten. Es ist eher ein recht markanter „Einzelgänger“, ein Felsrücken mit Charakter, dessen „Hauptdarsteller“ der 1.838 Meter hohe Wendelstein ist. Wer ihn einmal erklommen hat, versteht, warum er seit Jahrhunderten Pilger, Wanderer und Gipfelstürmer anzieht.
Die Region ist ein wahres Paradies für Wanderer. Von gemütlichen Wanderwegen bis hin zu anspruchsvollen Klettersteigen ist alles vorhanden. Besonders spannend ist der Geologische Lehrpfad, auf dem dir die Entstehungsgeschichte des Kalksteinmassives nähergebracht wird. Fossilien, Gesteinsgeschichte und sogar kleine Anekdoten aus der Erdgeschichte begleiten die Wanderer auf Schritt und Tritt.
Nicht allein seine landschaftliche Schönheit macht das Wendelsteingebirge so besonders. Die Geschichten, die sich mit diesem Ort verbinden, tragen ebenso dazu bei. Es ist ein Ort, der wirklich viele Geschichten in sich birgt. So trieben sich zwischen den schroffen Felsen einst Schmuggler herum. Auf abgelegenen Grenzpfaden wurden Waren zwischen Bayern und Tirol transportiert.
Oben angekommen, ist Staunen garantiert. Am Gipfel erwartet dich ein Panorama, das dir den Atem raubt. An klaren Tagen reicht der Blick bis nach München und tief hinein in die Zentralalpen. Doch dies ist noch nicht alles, denn hier oben befindet sich eine Sternwarte. Ja, du hast richtig gelesen! In luftiger Höhe wird gemessen, beobachtet und geforscht. Und selbst das ist nur ein Teil dessen, was der Wendelstein sonst noch zu bieten hat.
Wendelsteinkirche
Ein architektonisches Juwel, das fast schon surreal wirkt, ist die Wendelsteinkirche. Eingebettet in die raue Felslandschaft thront sie dort oben als Deutschlands höchstgelegene Kirche. Seit 1889 thront sie auf der Schwaigerwand.
Errichtet wurde sie im 19. Jahrhundert von Max Kleiber. Am 20.08.1890 wurde sie vom Münchener Erzbischof Antonius von Thoma geweiht. Die Kirche ist im neugotischen Stil gehalten mit einem kleinen spitzen Türmchen, das sich gegen Wind und Wetter behaupten muss. Innen ist sie schlicht mit einem kleinen Altar und bunten Glasfenstern ausgestattet.
Gibt es etwas Schöneres, als hier oben zu heiraten? Erst fährt man mit der Zahnradbahn den Berg hinauf, um sich dann in der Wendelsteinkirche das Ja-Wort zu geben. Romantik pur!
Von Mai bis Oktober finden in der Kirche jeden Sonntag um elf Uhr Bergmessen statt. Besonders festlich ist es am letzten Sonntag im August, wenn das Patrozinium der Wendelsteinkirche begangen wird.
Wer den Wendelstein besucht, sollte sich dieses Kleinod nicht entgegen lassen.
Wendelsteinhaus – Einkehr mit Aussicht
In unmittelbarer Nähe zur Station der Zahnradbahn und direkt unterhalb des Gipfels befindet sich das Wendelsteinhaus (1883). Ursprünglich diente es als Unterkunft für die Bahnarbeiter und Bergsteiger, entwickelte sich jedoch rasch zu einem Einkehrort für Wanderer und Ausflügler.
Die außerordentliche Lage auf etwa 1.720 Metern Höhe macht die Terrasse zum Logenplatz. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zur Zugspitze, ein Panorama, das man so schnell nicht vergisst.
Das Wendelsteinhaus ist kein Luxushotel, sondern ein bodenständiger Ort und eigentlich genau das, was man sich nach einer langen Wanderung wünscht. Urig, traditionell, schlicht und gemütlich.
Öffnungszeiten: 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr (täglich)
Aus Gründen des Brandschutzes sind Übernachtungen nicht mehr möglich. (Stand: 2025)
Gacher Blick
Gleich hinter der Terrasse vom Wendelsteinhaus führt eine Treppe hinauf zur Aussichtsplattform Gacher Blick, die nicht zu Unrecht diesen Namen trägt. Gach bedeutet nämlich im Bayerischen so viel wie „steil“. Und genau das beschreibt das Gefühl, wenn man oben steht und der Blick unvermittelt in die Tiefe rauscht. Unten erstreckt sich das Tal, oben weite Bergketten. Bei klarer Sicht ein Horizont, der sich bis nach Tirol eröffnet.
Selbst wenn du mit der Zahnradbahn oder der Gondel auf den Berg gefahren bist, ist der Weg zur Aussichtsplattform gut machbar. Auch für weniger geübte Wanderer ist er geeignet.
Wendelsteinhöhle
Wenn du auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Naturerlebnis bist, dann ist die Wendelsteinhöhle genau das Richtige. Eingebettet im markanten Wendelsteinmassiv in einer Höhe von etwa 1.711 Metern liegt Deutschlands höchstgelegene Schauhöhle. Es wird vermutet, dass ihre Entstehungsgeschichte bis vor die Auffaltung der Alpen zurückreicht. Bei der Besichtigung wanderst du also durch Gestein, das älter ist als die Berge selbst.
Die Höhle erstreckt sich über 200 Meter. Nach dem Eingang muss man über Stufen in die Tiefe steigen. Hierbei passiert man die Kältefalle, ein Ort, an dem sogar im Sommer Schnee liegt. Die Temperatur in der Höhle liegt bei ungefähr +3 Grad, weshalb eine warme Jacke erforderlich ist.
Der Eintritt kostet 2,00 Euro pro Person. Achte darauf, dass du 2-Euro-Münzen hast, da der Automat nur diese akzeptiert.
Die Wendelstein-Zahnradbahn
Die Zahnradbahn ist ein technisches Wunderwerk, das sich seit 1912 durch die Felsen windet. Sie ist im Gegensatz zur Seilbahn nostalgisch und zieht Meter für Meter gemütlich ihre Kurven. Sie verbindet das bayerische Örtchen Brannenburg mit dem Gipfel des Wendelsteins. Die Wendelstein-Zahnradbahn ist eine der ersten Deutschlands, die sich durch derart steiles und felsiges Gelände bewegt.
Du fragst dich wahrscheinlich jetzt, wie das funktioniert. Die Zahnradbahn hat ein spezielles Zahnstangensystem in der Mitte der Gleise. Hierdurch ist es möglich, Steigungen von bis zu 23% zu überwinden. Die Lokomotive hängt sich quasi in die Zahnstange und ist so in der Lage, die Wagen bergauf zu ziehen. Die Strecke ist ungefähr 7,6 Kilometer lang. An den Punkten Aipl und Mitteralm gibt es sogar die Gelegenheit aus- oder zuzusteigen! 25 Minuten geht es vorbei an Wäldern, über Brücken oder durch Tunnel.
Hin- und Rückfahrt vom Talbahnhof Brannenburg zum Bergbahnhof Wendelstein: Erwachsene 47,00 Euro, Kinder (6-17 J.) 23,00 Euro. (Stand: 2025)
Wetterkapriolen am Wendelstein
Mit seinen 1.838 Metern zählt der Wendelstein zwar nicht zu den ganz großen Alpenriesen, doch das Gipfelklima steht dem der hochalpinen Liga in nichts nach. Wer von der Talstation in Brannenburg startet, kann binnen Minuten einen spürbaren Wetterwechsel miterleben. Manchmal heftig, an anderen Tagen weniger spektakulär. Sei also darauf gefasst, dass dich oben kräftiger Wind und rasche Wetterumschwünge erwarten können. Auf dem Weg zum Gipfel gehört auf jeden Fall eine winddichte Jacke ins Gepäck.
Wir hatten bei unserer Reise im September unsagbares Glück: Strahlender Sonnenschein, milde Temperaturen und das T-Shirt reichte völlig aus.
Königlicher Besuch auf dem Wendelstein
Hättest du geahnt, dass einst ein König den Wendelstein bestieg? Am 14. Juli 1858 besuchte König Max II. von Bayern (Vater von Ludwig II.) den Wendelstein im Rahmen seiner Reise von Lindau nach Berchtesgaden. Selbstverständlich legte er nur einen kleinen Teil des Weges zu Fuß zurück. Den größten Teil verbrachte er auf dem Rücken seines Pferdes. Begleitet wurde er von einem illustren Gefolge wie beispielsweise der Mundartdichter Franz von Kobell.
Der Besuch gilt als historisch bedeutsam und dokumentiert die frühere Wertschätzung des Wendelsteins als landschaftlich und kulturell herausragender Ort.
Wandern rund um den Wendelstein
Ein historisch geprägter Höhenweg mit alpinem Charakter ist der König-Maximilian-Weg am Wendelstein. Die Tour beginnt am Wendelsteinhaus, führt am Wendelsteinkircherl vorbei und folgt dem Pfad, den König Max II. einst bei seinem Besuch wählte. Der Weg ist als mittelschwere Bergwanderung ausgeschildert und bietet abwechslungsreiche Landschaften. Felsige Passagen, Almwiesen und lichte Waldstücke machen die Tour kurzweilig und landschaftlich reizvoll.
Eckpunkte zur Wanderung:
- Strecke: 12,2 km
- Dauer: ca. 6 Stunden 30 Minuten (je nach Kondition mehr oder weniger)
- Höhenmeter: 1.012 hm im Auf- und Abstieg
- Höchster Punkt: 1.811 m
- Start: Wendelsteinhaus
- Ziel: Bayrischzell
Die Route erfordert Trittsicherheit und eine solide Grundkondition, ist aber gut markiert. Wer bergab wandert, kann die Zahnradbahn für den Aufstieg nutzen.
Der Wendelstein – ein lohnendes Ziel
Aus unserer Sicht lohnt sich ein Besuch auf dem Wendelstein in jedem Fall. Die Kombination aus Natur, Aussicht und Geschichte macht ihn zu einem vielseitigen Erlebnis. Dabei spielt es keine Rolle, ob man wandert, mit der Bahn fährt oder einfach nur die Atmosphäre auf sich wirken lässt.
Für die gesamte Tour mit Anreise, Auffahrt, Gipfelbesuch und Rückweg sollte man einen Tag einplanen. Wer sich Zeit nimmt, wird mit eindrucksvollen Momenten belohnt.
Wie ist es bei dir, kennst du den Wendelstein schon aus eigener Erfahrung oder steht er noch auf deiner Liste? Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, ihn zu entdecken. Und falls du schon einmal dort warst: Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben? Wir sind gespannt auf deine Eindrücke!
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