San Marino – Geschützt durch drei Türme

Der Zwergenstaat San Marino ist nicht nur die kleinste Republik auf der Erde, sondern auch die älteste. Gegründet wurde sie 360 n. Chr. von dem Dalmatiner Marinus.

Von Ravenna aus fuhren wir durch die traumhaft schöne Landschaft der Emilia Romagna. Nach ungefähr 1,5 Stunden näherten wir uns San Marino. Bereits bei der Anfahrt konnten wir erahnen, was uns erwarten wird.

San Marino liegt auf dem Berg

Nach der gemütlichen Fahrt über gut ausgebaute Straßen folgte nun der etwas anstrengendere, aber sehr schöne Teil der Fahrt. Um zu dem Zwergenstaat zu gelangen, müssen zahlreiche Serpentinen durchfahren werden.

Burg Rocco Guaita

Die Hauptstadt San Marino befindet sich auf dem Monte Titano. Wir hatten unsagbares Glück mit dem Wetter und konnten sowohl während der Anfahrt als auch von oben sagenhafte Ausblicke genießen.

Von San Marino aus hat man bei schönem Wetter einen Blick auf die Ausläufer des Gli Appennini, ein Gebirgszug, der rund 1.500 Kilometer lang ist.

Wie oben bereits beschrieben, ist San Marino die älteste Republik der Welt. Ihre demokratische Verfassung soll sogar älter als die der Vereinigten Staaten sein. Interessant ist, dass San Marino immer zwei Staatsoberhäupter hat, die jeweils für sechs Monate ihr Amt ausüben.

Es ist bekannt, dass die Einwohner von San Marino so gut wie keine Steuern zahlen. Allerdings ist es nicht so einfach, wenn nicht sogar unmöglich, Staatsbürger des Staates zu werden. Dies setzt nämlich voraus, dass zumindest ein Elternteil aus San Marino stammen muss.

Fälschlicherweise wird San Marino häufig als „Stadtstaat“ bezeichnet. Dies ist deshalb nicht richtig, weil es neben der Hauptstadt von San Marino noch mehrere kleinere Städte gibt. Sehenswert ist auch das Borgo Maggiore, ein Dorf am Fuße des Monte Titano.

Über der Stadt auf dem Kamm des Monte Titano thronen drei Festungen: die Guaita, Cesta und Montale. Sie werden auch als die drei Türme bezeichnet.

Glockenturm der Chiesa di San Francesco

Die Chiesa di San Francesco wurde in der Zeit von 1351 bis ungefähr 1400 gebaut. Während der Restaurierungsarbeiten wurde eine Rosette freigelegt, die offensichtlich zu einer früheren Zeit verkleidet wurde. Sie zählt zu den ältesten römisch-katholischen Kirchen des Staates. Der Kirche direkt angeschlossen ist das Kloster der Minderbrüder.

Palazzo Pubblico

Der Palazzo Pubblico ist der Regierungspalast von San Marino und befindet sich auf der Piazza della Liberta. Das Bauwerk wurde von dem römischen Architekten Fancesco Azzurri entworfen und sodann von sanmarinesischen Steinhauern errichtet. Die drei Spitzbögen werden mit den Wappen der Schlösser von Serravalle, Montegiardino, Faetano und Fiorentino verziert.

Auf dem Glockenturm sind der Heilige Quirinus, der Heilige Leos und die Heilige Agatha abgebildet.

Der Palast wird von einer Festungswache, der Guardi di Rocca bewacht. Während der Sommermonate findet vor dem Palast stündlich zu jeder halben Stunde die Zeremonie der Wachablösung statt. Dies war uns vorher nicht bekannt, um so erfreuter waren wir, dass wir uns eine solche Wachablösung anschauen konnten.

Wir hatten auch das Glück, uns den Palazzo von Innen ansehen zu dürfen, der im mittelalterlichen Stil ausgestattet ist.

Ratssaal

Die Wände im Inneren des Palastes sind mit zahlreichen Inschriften, Trophäen und Wappen versehen. Der interessanteste und schönste Raum ist allerdings der Ratssaal, in dem seit dem Jahr 1848 rund sechzig Parlamentarier regelmäßig ihre Sitzungen abhalten.

Dieses Bild dominiert den Saal regelrecht. Dargestellt wird auf ihm ein Heiliger, der umgeben ist von Bauern, Soldaten, Frauen und Kinder, die ihm aufmerksam zuhören, wie er ihnen aus dem Buch vorliest. „Relinquo vos liberos ab utroque homine“ (Ich lasse euch zurück als frei von diesem und von jenem Menschen) ist der Satz, der in dem Buch zu lesen ist, welches im Saal des Rates aufbewahrt wird.

Wer den Glockenturm besichtigen möchte, kann diesen über den Abstimmungssaal und eine Wendeltreppe erreichen.

Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick über die Stadt und schaut direkt auf die Statua della Liberta die vor dem Palazzo steht. Sie besteht aus weißem Carrara-Marmor und wurde von dem Bildhauer Stefano Galletti geschaffen.

Die Basilika San Marino gehört seit 2008, wie im Übrigen die gesamte Altstadt San Marinos, zum UNESCO-Welterbe.

Die auf der Piazza della Liberta befindliche Basilika wurde im klassizistischen Stil errichtet. Sie soll die bedeutendste Kirche der Stadt sein.

Das Hauptportal wurde mit zwei Reihen je sechs korinthischer Säulen ausgestattet, über denen sich die lateinische Inschrift „Divo. Marino. Patrono. Et. Libertatis. Avctori. Sen. P. Q.“ befindet. Übersetzt bedeutet diese Inschrift: „Heiliger Marino, der Schutzpatron, der die Freiheit gebracht hatte. Der Senat und das Volk.“ Sie weist auf den Heiligen Marino hin, dem die Basilika geweiht wurde.

Im Inneren der Kirche wurde eine Statue des Heiligen Marino am Altar errichtet, dem die Basilika geweiht wurde und, der sowohl Schutzpatron als auch Namensgeber von San Marina war. Am Altar befindet sich eine Urne mit den im Jahr 1586 gefundenen Reliquien des Heiligen Marinus.

Die gewölbte Decke der Basilika ist mit Malereien und künstlerischer Stuckarbeit verziert.

Die erste Basilika des kleinen Staates mitten in Italien fand im Jahr 530 erstmals Erwähnung in Urkunden. Leider war sie im Jahr 1807 bereits so zerfallen, dass eine Sanierung bzw. Restaurierung nicht mehr möglich war. Es erfolgte der Abriss.

Der aus dem 17. Jahrhundert stammende romanische Glockenturm konnte allerdings erhalten bleiben. So wurde lediglich die Basilika im Jahr 1838 nach den Plänen des Architekten Achille Serra neu erbaut.

Das Highlight und absolut Sehenswerte sind die „Drei Türme“ (Rocca Guaita, Rocca della Fratta und Rocca Montale) von San Marino, die sich über die Gipfel des Monte Titano erstrecken. Die Türme wurden nach den Gipfeln benannt, auf denen sie erbaut wurden und nunmehr regelrecht über der Stadt thronen. Wer sich die Mühe macht, entlang der Festungsanlage zu laufen, wird zusätzlich noch mit wunderschönen Ausblicken belohnt.

Die einzelnen Festungstürme sind durch schmale Gänge miteinander verbunden, die zu spannenden Entdeckungstouren einladen. Während man den Ausblick in die Ferne genießt, wird man während der Tour durch die Anlage in längst vergangene Zeiten entführt.

Die drei Türme, das Symbol dieser alten Republik, finden sich im Übrigen auch im Wappen San Marinos wieder. Versehen ist das Wappen mit dem Wort „Libertas“. Dies deshalb, da die Türme für die Verteidigung der Freiheit stehen.

Rocca Guaita

Die Rocco Guaita ist eine atemberaubende Burg, von deren Anlage es traumhafte Blicke auf die Stadt San Marino gibt. Einige Teile der Burg sind über 900 Jahre alt und sie ist damit die älteste Burg. Im 11. Jahrhundert wurde sie so auf dem Gipfel des Monte Titano errichtet, dass sie über der Altstadt von San Marino thront. Um den Turm erhalten zu können wurde er mit der Zeit verstärkt. Es ist fast unvorstellbar, dass er ohne Fundament mit einem fünfeckigen Sockel auf den blanken Felsen erbaut wurde.

Neben einem Glockenturm befindet sich auf dem Gelände der Wachturm, eine Kapelle und eine Festung, die früher als Gefängnis fungierte. Dies soll sogar bis 1970 der Fall gewesen sein.

Die um die Anlage herum befindlichen Doppelmauern wurden errichtet, damit sich die Einwohner von San Marino während der Belagerungen in ihrem Schutze sammeln konnten.

Rocca della Fratta

Der Rocca della Fratta, dessen richtiger Name eigentlich „Cesta“ ist, ist der zweitälteste Turm. Erbaut wurde er im 13. Jahrhundert auf den Fragmenten einer alten römischen Festung. Dieser befindet sich auf dem höchsten Gipfel des Monte Titano (756 Meter) und beherbergte den Sitz der Wachmannschaft sowie einiger Gefängniszellen, die einen wunderschönen Ausblick haben sollen! Mittlerweile kann man hier das Waffenmuseum besichtigen.

Der Weg, den wir zwischen den Türmen eins und zwei gelaufen sind, wird als Hexenpfad bezeichnet. Ein Weg, der sich durch den Felsen schlängelt. Entlang der Zinnen könnt ihr den mittelalterlichen Reiz von San Marino genießen. Die alten Zinnen der Stadtmauern sowie die Steinstufen entführen dich auf dem Hexenpfad in die Vergangenheit.

Es gibt verschiedene Legenden zum Hexenpfad:

So wird sich erzählt, dass sich die Hexen auf diesem Pfad versammelten und hier ihre Zauberrituale abhielten.

Eine andere Legende hat einen weitaus gruseligeren Hintergrund:

Im Mittelalter war es üblich, dass Hexen verbrannt wurden. Nicht so in San Marino. Hier soll man sie von der höchsten Stelle des Berges, aber auch von der mit der schönsten Aussicht, in den Abgrund gestoßen haben.

Welche von beiden nun die richtige ist, konnten wir nicht herausfinden. Vielleicht gelingt es euch bei einem Besuch in San Marino.

Rocca Montale

Der Rocca Montale (auch Torre Montale) ist der jüngste Turm und befindet sich auf dem südlichsten Gipfel des Monte Titano. Genaugenommen besteht diese „Burg“ lediglich aus einem fünfeckigen Turm, der sehr massiv ist. Obwohl der Rocca Montale von allen Türmen der kleinste ist, hatte er die wichtigste Aufgabe. Er diente als Platz für den Beobachtungsposten.

Das Erdgeschoss des Turmes beherbergte einen acht Meter tiefen Kerker, den sog. fondo della torre. Dieser Kerker war über ein Angstloch in der Decke zugänglich.

Als Angstloch wird ein enger Zugang zu einem darunter liegenden Raum bezeichnet.

Die Türme waren zum Zeitpunkt unserer Reise für Touristen zugänglich. Heute können nur noch der Rocca Guaita und der Rocca della Fratta von innen besichtigt werden.

Wenn du nach dieser Entdeckungsreise ins Mittelalter noch Zeit zur Verfügung hast oder sogar länger in San Marino bleibst, bietet sich noch ein Besuch in Borgo Maggiore an.

Am Fuße des Monto Titano befindet sich das nette Dörfchen. Obwohl es kein Problem ist, von San Marino in das Dorf zu laufen, gibt es mittlerweile eine Seilbahnverbindung zwischen Borgo Maggiore und dem Bergplateau. Hier begrüßen euch nette, verwinkelte Gassen und wenn ihr euch zufällig am Markttag vor Ort befindet, könnt ihr einen Bummel über den Markt machen.

Sicherlich hat San Marino viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Nach unserem Aufenthalt dort sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die ganze Stadt eine einzige Sehenswürdigkeit ist.

Mit großer Erwartung und Spannung auf die nächste Stadt Urbino setzten wir unsere Italienrundreise fort.

© 2022 by Travel-See-Xperience

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