Borobudur: Das größte buddhistische Heiligtum der Welt
Die majestätische Tempelanlage Borobudur, das größte buddhistische Heiligtum Südostasiens, erwartete uns am nächsten Tag. Wie eine steinerne Pyramide erhebt sich die Tempelanlage aus der tropischen Landschaft.
Candi Borobudur ist mit der Zeit gewachsen. Die zahllosen Stupas und Buddhafiguren, die sich über die terrassenförmige Struktur verteilen, scheinen von Generationen von Steinmetzen mit Hingabe und Geduld geschaffen worden zu sein. Fein gearbeitete Reliefs mit beeindruckender Detailtiefe stellen das Leben Buddhas dar. Doch Borobudur ist weit mehr als ein Tempel. Er ist ein steinernes Manifest buddhistischer Philosophie, ein Ort der Stille und Symbolik und natürlich ein architektonisches Meisterwerk.
Inhalt
Lage und Anreise zum Tempel
Wer von Yogyakarta aus startet, benötigt je nach Verkehr etwa eine Stunde bis zum Tempel. Schon unterwegs beginnt das Erlebnis: Die Straße schlängelt sich durch kleine Dörfer, vorbei an grünen Reisfeldern und Palmenhainen. Immer wieder tauchen am Horizont die Vulkane Merapi, Merbadu und Sumbing auf – eine dramatische Kulisse, die den Zauber der Region spürbar macht. Dann, ganz plötzlich, erhebt sich mitten in der fruchtbaren Ebene von Kedu die steinerne Silhouette des Tempels aus dem satten Grün. Die rund 40 Kilometer von der lebendigen Stadt zur stillen Spiritualität eines jahrhundertealten Heiligtums sind nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch voller Atmosphäre. Eins können wir dir garantieren: die Fahrt ist kurzweilig.
Entdeckungstour durch Geschichte und Architektur
Eingebettet in die sanften Hügel Zentraljavas erhebt sich das monumentale Bauwerk aus dunklem Stein, still und erhaben. Die Ruhe, die Borobudur ausstrahlt, bildet einen eindrucksvollen Kontrast zur lebendigen, tropischen Umgebung.
Seit 1991 gehört der Borobudur zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Heute besuchen viele Buddhisten den Borobudur-Tempel im Rahmen ihrer Pilgerreise. Du wirst bei einer Besichtigungstour erstaunt sein, wenn du auf die Massen grauen Vulkansteins blickst, aus denen er besteht.
Wir betraten, wie es auch die buddhistischen Pilger tun, die Tempelanlage von Osten und schritten die neun Terrassen im Uhrzeigersinn ab.
In den offenen Nischen oberhalb der Galeriegänge befinden sich in jeder Himmelsrichtung jeweils neun vollplastische Buddha-Statuen. Im Osten sitzt Akshoya, der die Erde als Zeugin anruft. Im Westen findet man Amitabha in Meditation versunken. Ratnasambhava erscheint im Süden und verkörpert Mitgefühl. Im Norden thront Amoghasiddha, der als Lehrer und Beschützer gilt.
Geschichte: Vergessen und wiederentdeckt
Die Tempelanlage blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück. Um das Jahr 780 ließ die damals herrschende Shailendra-Dynastie den Bau einer monumentalen Stufenpyramide anordnen. Sinn war, dass alle bisherigen Bauwerke überragt werden sollten. Zehntausende Zwangsarbeiter mussten hierfür eingesetzt werden. Die Bauzeit dauerte ungefähr 80 Jahre. Unser Guide erklärte uns, dass über zwei Millionen Steinquader verbaut worden sein sollen. Sie wurden ohne Mörtel stufenförmig aufgeschichtet. Wenn man bedenkt, wie einfach damalige Hilfsmittel waren, ist dies eine herausragende Leistung.
Die Nutzung des Tempels währte nur kurz. Bereits rund 100 Jahre nach seiner Errichtung, etwa um das Jahr 930, wurde er verlassen. Als möglicher Grund gilt ein Ausbruch des nahegelegenen Merapi-Vulkans, einer Naturgewalt, die das Leben in der Region immer wieder geprägt hat. Doch auch politische und religiöse Umbrüche spielten eine Rolle. Die Shailendra-Dynastie zerfiel. Der Islam begann auf Java zunehmend an Bedeutung zu gewinnen. All das dürfte dazu beigetragen haben, dass der Tempel schließlich aufgegeben wurde.
Der britische Gouverneur Sir Thomas Stamford Raffles hat den Tempel 1814 wiederentdeckt. Im 19. Jahrhundert begannen die ersten Restaurierungsarbeiten, allerdings wurde er erst im 20. Jahrhundert umfassend wieder hergestellt. Heute gilt Borobudur als eines der am besten erhaltenen buddhistischen Monumente weltweit.
Buddhas Weg in Bildern: Ein Blick auf die Reliefs
Auf der ersten Ebene entdeckten wir Steinreliefs der sogenannten untersten Sphäre: Kamadhatu. Dies ist die Sphäre der Wünsche und Weltlichkeit.
Wir waren schon sehr erstaunt über die Bauweise des Tempels und seine beeindruckende Entstehungsgeschichte. Doch die Reliefs sind noch einmal etwas ganz Besonderes. Mehr als 2.600 Tafeln schmücken die Wände und sind weit mehr als bloße Dekoration. In kunstvoll gemeißelten Bildern erzählen sie vom Leben Buddhas, seinen früheren Inkarnationen und den zentralen Lehren des Buddhismus.



Was für eine filigrane Arbeit! Die Darstellungen wirkten auf uns erstaunlich lebendig. Händler, Musiker, Könige, Tiere, Götter und auch Dämonen sind in fein erarbeiteten Szenen ausdrucksstark dargestellt. Neben religiösen Motiven geben die Reliefs auch faszinierende Einblicke in das alltägliche Leben des 9. Jahrhunderts. Nimm dir ruhig etwas Zeit und sieh dir die Szenen genau an. Es lohnt sich.
Die obere Ebene
Als wir die steinernen Terrassen des Borobudur-Tempels hinaufstiegen, veränderte sich nicht nur die Aussicht, sondern auch die Atmosphäre. Je höher wir kamen, desto stiller schien die Welt zu werden. Die kunstvollen Reliefs der unteren Stockwerke wichen hier einer fast meditativen Leere: keine Bilder, keine Geschichten. Nur runde Plattformen, steinerne Glockenstupas und ein unsagbares Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt: still, weit und irgendwie entrückt.
Die obere Ebene wird Arupadhatu genannt, was soviel wie “Welt der Formlosigkeit” bedeutet. Sie steht symbolisch für den letzten Schritt auf dem Weg zur Erleuchtung im buddhistischen Weltbild. Wir waren am spirituellen Höhepunkt des Tempels angekommen.
Insgesamt 72 kleine Stupas erheben sich auf der oberen Ebene des Tempels. Sie wirken wie steinerne Glocken, die durch ihre filigranen Öffnungen einen Blick auf die darin verborgenen Buddha-Statuen gewähren. Jede Figur thront still in ihrer Nische, mal in tiefer Meditation versunken, mal mit erhobener Hand. Die gleichmäßige Anordnung der Stupas verleiht der Plattform eine rhythmische Harmonie, die den Besucher in eine besondere Stimmung versetzt. Im Zentrum des Tempels befindet sich die größte Stupa: geschlossen, monumental und geheimnisvoll. Sie wirkt, als wolle sie das Unsichtbare bewahren.
Was uns besonders beeindruckt hat ist, dass trotz der vielen Besucher auf der obersten Ebene fast eine ehrfürchtige Ruhe herrschte.
Von der oberen Ebene aus eröffnet sich ein weiter Blick über die umliegenden Hügel. Der grüne Dschungel erstreckt sich bis zum Horizont. Während wir langsam zwischen den Stupas entlangschlenderten, ließen wir unsere Blicke schweifen. Bei klarer Sicht reicht der Blick sogar bis zum Vulkan Merapi. Häufig aber ragt seine markante Silhouette aus dem Dunst hervor, wie ein stiller Wächter über das Tal.
Sonnenuntergang über dem Candi Borobudur
Nach einem Tag voller Eindrücke, dem Staunen über die kunstvollen Reliefs und der stillen Magie dieses Ortes, standen wir auf der obersten Ebene des Borobudur-Tempels.
Die Sonne senkte sich langsam hinter die Hügel Javas, tauchte die uralten Stupas in warmes Licht und ließ die Welt für uns einen Moment lang stillstehen. Es war, als hätte sich alles auf diesen Augenblick konzentriert. Die Anfahrt, das frühe Aufstehen, das Laufen über die steinernen Gänge. Kein Mensch sprach, da war nur noch Licht, Ruhe und das Gefühl zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.
Für uns war der Sonnenuntergang über Borobudur kein Abschluss, sondern der Höhepunkt unserer Java-Reise. Wenn eine Besichtigung so endet, hast du alles richtig gemacht.
Candi Mendut
Der Borobudur-Tempel liegt in einem archäologischen Park. In der Nähe befindet sich ein weiteres Heiligtum. Es ist der Candi Mendut, den wir uns vorab angeschaut haben. Er liegt etwa drei Kilometer entfernt. Große Reliefs zieren den quadratischen Tempel. Der Candi Mendut ist ein Tempel, der im 9. Jahrhundert erbaut wurde und ist somit der älteste der drei Tempel, zu denen Pawon und Borobodur gehören.
Candi Mendut ist ein beliebter Startpunkt für Pilger auf dem Weg zum Candi Borobudur.
Als man den Candi Mendut 1836 entdeckte, lag er verborgen unter dichtem Buschwerk. Für die Archäologen eine geheimnisvolle Ruine, die offensichtlich von der Natur zurückerobert worden war. Die aufwendigen Restaurierungsarbeiten begannen und 1925 erstrahlte der Tempel wieder in seiner ursprünglichen Pracht.
Im Innenraum des Tempels wurden wir mit einer beeindruckenden Buddha-Statue überrascht. Der sitzende Buddha Vairocana thront auf einem gemeißelten Löwenthron. Die Atmosphäre war ruhig. Mit seiner typischen Handhaltung des “Dharma-Rades” lädt er die Besucher zur inneren Einkehr ein.
Diese drei Meter hohe Statue im Inneren ist etwas ganz Besonderes, da sie die älteste und größte Statue des historischen Buddha ist, die sich noch an ihrem ursprünglichen Standort auf Java befindet.
Unweit des Mendut-Tempels steht ein Bodhi-Baum, jene Pappelfeige, die im Buddhismus als Sinnbild der Erleuchtung gilt. Der Bodhi-Baum ist weit mehr als nur ein stattlicher Baum, der mit seinem ausladenden Blätterdach Schatten spendet. Vielmehr gilt er im Buddhismus als Symbol der Erleuchtung. Siddharta Gautama, der spätere Buddha, soll einst unter einem solchen Baum in Bodhgaya, Nordindien, Platz genommen haben, um zu meditieren. Er war fest entschlossen, nicht eher aufzustehen, bis er die Wahrheit über das Leben erkannt hatte. Nach Tagen tiefster Meditation gelangte er dort zur Erleuchtung. Seitdem steht der Bodhi-Baum für spirituelles Erwachen, Klarheit und inneren Frieden. Auch heute noch werden vor vielen buddhistischen Tempeln solche Bäume gepflanzt. Sie dienen als Erinnerung an diese entscheidenden Momente in der Geschichte des Buddhismus.
Zeremonien und Feiern
Wenn du deinen Besuch geschickt planst, erlebst du ein einzigartiges Highlight. Einmal im Jahr verwandelt sich der Borobudur-Tempel zum Vesak Day in einen magischen Ort spiritueller Feierlichkeit. Buddhisten aus aller Welt pilgern zu diesem bedeutenden Fest, um gemeinsam den Geburtstag Buddhas zu zelebrieren. Bei Einbruch der Dunkelheit steigen hunderte weiße Ballons mit flackernden Kerzen in den Nachthimmel.
Da sich das Fest nach dem vollmondbezogenen buddhistischen Mondkalender richtet, fällt es jedes Jahr auf einen anderen Tag. Dieser ist entweder im April oder im Mai.
Zwischen Juni und September verwandelt sich das Aksobya Theatre jeden ersten Samstag im Monat um 19.00 Uhr in eine Bühne voller Mythen, Musik und Bewegung. Die Mahakarya-Show vereint fast 200 Künstler, die klassischen javanischen Tanz mit modernen Musical-Elementen und kraftvollen Soundeffekten verschmelzen lassen. Verbunden mit einer Lightshow findet dieses kulturelle Spektakel unter freiem Himmel direkt am Fuße des Borobudur-Tempels statt.
Praktische Tipps
Vor einem Besuch des Candi Borobudur gibt es einige Dinge, die du unbedingt wissen und beachten solltest.
Besuchszeit
Der Tempel ist täglich von 6.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet.
Eintritt & Ticket
Die Eintrittskarte kostet für Touristen 450.000 IDR (etwa 24,00 Euro).
Mit einem speziellen Ticket öffnet sich Borobudur bereits vor Tagesanbruch, so dass man den Sonnenaufgang beobachten kann. Das Ticket kostet 500.000 IDR (ca. 30,00 Euro) pro Person.
Auch zum Sonnenuntergang ist ein Extra-Ticket erforderlich. Dieses kostet zwischen 500.000 und 600.000 IDR (ca. 30,00 – 35,00 Euro) und ermöglicht den Aufenthalt über die reguläre Schließungszeit hinaus.
Tipp: Bei fest gebuchten Rundreisen sind die Eintrittspreise oft inklusive.
Alle Preisangaben beziehen sich auf den Stand 2025. Änderungen durch Veranstalter oder Tempelverwaltung sind jederzeit möglich.
Gelände & Besichtigungszeit
Die Anlage ist beeindruckend und weitläufig. Der Tempel besteht aus mehreren Ebenen. Plane mindestens einen halben Tag ein. Wenn du viel und gerne fotografierst, berücksichtige dies und plane entsprechend mehr Zeit ein.
Kleidung & Verhalten
Borobudur ist ein heiliger Ort, der Shorts und Miniröcke nicht erlaubt. Es wird dezente und respektvolle Kleidung empfohlen. Wenn nötig, bekommen Besucher am Eingang einen Sarong, der über der Kleidung zu tragen ist.
Trage statt Flip-Flops feste Schuhe. Besonders beim Aufstieg über die steinernen Ebenen des Tempels sind sie deutlich angenehmer und sicherer.
Sonstiges
Falls du nicht mit deinem eigenen Guide unterwegs bist, lohnt es sich, einen vor Ort zu buchen. Die meisten sprechen Englisch.
Nimm unbedingt Sonnencreme, ausreichend Wasser und eine Kopfbedeckung mit, da es fast keinen Schatten gibt.
Candi Borobudur kurz und knackig
- “Candi” bezeichnet in Indonesien einen alten Tempel aus der hinduistischen oder buddhistischen Tradition.
- “Borobudur” ist der Name des monumentalen buddhistischen Tempels auf Java, der größte seiner Art weltweit.
- Erbaut im 9. Jahrhundert und dem Mahayana-Buddhismus gewidmet.
- UNESCO-Weltkulturerbe seit 1991
- Der Name “Borobudur” stammt vermutlich aus dem Sanskrit und bedeutet “Kloster/Tempel auf dem Hügel”.
So haben wir Candi Borobudur erlebt
Wer den Borobudur besichtigt, begegnet nicht nur einem Bauwerk, sondern einer Weltanschauung, die sich in Stein manifestiert hat. Die Komibination aus architektonischer Präzision, spiritueller Tiefe und landschaftlicher Schönheit hat uns nicht nur sehr beeindruckt sondern auch berührt. Ohne Zweifel gehört dieser Ort zu den eindrucksvollsten, die wir in Südostasien besichtigen und erleben durften.
Abschied von Java
Java hat uns wirklich sehr beeindruckt: kulturell, landschaftlich wie auch kulinarisch, wobei letzteres nicht immer ganz unser Fall war. Der Abschied fiel nicht leicht, doch die Neugier trieb uns weiter. Der Wunsch nach neuen Eindrücken war letztendlich stärker. Unser nächstes Ziel? Bali!
Merke dir Borobudur: Das größte buddhistische Heiligtum der Welt auf Pinterest:















One Comment
Silvia Commodore
Was für ein toller Reisebericht. Bali wird sicher genauso spannend. Danke 🙏