São Miguel: Die grüne Insel der Azoren

Nach unserem Aufenthalt auf Madeira ging es weiter auf die Azoren, genauer gesagt nach São Miguel, die größte Insel des Archipels und die erste Station unserer Reise. Schon beim Landeanflug wurde klar: hier ist alles etwas grüner, landschaftlich wilder und im Alltag dafür umso ruhiger.

Vulkankrater, dampfende Quellen und sattgrüne Hügel prägen das Bild der Insel, die nicht umsonst den Spitznamen “Ilha Verde” trägt. Das milde, feuchte Klima sorgt das ganze Jahr über für ein leuchtendes Grün. Eine Woche lang haben wir São Miguel erkundet und dabei immer wieder Orte entdeckt, die uns überrascht haben. Welche Eindrücke geblieben sind und was die Insel für uns so besonders gemacht hat, berichte ich euch heute.

Inhalt

Die Azoren: Lage, Geschichte und Anreise

Mitten im Atlantik, etwa auf halbem Weg zwischen Europa und Nordamerika, liegt ein kleiner Archipel, der zu Portugal gehört, sich aber wie eine eigene Welt anfühlt: die Azoren. Neun Inseln bilden die Gruppe, jede mit ihrem eigenen Charakter: von sanften grünen Hügeln über markante Vulkankrater bis zu rauen Küstenlandschaften.

Entdeckt wurden die Azoren im 15. Jahrhundert wahrscheinlich von portugiesischen Seefahrern wie Diogo de Silves und Dioge de Teive. Zunächst dienten die Inseln nur als Zwischenstation, bevor sich nach und nach kleine Siedlungen entwickelten. Die Lage mitten im Ozean machte die Inseln später zu einem wichtigen Punkt für Handel, Navigation und Transatlantikverbindungen. Spuren davon finden sich bis heute in alten Hafenorten, Kirchen und den typischen weißen Häusern mit dunklem Lavastein.

Am einfachsten erreicht man die Azoren per Flugzeug. Von Portugal, vor allem aus Lissabon und Porto, gibt es regelmäßige Direktflüge auf mehrere Inseln. Wer etwas mehr Flexibilität mag, kann die Inseln anschließend mit kurzen Inlandsflügen oder per Fähre miteinander verbinden.

Wetterkapriolen: Sonne, Regenschauer und Azorentief

Wer auf den Azoren Sonne tanken möchte, sollte wirklich sehr auf die Reisezeit achten. Das Wetter ist hier ein ständiger Begleiter und wechselt schneller, als man den Regenschirm aufspannen kann. Mal zeigt sich die Sonne, kurze darauf ziehen Wolken auf und plötzlich steht man im nächsten Schauer. Die Inseln sind für dieses Wechselspiel bekannt, was erklärt, dass das berühmte Azorentief seinen Namen nicht zufällig trägt. Gleichzeitig sorgt genau dieses Klima dafür, dass die Vegetation üppig wächst und die Landschaft in unzähligen Grüntönen leuchtet. Wir waren im November auf den Inseln, die Temperaturen waren etwas kühler und ohne Regenjacke ging es kaum! Die Bedingungen ändern sich rasch und mehrere Wechsel innerhalb eines Tages gehören hier einfach dazu.

Und auch das erlebten wir: Auf Faial traf uns ein Sturm, der fast an einen Hurrikan grenzte. Die ganze Geschichte erfährst du später im Beitrag über die Insel Faial.

Was du über São Miguel wissen solltest

Ponta Delgada, heute die lebendige Hauptstadt São Miguels, spielte schon früh eine zentrale Rolle in der Geschichte der Insel. Die eigentliche Entwicklung gewann an Fahrt, als die ersten Siedler begannen, die vulkanischen Böden landwirtschaftlich zu nutzen. Rasch wurde die Insel zu einem bedeutenden Zentrum der Landwirtschaft: Weizen, später Orangen und Tee prägten über lange Zeit die Wirtschaft. Besonders der Orangenhandel brachte der Insel im 18. und 19. Jahrhundert Wohlstand, bis Gomose, eine durch Pilze verursachte Krankheit, die Plantagen weitgehend zerstörte.

Auch der Walfang spielte eine Rolle, wie auf vielen Azoreninseln. Er war hart und gefährlich. Dennoch war er für viele Familien überlebenswichtig. Heute erinnert nur noch wenig daran, denn die Beobachtung von Walen und Delfinen hat den Walfang abgelöst.

Ein weiteres interessantes Kapitel der Geschichte von São Miguel ist die Auswanderung. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert verließen viele Bewohner ihre Heimat, um in Amerika oder Kanada bessere berufliche Chancen zu finden. Dies hat zur Folge, dass zahlreiche Familien heute noch Verbindungen in beide Richtungen haben.

Trotz all dieser historischen Veränderungen blieb die Insel immer ein Ort, an dem Natur und Alltag eng miteinander verbunden sind. Die vulkanische Aktivität ist bis heute sichtbar!

São Miguel entdecken: Unsere Highlights

Wenn du auf der Suche nach einem Reiseziel bist, das sowohl atemberaubende Natur als auch interessante Kultur bietet, dann ist São Miguel, die größte Insel der Azoren, genau das Richtige für dich. Diese grüne Oase im Atlantik hat alles: von schimmernden Kraterseen, die in den verrücktesten Farben leuchten, bis hin zu heißen Quellen, die dazu einladen, sich einfach mal zurückzulehnen und zu entspannen. Eine Kombination, die São Miguel zu einem erstaunlich vielseitigen Reiseziel macht.

Untergebracht waren wir mitten in Ponta Delgada im Hotel Talisman, perfekt gelegen für Streifzüge durch die Altstadt. Früher befand sich in dem Gebäude ein ehemaliges Herrenhaus, dessen Ursprünge bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen.

Das ehemalige Postgebäude an der Praça Vasco da Gama gehört zu den markanten Verwaltungsbauten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf São Miguel entstanden.

Azoren São Miguel - Historisches Gebäude mit weißer Fassade und charakteristischem Dach, umgeben von Palmen und einer Steinpflasterstraße.

Der Bau folgt dem für die Azoren typischen Wechsel aus hell verputzten Flächen und dunklem Basalt. Ursprünglich diente das Haus als Sitz der Postverwaltung; heute nutzt Portugal Telecom die Räume. Trotz der veränderten Nutzung ist die äußere Erscheinung weitgehend erhalten geblieben.

Vor dem ehemaligen Postgebäude befindet sich der Venus-Brunnen, offiziell Fontanário Arrabio. Entworfen wurde er 1853 vom französischen Bildhauer Hubert Lavigne, der für seine dekorativen Arbeiten im öffentlichen Raum bekannt war. Der Brunnen ist mit vier Figuren ausgestattet, die Wasser aus Hörnern zu blasen scheinen. Feine Ornamente ziehen sich bis zum Übergang zur Spitze, auf der eine weibliche Figur befestigt wurde, die dem Brunnen seinen volkstümlichen Namen “Venus-Brunnen” eingebracht hat.

Azoren São Miguel - Brunnen mit Statue einer Frau an der Spitze, umgeben von Wasserspielen und Skulpturen, im Vordergrund eine grüne Wiese und im Hintergrund ein historisches Gebäude.
Der Fontanário Arrabio ist eine historische Sehenswürdigkeit

Die gesamte Gestaltung entspricht dem klassizistischen Stil, in dem es üblich war, antike Gottheiten als dekorative Elemente einzusetzen. Auch wenn der Brunnen im offiziellen Sprachgebrauch als Fontanária Arrabio oder gelegentlich als Chafariz “Vasque ou château d’eau” geführt wird, hat sich die Bezeichnung Venus-Brunnen im Alltag durchgesetzt.

Die Portas da Cidade (Stadttore) gehören zu den bekanntesten Bauwerken im Zentrum von Ponta Delgada. Die drei Bögen stammen aus dem 18. Jahrhundert und markieren bis heute den historischen Zugang zur Stadt. Ursprünglich standen sie näher am Hafen und dienten als symbolisches Eingangstor für Reisende, die über den Seeweg ankamen.

1948 wurden sie auf die Praça de Gonçalo Velho Cabral versetzt. Die mittlere Arkade trägt sowohl das königliche Wappen als auch das Stadtwappen, ein Hinweis auf die Bedeutung, die Ponta Delgada in jener Zeit für die Azoren hatte. Wie auf den Azoren üblich, ist der Platz mit dem typischen schwarz-weißen Mosaikpflaster gestaltet, das man in vielen portugiesischen Städte findet.

Azoren São Miguel - Blick auf einen historischen Platz mit einem Glockenturm im Hintergrund und gotischen Bögen im Vordergrund, unter einem klaren Himmel.
Die Stadttore bilden zusammen mit der Kirche ein schönes historisches Ensemble

Direkt hinter den Toren erhebt sich die Igreja Matriz de São Sebastião, die Hauptkirche der Stadt. Ihr Bau begann 1533 und im Laufe der Jahrhunderte kamen verschiedene architektonische Elemente hinzu, so dass sich heute ein vielschichtiges Gesamtbild ergibt. Charakteristisch ist der Glockenturm mit seiner Uhr, der sich deutlich vom übrigen Gebäude absetzt und als Orientierungspunkt im Stadtbild dient. Die Kirche verbindet frühe Elemente aus der Zeit der Entstehung mit späteren Ergänzungen, die den Stilwandel der Azoren vom 16. bis zum 19. Jahrhundert widerspiegeln.

Im Inneren der Kirche zeigt sich die lange Baugeschichte deutlicher als an der Fassade. Obwohl wir schon viele Kirche besichtigt haben, hat uns der erste Eindruck hier überrascht. Besonders imposant ist der Hochaltar, dessen fein gearbeitete Holzschnitzereien und Vergoldungen an die barocken Erweiterungen des 17. und 18. Jahrhunderts erinnern.

Azoren São Miguel - Blick auf den Altar einer Kirche mit einer Statue in der Mitte, umgeben von Kerzen und kunstvollen Verzierungen.

Seitenschiffe und Kapellen zeigen unterschiedliche Ausstattungsphasen. Ältere Elemente aus der Frühzeit der Kirche stehen neben späteren Altären, die im Laufe der Jahrhunderte hinzugefügt wurden.

In unmittelbarer Nähe der beeindruckenden Igreja Matriz de São Sebastão befindet sich das Rathaus von Ponta Delgada, das Câmara Municipal. Beide markanten Gebäude gehören zum Stadtteil São Sebastão und bilden zusammen einen der historischen Schwerpunkte des Stadtzentrums von Ponta Delgada.

Das Rathaus, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde, ist ein hervorragendes Beispiel für die barocke Architektur jener Zeit. Es zeichnet sich durch seine eleganten Proportionen und die feinen Details aus, die in der Fassade zu finden sind. Besonders auffällig ist der Glockenturm auf der rechten Seite des Gebäudes. Mit seiner klaren Silhouette und der integrierten Uhr fungiert er als markanter Orientierungspunkt im Stadtbild und ist von vielen Stellen der Stadt aus sichtbar.

Azoren São Miguel - Ansicht des Rathauses mit einer Statue auf dem Platz, umgeben von Blumen und Laternen.
Das Rathaus von Ponta Delgada: Ein Musterbeispiel barocker Architektur

Vor der breiten, symmetrisch angelegten Doppeltreppe des Rathauses steht eine eindrucksvolle Statue des Erzengels Michael, der als Schutzpatron der Insel São Miguel verehrt wird. Die Doppeltreppe selbst ist architektonisch ansprechend gestaltet und lädt Besucher dazu ein, die Pracht des Rathauses und die Umgebung zu genießen.

Das Kloster in Ponta Delgada geht auf den Orden der Augustiner-Eremiten (Ordem de Santo Agostinho) zurück. Die Anlage entstand im späten 16. Jahrhundert und wird häufig mit der Einführung des Kultes der Bruderschaft der Santa e Vera Crus im Jahr 1586 in Verbindung gebracht, die sich im Umfeld des Augustinerordens etablierte.

Nach der Säkularisierung erhielt das Gebäude eine neue Rolle im öffentlichen Leben der Stadt. Es beherbergte zunächst das Liceu de Ponta Delgada (Gymnasium), das über viele Jahre als zentrale höhere Bildungseinrichtung der Insel fungierte. Später zog die Academia das Artes ein, wodurch der ehemalige Klosterkomplex erneut eine kulturelle Funktion übernahm und zu einem wichtigen Ort für künstlerische Ausbildung wurde.

Azoren São Miguel - Eine historische Fassade mit einer Statue auf einer Treppe, umgeben von Bäumen und einem klaren blauen Himmel.
Convento e Igreja da Graça in Ponta Delgada

Das Ensemble steht heute unter Denkmalschutz und gehört zu den Orten, die man beim Bummel durch Ponta Delgada fast automatisch ansteuert. Auf der Treppe vor dem Eingang begegnet man der Bronzebüste von Luís de Camões, ein kleiner, aber schöner Hinweis darauf, dass der Platz nach dem berühmten portugiesischen Dichter benannt wurde.

Azoren São Miguel - Eine Außenansicht eines Gebäudes mit weißer Fassade, Fenstern mit dunklen Rahmen und einer gemischten Pflanzfläche im Vordergrund. Auf der Wand ist eine große Statue einer stehenden Figur zu sehen.
Der Innenhof des Klosters in Ponta Delgada

Der Innenhof des ehemaligen Augustinerklosters strahlt jene stille Würde aus, die alten Mauern oft zu eigen ist. Weiß getünchte Wände mit dunklem Naturstein, ein gepflegter Garten und das Relief einer stehenden Figur verleihen dem Ort eine fast meditative Ruhe. Bei der Besichtigung spürt man, wie viel geistliche Vergangenheit hier noch mitschwingt.

Beim Bummel durch Ponta Delgada fällt das Forte de São Brás sofort ins Auge. Die massiven Mauern stehen direkt am Hafen und bergen viel mehr Geschichte, als man auf den ersten Blick vermutet. Die Festung stammt aus dem 16. Jahrhundert und es ist gut vorstellbar, wie hier früher Wachen standen und die Küste im Blick behielten. Immer bereit, Piraten oder feindliche Schiffe abzuwehren.

Auf uns wirkte die Anlage wie eine Mischung aus historischem Denkmal und lebendigem Ort. Seit 1999 befindet sich in den Räumen ein Militärmuseum mit alten Uniformen, Ausrüstungen bis hin zu kleinen Alltagsgeschichten, die man sonst wahrscheinlich nirgendwo sonst erfährt.

Azoren São Miguel - Blick auf die historische Festung in Ponta Delgada mit Wasser im Vordergrund und bewölktem Himmel.
Das Forte de São Brás in Ponta Delgada erhebt sich majestätisch am Hafen

Interessant ist, dass auch heute noch ein Teil der Festung vom Militär genutzt wird, wodurch die Anlage eine ganz besondere Atmosphäre bekommt. Wenn du dir ein wenig Zeit nimmst, kannst du nicht nur die Ausstellungen bewundern, sondern auch die Ausblicke über den Hafen genießen. Das Zusammenspiel aus Meer, Stadt und Festung macht diesen Ort zu einem lohnenden Stopp.

Wenn man Ponta Delgada verlässt und der Südküste São Miguels folgt, öffnet sich die Landschaft in eine unendliche Weite. Die Straße führt vorbei an Feldern und kleinen Orten, begleitet vom Blick auf den Atlantik. Ungefähr nach 25 Kilometern erreichten wir Vila Franca do Campo, ein Ort der heute eher ruhig wirkt. Allerdings trägt er eine besondere Rolle in der Geschichte der Insel, denn er war einst die erste Hauptstadt São Miguels. Erst nach einem schweren Erdbeben 1522 wurde das politische Zentrum nach Ponta Delgada verlagert.

Spuren dieser frühen Bedeutung sind heute noch in den Kirchen und alten Straßenzügen zu finden. Wir besichtigten hier die Hauptkirche (Igreja Matriz), die im Inneren mit einer unerwarteten Schönheit überrascht.

Die Kirche, dem Erzengel Michael gewidmet, gehört zu den ältesten Sakralbauten des gesamten Azoren-Archipels. Ihre Wurzeln reichen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück. Nach der schweren Zerstörung durch das Erdbeben (1522) wurde sie wieder aufgebaut.

Azoren São Miguel - Eine alte Kirche mit einem Glockenturm, umgeben von Bäumen und Pflanzen, unter einem blauen Himmel mit Wolken.
Die Igreja de São Miguel Arcanjo ist eine der ältesten Kirchen des Azoren-Archipels

Bis heute bewahrt die Kirche ein eindrucksvolles gotisches Portal, das den historischen Charakter des Gebäudes unmittelbar spürbar macht.

Azoren São Miguel  - Eine steinerne Wand mit einem kleinen Fenster, das teilweise sichtbar ist. Eine Einschussstelle ist in den Steinen zu sehen, darunter steht die Jahreszahl '1624'.

An der Fassade entdeckten wir ein Detail, das leicht übersehen werden kann und doch unmittelbar in die Vergangenheit führt: ein Teil eines Geschosses.

Tief im Mauerwerk steckend, soll es nach einem Piratenangriff im Jahr 1624 dort “gelandet” sein. Dieses unscheinbare Fragment wirkt wie ein eingefrorener Moment der Gewalt, ein Splitter jener unruhigen Zeit, in der die Azoren immer wieder zum Schauplatz fremder Übergriffe wurden. Ähnliches haben wir auch in Rheda-Wiedenbrück gesehen.

Im Inneren entfaltet sich ein dreischiffiger Raum, der mit seiner Fülle an Details sofort die Besucher fesselt. Vergoldete Schnitzereien, barocke Altäre und farbenfrohe Azulejo-Fliesen treten nicht gegeneinander an, sondern bilden ein harmonisches Ensemble, das den Blick immer wieder neu einfängt. Wer sich ein paar Minuten Zeit nimmt, kann in den Schnitzereien und Fliesen kleine Geschichten entdecken.

Diese Pracht erzählt von einer Phase, in der Vila Franca do Campo reich und selbstbewusst war, bevor die Naturkatastrophen des 16. Jahrhunderts vieles veränderten.

Adresse: Rua da Igreja, 9680-000 Vila Franca do Campo (Azoren)

Hinweis: In einigen Quellen wird auch Rua Teófilo Braga 81 genannt; beide Adressen beziehen sich auf dasselbe Gebäude.

Die kleine, unbewohnte Insel, liegt etwa 1,5 Kilometer vor der Küste von Vila Franca do Campo. Sie ist ein Überbleibsel eines längst erloschenen Vulkans und genau das macht sie so besonders. In ihrer Mitte liegt eine geschützte Lagune, die durch eine schmale Öffnung vom Atlantik gespeist wird. Das Wasser ist ruhig, klar und ideal zum Schwimmen oder Schnorcheln.

Die Insel steht unter Naturschutz, weshalb sie nur in den Sommermonaten und ausschließlich per Boot erreichbar ist. Auch ist die Besucherzahl begrenzt, um Flora und Fauna zu schützen.

Azoren São Miguel - Blick auf das ruhige Meer mit einer kleinen Insel im Hintergrund und Felsen im Vordergrund, umgeben von grünen Bäumen und einem historischen Mauerwerk.
Blick auf die unbewohnte Ilhéu de Vila Franca do Campo vor der Küste von São Miguel

Historisch gesehen spielte die kleine Insel früher eine überraschend wichtige Rolle. Für die Seefahrer früherer Zeiten war die Insel ein gut sichtbarer Orientierungspunkt. Gleichzeitig bot sie einen geschützten Platz, an dem man kurz ankern oder sich neu orientieren konnte.

Die Caldera von Sete Cidades gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften auf São Miguel. Der Name bedeutet zwar “Sieben Städte”, gemeint ist aber das gesamte Kratergebiet im Westen der Insel – eine weitläufige, grüne Senke vulkanischen Ursprungs, in der sich ein kleines Dorf, Weideflächen und zwei unterschiedlich gefärbte Seen verteilen.

Vom Aussichtspunkt Vista do Rei öffnet sich der Blick auf die Lagoa Verde und die Lagoa Azul, zwei Kraterseen, die nur durch einen schmalen Damm voneinander getrennt sind und je nach Wetter dennoch unterschiedliche Farbstimmungen zeigen. Während unseres Aufenthalts war hiervon leider nicht so viel zu sehen.

Azoren São Miguel - Landschaftsansicht über einen See mit umgebenden Bergen und einem kleinen Dorf im Hintergrund.
Im Vordergrund die Lagoa Verde, dahinter die Lagoa Azul

Dass die Inselbewohner dazu eine Legende erzählen, passt zu dieser Kulisse: Eine Prinzessin mit blauen Augen und ein Hirte mit grünen Augen mussten sich trennen. Ihre Tränen sollen die beiden Seen geschaffen haben. Ob man die Geschichte nun glaubt oder nicht, der Blick in den Krater bleibt dennoch eindrucksvoll.


Warum heißt es "die Lagoa"?
Lagoa ist das portugiesische Wort für "Lagune" oder "See" und es ist weiblich. Deshalb sagt man die Lagoa Verde und die Lagoa Azul.

Die Lagoa de Santiago liegt nur wenige Minuten von Sete Cidades entfernt und fühlt sich trotzdem an wie ein Ort, den man leicht übersehen könnte. Genau das macht ihn so besonders! Während die großen Seen in jedem Reiseführer stehen, liegt dieser kleinere Krater fast im Verborgenen. Als wir am Rand standen und in diese nahezu perfekte Rundung hinabblickten, waren wir sofort gefesselt. Die steilen, dicht bewachsenen Hänge fallen so abrupt zum Wasser ab, dass uns für einen Moment der Atem stockte.

Entstanden ist dieser Krater vor mehreren Jahrtausenden, als sich innerhalb der großen Sete-Cidades-Caldera ein weiterer Einsturz bildete – sozusagen ein weiterer Krater im Krater.

Azoren São Miguel - Eine ruhige Landschaft mit einem See, umgeben von bewaldeten Bergen und sanften Hügeln unter einem bewölkten Himmel.
Lagoa de Santiago

Um zur Lagoa de Santiago zu gelangen muss man ein wenig wandern. Am besten startet man am Miradouro da Lagoa de Santiago. Von dort führt ein kurzer, aber stimmungsvoller Weg am Kraterrand entlang. Stellenweise ist der Weg steinig und uneben, was ihn besonders reizvoll macht. Festes Schuhwerk ist hier Pflicht!

Oben angekommen wird man mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Wir schauten in eine tiefe Schale, die trotz ihrer abgeschiedenen Lage durch das satte Grün erstaunlich lebendig wirkte.

An São Miguels Westküste richtet sich der Blick fast automatisch auf die Felseninseln vor Mosteiros. Ein breiter, karger Block, daneben steil aufragende Spitzen. Wie Überreste einer Landschaft stehen die Fragmente im Wasser und genau das sind sie auch. Die Felsformationen gehen auf alte vulkanische Strukturen zurück, die im Laufe von Zehntausenden von Jahren durch Wind, Wellen und dem ständigen Druck des Atlantiks freigelegt wurden. Was wir hier zu sehen bekamen, war einst Teil eines zusammenhängenden Vulkankörpers. Durch die Brandung des Atlantiks wurde Schicht für Schicht abgetragen, bis nur noch diese einzelnen Steinsäulen blieben.

Azoren São Miguel - Blick auf das Meer mit mehreren Felsen im Wasser und einer grünen Landschaft im Vordergrund.
Kantig ragen die Felsformationen aus dem Wasser

Mosteiros ist relativ leicht zu erreichen, da es nur eine kurze Fahrt von der Hauptstadt Ponta Delgada entfernt ist. In der Nähe des Strandes befinden sich Parkmöglichkeiten. Obwohl der Strand häufig gut besucht ist, herrscht hier nicht die überlaufene Atmosphäre anderer touristischer Strände auf São Miguel. Einige lokale Restaurants und Cafés locken mit frischen Meeresfrüchten und traditioneller Küche.

Furnas wirkt auf den ersten Blick wie ein ruhiges, grünes Dorf irgendwo im Osten von São Miguel, überrascht aber mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Die Häuser schmiegen sich in eine weite Senke, ringsum steigen die Hänge der Caldera auf. Furnas hat zudem eine lange Kurtradition. Bereits im 19. Jahrhundert kamen Besucher wegen der mineralhaltigen Quellen hierher.

Azoren São Miguel - Panoramablick auf eine malerische Landschaft mit einem See, umgeben von Bäumen und Bergen. Im Hintergrund befindet sich eine Kirche mit einem markanten Turm und mehrere Gebäude in traditionellem Stil.
Blick auf Furnas mit der Kirche

Im Zentrum steht die Igreja de Santa Ana, eine helle, schlichte Kirche, die dem Dorf einen ruhigen Mittelpunkt gibt. Rundherum liegen kleine Cafés, ein paar Läden und die typischen Wohnhäuser mit ihren gepflegten Vorgärten.

Nach einer kurzen Stadtbesichtigung ging es zum Einchecken ins Hotel. Das frühere Herrenhaus Parque Terra Nostra wurde im 18. Jahrhundert als privater Rückzugsort von Thomas Hickling, einem wohlhabenden Kaufmann aus Bosten, errichtet.

Mit der Zeit wurde aus dem privaten Anwesen ein Hotel, wobei darauf geachtet wurde, dass der ursprüngliche Charakter erhalten blieb. Innen trifft man auf breite Treppen, hohe Räume und Salons, die modernisiert wurden, ohne die historische Anmutung zu verlieren.

Azoren São Miguel - Ein malerisches Herrenhaus am Ufer eines ruhigen Gewässers, umgeben von Bäumen und grünem Gras.
Eine malerische Ansicht eines seichten Teichs, umgeben von hohen Bäumen und grünem Laub. Der Himmel ist blau mit einigen Wolken.

Das Schönste daran ist die Verbindung zu den historischen Gartenanlagen, die einst als privates Refugium angelegt wurden und sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der bekanntesten botanischen Gärten der Azoren entwickelt haben.

Noch heute zeigt sich dieser Ursprung in der Art, wie das Gelände gestaltet ist: großzügig, sorgfältig komponiert und zugleich so offen, dass man sich mühelos in seinem eigenen Rhythmus durch die Wege treiben lassen kann.

Die Caldeiras das Furnas liegen im Osten von São Miguel, eingebettet in das Tal von Furnas. Mit dem Auto benötigt man ungefähr vierzig Minuten von Ponta Delgada. Wenn du hier ankommst, stehst du mitten in einem der aktivsten geothermischen Gebiete der Insel.

Ein feiner Schwefelgeruch hing in der Luft und zwischen den Fumarolen stieg mächtig Dampf auf und überall blubberte es aus kleinen Schlammtöpfen. Der Boden unter uns fühlte sich an manchen Stellen fast wie eine Fußbodenheizung an. Der Gang durch diese Landschaft war ein Abenteuer, denn gleichzeitig wirkte sie friedlich und unberechenbar.

Insgesamt befinden sich hier 22 verschiedene Schwefel- und Thermalquellen. Das kochende Wasser tritt teilweise mit 98 Grad aus dem Boden!

Sehenswert sind die Caldeiras das Furnas aus mehreren Gründen. Zum einen erlebt man hier Vulkanismus aus nächster Nähe. Zum anderen ist das Zusammenspiel mit dem Alltag der Menschen interessant. In der Nähe, in den Kochlöchern am Seeufer des Lagoa das Furnas, werden traditionelle Gerichte wie der Cozido in Erdlöchern gegart, die von der natürlichen Erdwärme beheizt werden. Wir konnten es uns nicht vorstellen, aber es hat gut geschmeckt.

Von den heißen Quellen ging es weiter zum Lagoa das Furnas, wo wir den Tag ausklingen ließen. Der See liegt in einer großen Caldera des Vulkans von Furnas und auch hier zeigte sich, wie lebendig der Untergrund noch immer ist. An vielen Stellen stiegen warme Dämpfe auf und erinnerten daran, dass die vulkanische Geschichte der Insel keineswegs abgeschlossen ist.

Am nächsten Tag stand noch ein kurzer Abstecher zu einer Teeplantage auf dem Plan – ein ruhiger Kontrast zu den gewonnenen Eindrücken der vergangenen Tage. Danach hieß es Abschied nehmen von São Miguel. Unser nächstes Ziel: die Insel Pico, bekannt für ihren markanten Vulkan, dunkle Lavaküsten und eine ganz eigene, rauere Atmosphäre.


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