Meteora – Die schwebenden Klöster

Die Meteora-Klöster (Μετέωρα), die sich östlich des Pindos-Gebirges befinden, waren für uns das Highlight unserer Griechenland-Rundreise. Als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ziehen sie die Besucher an wie ein Magnet.

Schon die Anfahrt zu den Meteora-Felsen war faszinierend. Diese gewaltigen Felsen sind ein reines Naturwunder.

Blick in die thessalische Ebene

Der Name Meteora entstand von dem Wort „meteorizo“ und bedeutet so viel wie „in die Höhe heben“. Und dies beschreibt die Situation der Klöster exakt. Auf gewaltigen Sandsteinfelsen erbaut wirken sie tatsächlich im Nebel, als würden sie schweben.

Insgesamt 24 Klosteranlagen befinden sich auf diesen wuchtigen Felsen. Allerdings sind nur noch wenige von Mönchen und Nonnen bewohnt. Die dort lebenden Mönche sind sehr aufgeschlossen und öffnen gerne ihre Tore für Besucher. Zu beachten bei solch einem Klosterbesuch ist allerdings auch die Kleidung. So dürfen Männer die Klosteranlagen nicht in kurzen Hosen aufsuchen. Frauen müssen die Schultern und Knie bedeckt halten, wobei zu beachten ist, dass Frauen statt Hosen Kleider oder Röcke tragen sollten. Wenn eine Frau dennoch eine lange Hose trägt, bekommt sie ein Tuch, das sie sich um die Hüfte binden muss. Festes Schuhwerk ist darüber hinaus eine Selbstverständlichkeit.

Wir haben all diese Informationen bereits am Abend vor der Besichtigung der Klöster von unserem Reiseführer Sachos erhalten, so dass wir uns darauf einstellen konnten und nicht Gefahr liefen, abgewiesen zu werden. Dies ist im Übrigen einem allein reisenden jungen Mann passiert, der sich das Kloster in Shorts und Unterhemd anschauen wollte. Ihm wurde der Eintritt verweigert.

In der kleinen Stadt namens Kalambaka machten wir unseren Stopp. Die unsagbaren hohen bizarren Steinsäulen ragen hinter der Stadt hoch in den Himmel, sie wirken fast schon erdrückend.

Blick auf Kalambaka

Kalambaka

Die Stadt befindet sich in der thessalischen Ebene unterhalb der Meteora-Felsen und deren Klöster. Errichtet wurde sie auf den Überresten der antiken Stadt Aiginion.

Die Menschen begegneten uns mit großer Gastfreundschaft. Wie in vielen griechischen Städten gibt es auch hier zahlreiche nett gestaltete Plätze, die zum Verweilen einladen. Die Hauptstraße wird von vielen Tavernen und Cafés gesäumt, da wegen der berühmten Meteora-Felsen jedes Jahr zahlreiche Touristen Kalambaka besuchen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt von den Deutschen fast vollständig zerstört. Nachdem sie wieder aufgebaut wurde, war sie nicht nur größer sondern auch moderner.

Die Stadt ist heute größer und moderner

Kalambaka wird nicht nur von vielen Tagestouristen, die an den Klöstern interessiert sind besucht. Auch zahlreiche Kletterer suchen diese grandiose Felslandschaft auf, da die Meteora-Felsen ein beliebtes Kletterziel sind.

Obwohl die Stadt von so vielen Touristen aufgesucht wird, ist das Leben in ihr doch sehr beschaulich.

Von hier aus sollte nun unsere Tour starten.

Wir waren zunächst etwas verwundert darüber, dass die Mönche ihre Klöster so weit oben auf den Gipfeln der Felsen errichtet haben. Sachos erklärte uns, dass bereits im Mittelalter die Mönche auf den Gipfeln ihre Klöster erbauten. Sie versprachen sich dadurch mehr Nähe zu Gott zu haben. Letztendlich diente es aber auch dazu, Räuber und Plünderer fern zu halten, da die Wege zu den Klöstern nicht gerade bequem und leicht waren.

Kloster Metarmorphosis

Das Kloster Metarmorphosis hat offensichtlich mehrere Namen, so wird es häufig auch als Kloster Megalo Meteoro bezeichnet. Es ist mit einer Fläche von fast 60.000 m2 das größte der Klöster und liegt in einer Höhe von 612 Metern. Zum Zeitpunkt unserer Reise war es noch von Mönchen bewohnt.

Ein Grund, warum es auch Kloster Megalo Meteoro genannt wird, liegt darin begründet, dass ihm der Name von seinem Gründer, dem Mönch Athanasios gegeben wurde. Meteoro bedeutet „der Schwebende“, was zugleich auch wieder erklärt, warum oft von den schwebenden Klöstern gesprochen wird.

Das Kloster befindet sich auf dem Platýlithos-Plateau, was soviel wie breiter Stein bedeutet. Bei unserem Rundgang erklärt uns unser Reiseleiter, dass das Kloster früher nur über Leitern zu erreichen war. Kaum vorstellbar, wie man dort Materialien und Nahrung heraufgeschafft hat. Die heute hier befindlichen Wege wurden erst sehr viel später angelegt. Dadurch wird den Touristen der Aufstieg leichter gemacht.

Rechts ist der Seilzug für Lasten zu sehen

Wir hatten das Glück, „nur“ 143 Stufen heraufsteigen zu müssen. Schon allein hierfür hat sich das Tragen des festen Schuhwerkes gelohnt. Oben angekommen durchquerten wir einen Tunnel, um sodann in den Gebäudekomplex zu gelangen.

Wir begaben uns auf einen ausgedehnten Rundgang. Zu besichtigen sind neben dem Speisesaal der Mönche, die Küche, der Weinkeller und die Hauptkirche.

In der Hauptkirche (Katholikon) sind Fresken aus dem Jahr 1552 erhalten geblieben. Die Wände der Kirche sind fast vollständig ausgemalt.

Oben in der Kuppel ist eine Freske aus dem 16. Jhd. zu sehen, die Christus als Pantokrator darstellt, der über alles herrscht.

Christus als Pantokrator

Eine wunderschöne Stickerei, das Epitaphios, zeigt Christus, umgeben von engelhaften Kräften. Es besteht aus Seiden-, Silber- und Goldfäden.

Ein Epitaphios ist eine liturgische Decke, die in der Regel aus roter Seide besteht und die eine Form einer Ikone der Totenklage darstellt.

Epitaphios-Stickerei

Die Inschrift, die sich am Rand der Stickerei befindet lautet in der Regel: „Der edle Joseph nahm ab vom Kreuzesholz Deinen allreinen Leib, hüllte ihn in reines Linnen, bedeckte ihn mit wohlriechenden Kräutern und legte ihn in ein neues Grab.“

Der Epitaphios stellt symbolisch das Grabtuch Christi dar.

Von hier aus ging unsere Wanderung weiter durch die sagenhafte Felsenlandschaft und es gab noch zahlreiche interessante Dinge zu sehen. So entdeckten wir in den Felsen eine Höhle, die mit bunten Fähnchen ausgestattet war.

Pilgerhöhle

Wir erfuhren, dass es sich um eine Pilgerhöhle handeln würde. Waren wir jetzt tatsächlich auf einem Pilgerweg unterwegs? Es schien so, allerdings war der Weg sehr malerisch und führte uns durch verschiedene Wälder hindurch und oben auf den Felsen nahmen wir immer wieder das ein oder andere Fotomotiv wahr.

Der Weg wurde etwas karger und unwegsamer. Die blanken Felsen ragten in die Höhe und wirkten auf uns schon sehr bedrohlich.

Nachdem dann noch einige Greifvögel über uns kreisten, erkundigte ich mich vorsichtshalber bei unserem Reiseleiter, ob dies wirklich der richtige Weg zum nächsten Kloster sei. Zumindest er war davon überzeugt, dass wir die richtige Richtung eingeschlagen hatten.

Bald erreichten wir auch wieder den Wald und plötzlich tauchte das nächste Kloster vor uns auf. Wir waren gespannt, was uns dort erwarten würde. Nun waren es nur noch ein paar Minuten bis zum …

Nonnenkloster Agios Stefanos

Das Kloster Agios Stefanos befindet sich am Ende der Meteora-Felsen in südöstlicher Richtung und ziemlich genau über der Stadt Kalambaka. Wir hatten uns schon darauf eingestellt, erneut zahlreiche Stufen heraufsteigen zu müssen. Dies blieb uns erspart, denn es ist das einzige Kloster, dass ohne mühevolles Erklimmen von Treppen besucht werden kann. Lediglich eine kleine Brücke musste überquert werden.

Gegründet wurde das Kloster 1312, allerdings soll der Felsen bereits viel früher besiedelt worden sein. Dies entnahm man einer Inschrift, die bis zum Jahr 1927 erhalten bleiben konnte. Danach war der Felsen bereits im Jahr 1192 besiedelt.

Zunächst lebten im Kloster Agios Stefanos Mönche bis es 1960 fast komplett verlassen war. Erst 1961 wurde es zum reinen Frauenkloster. Zum Zeitpunkt unserer Reise war das Kloster ebenfalls noch bewohnt.

Von der Plattform aus hatten wir eine grandiose Sicht sowohl auf die Felsen als auch auf die sich unterhalb der Felsen ausbreitende Stadt.

Während des 2. Weltkrieges wurde das Kloster von den deutschen Truppen zerstört. Dies deshalb, da sie vermuteten, dass sich griechische Widerstandskämpfer in ihm versteckt hätten. Bei dieser Zerstörung wurden zahlreiche wertvolle Fresken stark beschädigt.

Die Hauptkirche wurde im 19. Jahrhundert von Mönch Ambrosios erbaut. Sie ist mit schönen Wandmalereien verziert.

Darüber hinaus hat das Kloster ein Museum, in dem kirchliche Gegenstände ausgestellt sind.

Kloster Roussanou

Auch das Kloster Roussanou ist ein Nonnenkloster. Es befindet sich zwischen den Klöstern Agiou Nikolaou und Varlaam. Bei dem Anblick blieb uns schier der Atem weg. Die Felsenspitzen, auf denen die Klöster erbaut wurden, scheinen immer schmaler zu werden. Dieses befindet sich auf einer grandiosen Säule.

Früher war auch dieses Kloster nur über Strickleitern erreichbar, wir mussten über Steinstufen und Brücken heraufklettern.

Im Gegensatz zu dem größten Kloster, dem Kloster Metamorphosis, stellt sich dieses Kloster als ein sehr kleines Kloster dar. Das mittlerweile reine Nonnenkloster wurde zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert für Mönche erbaut.

Jedoch hat das Kloster auch seine negative Geschichte. Ungefähr ab dem 1940 ließ man es für eine sehr lange Zeit unbewohnt, da es mehrfach Überfällen zum Opfer fiel und ausgeplündert wurde.

Im Hintergrund ist das Kloster Agios Nikolaos zu sehen

Das Kloster ist ein dreistöckiges Gebäude. Im Erdgeschoss befinden sich neben den Empfangsräumen die Zellen.

Unsere Tour durch die Meteora-Felsen schien kein Ende zu nehmen, es gab so viel zu sehen.

Die Meteora-Felsen als Filmkulisse

Die Meteora-Felsen sind nicht nur wegen ihrer Klöster bekannt und berühmt. So erfuhren wir, dass der Felsen, auf dem das imposante Kloster Agia Triada erbaut wurde, wohl der bekannteste ist. Obwohl die Mönche sich so gut es ging dagegen wehrten, nutzte man diesen als Filmkulisse und Drehort für den James Bond-Film „In tödlicher Mission“.

Kloster Agia Triada

Über in die Felsen gehauene Stufen ist das Kloster zu erreichen. Der Aufstieg zu diesem Kloster dauert etwas länger und erfordert auch mehr Kondition. Dafür ist man, erst einmal oben angelangt, bei der Besichtigung fast alleine.

Nicht nur James Bond besuchte zu Dreharbeiten die Meteora-Felsen, auch der Kinofilm „Tim und Struppi und das Geheimnis um das goldene Vlies“ wurde in dieser traumhaft schönen Landschaft abgedreht.

Mittlerweile war es spät geworden und wir mussten langsam an den Rückweg denken. Kurz bevor wir die Stadt erreichten, trafen wir einen einheimischen Bauern, der sein Tagwerk beendet hatte. Unserer Bitte, als Fotomotiv zu fungieren, kam er gerne nach.

Allerdings schien er Spaß an seinem neuen Job als Fotomodell zu haben, denn ein Foto war ihm nicht genug. Schnell nahm er sein Maultier und stellte sich für eine weitere Aufnahme in Pose.

Die Klöster in den Meteora-Felsen sind ein ganz besonderes kulturelles Highlight auf dem griechischen Festland und definitiv ein Muss bei einer Rundreise durch Griechenland.

Wir sind der Auffassung, dass die Meteora-Felsen mitsamt seinen Klöstern nach der Akropolis in Athen einer der meistbesuchten Orte Griechenlands sind.

Den Abend und die Nacht verbringen wir in Kalambaka, um am nächsten Tag unsere Reise nach Delphi fortzusetzen.

© 2021 by Travel-See-Xperience

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