Nikosia Zypern

Nikosia – Die geteilte Hauptstadt Zyperns

In Nikosia oder Lefkosi, wie die Einheimischen ihre Stadt nennen, verbrachten wir unseren letzten Urlaubstag. Die Hauptstadt Zyperns ist eine lebendige Stadt mit einer reichen Geschichte und Kultur.

Geprägt wird sie durch ihre historische, von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgebenen, Altstadt. Bis heute ist die etwa fünf Kilometer lange Stadtmauer fast noch gänzlich erhalten. Sie wurde in den Jahren 1567/1568 errichtet und umschließt sternenförmig die Stadt.

Außer Nikosia gibt es weltweit keine weitere zweigeteilte Hauptstadt. Der nördliche Teil der Stadt gehört zur Türkischen Republik Nordzypern, der südliche Teil hingegen zur Republik Zypern. Geteilt wird die Stadt durch die „Green Line“. Dennoch stellt es kein Problem dar, sowohl den südlichen als auch den nördlichen Teil der Stadt zu besuchen.

Wir haben uns auf den südlichen Teil der Stadt beschränkt, deren Altstadt neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten auch mit Restaurants, Cafés und kleinen Läden lockt, die für ein pulsierendes Leben in dem historischen Teil der Stadt sorgen.

Blick auf Larnaka

Für unsere Fahrt von Ayia Napa benötigten wir knapp eine Stunde. Zunächst passierten wir Larnaka mit dem bekannten Alyki-Salzsee. Insgesamt gibt es auf Zypern zwei Salzseen, der zweite befindet sich in der Nähe von Limassol.

Die Salzseen trocknen über den Sommer aus, so dass im Anschluss bis ungefähr Oktober das Salz entnommen werden kann. Dies wird vereinzelt sogar noch mit Eseln gemacht. Nachdem sich die Seen im Winter durch den Regen, aber auch das Meerwasser wieder füllen, überwintern dort neben zahlreichen Zugvögeln auch Flamingos. Ein wunderschönes Erlebnis.

Wer möchte, kann sich die am westlichen Ufer des Salzsees gelegene Hala Sultan Tekke Moschee ansehen. Sie wurde 1816 erbaut und gilt als ein sehr wichtiges Heiligtum des Islams auf Zypern.

Im südlichen Teil der Stadt werden die Besucher mit einer schönen Fußgängerzone angelockt. Bei unserer Ankunft war es noch recht früh, so dass es in den Straßen ganz beschaulich zuging und wir uns zunächst einmal in aller Ruhe umschauen und durch die Straßen bummeln konnten. Und selbstverständlich haben wir einen typischen zyprischen Kaffee getrunken. Dieser wird in einem Mbrikia zubereitet. Dies ist ein kleines Gefäß mit einem langen Stiel. Die Unterseite ist bauchig, wohingegen die obere Hälfte schmal ist. Und stark war der Kaffee, sehr stark!

Die Kirche Panagia Faneromeni gehört zu den Sehenswürdigkeiten, die man in Nikosia auf jeden Fall besuchen muss. Sie hat eine weit zurückreichende Geschichte und wurde immer wieder umgebaut und restauriert. 1872 wurde sie innerhalb der Stadtmauer errichtet und befindet sich auf dem gleichnamigen Faneromeni-Platz.

Namensgeberin der Kirche ist die Heilige Mutter Faneromeni, deren Ikone aus dem 14. Jahrhundert stammt.

Priester Kirche Nikosia Zypern

Dieser freundliche Priester erklärte uns ein wenig die Kirche und die Bedeutung des Namens „Faneromeni“ was so viel bedeutet wie „enthüllt“.

Das Innere der Kirche ist recht einfach gestaltet. Sie ist mit einigen Ikonen aus dem 16. Jahrhundert ausgestattet. Daneben befinden sich noch wenige Wandmalereien und ein kleiner Holztempel, der ungefähr aus dem 18. Jahrhundert stammt.

Minarette der Selimiye-Moschee

Wie unschwer auf dem Foto zu erkennen, befindet sich die Selimiye-Moschee auf der türkischen Seite der Stadt, unweit der „Green Line“. Der türkische Teil Nikosias hat viele prunkvolle Moscheen. Eine von ihnen ist die Selimiye-Moschee. Ebenso wie die Omeriye-Moschee war auch sie einst eine Kathedrale und wurde 1570 zur Moschee umgebaut.

Die aus dem 13./14. Jahrhundert stammende ursprüngliche Sophien-Kathedrale galt als ein Meisterwerk der gotischen Baukunst. Bis 1489 war sie Krönungskirche der Könige Zyperns.

Nikosias Einwohner sind gegenüber den Touristen sehr freundlich und aufgeschlossen. Ihren Lebensunterhalt müssen sie teilweise noch hart erarbeiten.

Die Kathedrale Agios Ioannis (St. John’s Kathedrale) ist eine Kirche innerhalb der Stadtmauern. Errichtet wurde sie an der Stelle, an der sich im 14. Jahrhundert die Abtei der Benediktiner befand.

Die St. John’s Kathedrale wurde 1662 von Erzbischof Nikiforos auf dem ursprünglichen Fundament der Benediktinerkapelle errichtet und dem Apostel Johannes gewidmet. 

Von außen ist die Kathedrale sehr schlicht gehalten, wenn man das Innere betrifft, so wird man von der Schönheit und dem Glanz schier erschlagen.

Durch wunderschöne Kristalllüster wird das Innere der Kathedrale hell erleuchtet. Die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Holzschnitzereien wurden vollständig mit Blattgold überzogen.

Die Ikonostase mit ihren Wandmalereien (18. Jahrhundert) bilden Szenen aus der Bibel sowie die Entdeckung der Grabstätte des Hl. Barnabas in Salamis dar. Ein wahres Kunstwerk.

Unvorstellbar ist, dass die Fresken vollständig erhalten bleiben konnten. Somit ist die St. John’s Kathedrale die einzige Kirche in Nikosia mit den ursprünglichen Fresken.

Wir ließen den Glanz und Prunk noch ein wenig auf uns wirken und setzten unsere Stadtbesichtigung dann fort.

Von der St. John’s Kathedrale sind es nur wenige Meter zu Fuß bis zum Erzbischöflichen Palais, vor dem die Statue von Erzbischof Makarios III. steht. Im Palast befindet sich das Zentrum der zypriotischen orthodoxen Kirche. Ebenso beherbergt das Gebäude das Byzantinische Museum.

Befreiungsdenkmal Nikosia Zypern
Befreiungsdenkmal

Auf der „Podcataro Bastion“ entdeckten wir ein auffälliges Denkmal, das Befreiungsdenkmal, das errichtet wurde, als die Türken den nördlichen Teil der Insel besetzten. Dieses Denkmal zeigt einige Figuren, die sich aus der britischen Knechtschaft befreien. Die größte der Bronzefiguren personifiziert die Freiheit. Auf der etwas tiefer gelegen Ebene ziehen zwei mit Gewehren bewaffnete Bronzefiguren an einer Kette, wodurch sich die zwischen ihnen befindliche Gittertüre öffnet. Die acht Bronzefiguren am Fuße des Sockels verlassen hieraufhin ihre Zelle und stürmen in die Freiheit.

Wirklich vollendet wurde das Denkmal allerdings nie, denn geplant war, dass um den Sockel herum ein Wasserbecken angebracht werden sollte.

Befreiungsdenkmal Nikosia Zypern - Detailaufnahme

Die Figuren symbolisieren neben dem Militär, Arbeiter, Gefangene und die Kirche.

Mit dem Famagusta-Tor, die einstige „Porta Giuliana“, besichtigten wir das imposanteste der drei Stadttore der venezianischen Stadtmauer (1567). Diese umgibt die ganze Altstadt und diente dieser zum Schutz.

Famagusta-Tor Nikosia Zypern
Famagusta-Tor

1981 musste das Famagusta-Tor restauriert werden. Hiernach war es mit zwei großen Hallen und einem Durchgang zum historischen Zentrum von Nikosia versehen. Darüber hinaus dient es seit diesem Zeitpunkt auch als Kulturzentrum.

Zur Stadtseite hin ist das Tor mit einer dekorativen Fassade versehen, während es stadtauswärts von einem einfachen Bogen verziert wird.

Nikosias Altstadt ist nicht übermäßig groß, so dass es möglich ist, alle Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß zu erreichen. Wer es mag, kann sich durch kleine Gassen schlängeln und sich ein wenig in den Souvenir- oder Kunsthandwerksläden umschauen. In kleinen, zauberhaften Tavernen und Cafés ist möglich, eine Pause einzulegen und mit den Einheimischen Kontakt zu bekommen.

Theater Municipal Nikosia Zypern
Theater Municipal

Das Theater Municipal befindet sich in der Nähe des Stadtgartens und nur wenige Meter vom Paphos-Tor entfernt. Erbaut wurde es im neoklassizistischen Stil.

Auf dem Weg zur „Green Line“ kamen wir an diesem, mit zahlreichen Einschusslöchern versehenem Straßenschild vorbei, wodurch sich ein mulmiges Gefühl in uns in breit machte. Da wir jedoch die Auskunft erhalten hatten, dass es in Ordnung ist, wenn man zur „Green Line“ geht und sich dort umsieht, setzten wir unseren Weg fort.

Green Line Nikosia Zypern
Green Line

Die Häuser an der „Green Line“ sind verlassen und teilweise mit Einschusslöchern versehen. Soldaten haben sich auf den Dächern positioniert und halten Wache. Es ist fast nicht zu glauben, gerade waren wir noch im Trubel der Altstadt und kurze Zeit später standen wir an der „Green Line“, die mitten durch die Stadt verläuft.

Was gibt es sonst noch Interessantes in Nikosia zu sehen?

Im Archäologischen Museum befindet sich eine beeindruckende Sammlung antiker Artefakte.

Die Ledrastraße ist nicht nur die größte Shopping-Meile Nikosias, sie ist auch zweigeteilt, da die Grenze (wie oben schon beschrieben) mitten durch die Stadt verläuft. Gleichzeitig stellt sie auch den Grenzübergang für Fußgänger dar. So reist man zunächst aus dem einen Stadtteil aus, um dann einige Meter weiter in den anderen Stadtteil einzureisen.

Kunstliebhabern bieten das Zypernmuseum, das Byzantinische Museum und die Leventis Kunstgalerie die Möglichkeit, sich zahlreiche Ausstellungsstücke anzusehen.


Nikosia besticht nicht nur mit ihren historischen Sehenswürdigkeiten. Wenn du dich in hübschen kleinen Cafés zwischen den Einheimischen aufhälst, spürst du den orientalischen Charme. Die Menschen sind freundlich und Touristen gegenüber offen.

Mit  unserer Sightseeing-Tour durch Nikosia endete auch unser Zypern-Urlaub.

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