Segesta: Antike Ruinen der Stadt auf dem Monte Barbaro in Sizilien
Nach Mondello stand ein Ausflug zu den antiken Ruinen der Stadt Segesta an. Diese befindet sich auf dem 400 Meter hohen Monte Barbaro im Nordwesten Siziliens mit Blick auf den Golf von Castellammare.
Segesta zählte einst zu den wichtigsten Städten der Elymer. Denn nicht die Griechen erbauten die Stadt, sondern ihre Vorgänger. Die geheimnisvollen Elymer lebten während der klassischen Antike auf Sizilien.
Auch ist der dorische Baustil eher ungewöhnlich für die Elymer.
Archäologen fanden bei ihren Ausgrabungen wohl Überreste einer noch älteren Kultstätte, die wohl auch durch die Elymer errichtet worden ist.
Etwas zur Geschichte von Segesta
Einer Legende nach wurde Segesta im 9. Jahrhundert v. Chr. von Menschen gegründet, die vor dem Trojanischen Krieg fliehen konnten.
Diese gründeten die Stadt Egesta, später Segesta, die später Händler anzog, die überwiegend aus Europa kamen.
Einst ein prachtvolles Zentrum elymischer Kultur, gewann die Stadt in der Antike an Bedeutung. Später entwickelte sie sich zu einem Ort verschiedener Kulturen mit hellenistisch-römischen, muslimischen und normannisch-schwäbischen Einflüssen. Aber auch das Mittelalter hinterließ seine Spuren.
Aber zurück zu den den Elymer. Diese waren ein Volk der Unabhängigkeit und so blieb es nicht aus, dass sich Segesta seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. ständig mit der griechischen Nachbarstadt Selinunte in Auseinandersetzungen befand.
Aufgrund der teilweise eskalierenden Streitigkeiten war es unverzichtbar, dass sich sowohl Athen als auch Karthago hin und wieder einmischen mussten. Schlussendlich kam es im Jahr 409 v. Chr. zur Zerstörung von Selinunt, was nur mit Hilfe von Syrakus möglich war.
Der dorische Tempel
Leider ist von der ursprünglichen Stadt nicht mehr viel erhalten geblieben. Aber das, was Segesta heute ausmacht, sind der Dorische Tempel und das Griechische Theater. Sie zählen heute noch zu den spektakulärsten Ruinen der Stadt.
Doch bevor wir die antike Stätte erreichten, mussten wir vom Parkplatz aus zunächst über einen unebenen Weg einen Teil des Berges erklimmen. Bei sommerlichen Temperaturen solltest du unbedingt darauf achten, genügend Sonnenschutz und Wasser bei dir zu haben.
Ungefähr 15 Minuten musst du vom Eingang bis zum Tempel einplanen. Während du unterwegs bist, wirst du mit beeindruckenden Aussichten auf die umliegende Landschaft belohnt.
Natur pur. Der Weg zum geheimnisvollen Tempel zieht sich zwischen sanften Hügeln entlang. Neben Olivenbäumen und zahlreichen Wildblumen säumen meterhohe Agavenblüten den Schotterweg.
Der 2.400 Jahre alte dorische Tempel thront majestätisch auf dem Hügel. Bis heute ist das fast 60 Meter lange Bauwerk gut erhalten. Strittig ist allerdings, wem es gewidmet wurde.

Interessanterweise haben wir bei unserer Besichtigungstour feststellen müssen, dass die Errichtung letztendlich gar nicht vollendet wurde. Es fehlt das Dach! Auch hier sind sich die Gelehrten nicht einig, ob der Tempel möglicherweise ganz ohne Dach geplant war oder, ob es einen anderen Grund für das unfertige Bauwerk gibt.
Die Karthager griffen 409 v. Chr. die Stadt Selinunt an und plünderten sie. Möglicherweise wurde auch Segesta angegriffen und die Arbeiten deshalb eingestellt und später nicht wieder aufgenommen.
Eine stimmige Erklärung erhielten wir nicht.

Der Tempel wurde mit 36 Säulen ausgestattet, die alle noch erhalten sind. Aber auch hier ist festzustellen, dass diese nicht dem typischen dorischen Baustil entsprechen. Ihnen fehlen die Kanneluren. Dies sind vertikal verlaufende, parallele Rillen. Während unserer Reisen durch Griechenland haben wir zahlreiche solcher Säulen zu sehen bekommen.
Ein weiteres Indiz dafür, dass der Tempel nie fertiggestellt wurde ist, dass es Hinweise auf einen Raum gibt, der gewöhnlich einem Gott gewidmet wurde. In ihm wird üblicherweise die Statue des zu verehrenden Gottes aufbewahrt. Zumindest wurden Teile des Fundaments einer solchen Cella gefunden, deren Abschluss wohl nie vollendet wurde.

Wir hatten das Glück, dass wir den Tempel noch von innen besichtigen konnten. Nach unseren Recherchen ist dies heute nicht mehr möglich. Besucher haben nur noch die Möglichkeit, einmal um ihn herumzulaufen.
Nach der Besichtigung hast du die Möglichkeit noch ein wenig weiter auf den Monte Barbaro zu wandern, wo sich auch das Amphitheater befindet. Der Weg dorthin lohnt sich auf jeden Fall.
Der Monte Barbaro ist ein Tuffkegel (Vulkankegel).


Neben wunderschönen Ausblicken auf die Landschaft und die Natur gibt es nette kleine Weggefährten zu entdecken.

Wenn du auf dem Weg zum Amphitheater einen Blick zurückwirfst, wirst du staunen über die bezaubernde Landschaft, in der der Tempel errichtet wurde.
Teatro Greco di Segesta
Ein weiteres atemberaubendes Monument von Segesta ist das im griechischen Stil errichtete Amphitheater.
Nach der Tempelbesichtigung haben wir uns weiter oben auf dem Hügel dieses Theater angeschaut. Errichtet wurde es ungefähr zur gleichen Zeit wie der Tempel. Es ist regelrecht in den Monte Barbaro eingebettet. Somit ist das beeindruckende Panorama als Hintergrundkulisse nicht mehr zu übertreffen.

Das Theater steht dem Tempel in nichts nach, es ist ebenso eindrucksvoll. Allerdings ist es so, wie wir es heute sehen, nicht das ursprünglich von den Elymern erbaute.
Ungefähr 100 v. Chr. haben die Römer es dergestalt umgebaut, dass sie es nach oben erweitert haben. Durch die eingearbeiteten Treppenaufgänge wird das Theater in sieben Blöcke eingeteilt. Auf 20 Sitzreihen finden fast 4.000 Menschen Platz! Der Zuschauerraum hat einen Durchmesser von über 60 Metern.
Von dem einstigen Bühnengebäude konnten nur noch die Grundmauern erhalten werden.
Es ist nach Norden ausgerichtet, so dass du einen wunderschönen Blick zum Golf von Castellammare hast.
Heute wird das Amphitheater während der Sommermonate wegen der hervorragenden Akustik häufig für musikalische Aufführungen genutzt. Von dem Ausblick ganz zu schweigen.

Mittlerweile kostet der Eintritt für Erwachsene 6,00 Euro. Der Archäologische Park Segesta ist das ganze Jahr über geöffnet.
Natürlich mussten wir nach der Besichtigung auch wieder vom Berg herabsteigen. Aber runter geht es ja bekanntlich schneller!

Lohnt sich ein Besuch in Segesta?
Sowohl der Tempel als auch das Theater ziehen unheimlich viele Touristen an. Da das Gelände sehr weitläufig ist, gibt es Platz für jeden und Möglichkeiten, den Tempel aus vielen Blickwinkel zu inspizieren.
Der dorische Tempel ist wegen seines sehr guten Erhaltungszustandes, aber auch gerade, weil er unvollendet ist eine besondere Attraktion für geschichtsinteressierte Sizilien-Urlauber. Während des Besuches wirst du in eine andere Zeit versetzt.
Ein Besuch des Amphitheaters ist auf jeden Fall lohnenswert, auch wenn gerade keine Aufführung stattfindet. Dadurch, dass es in den Monte Barbaro eingebettet ist, bietet sich ein grandioses Panorama.
Insgesamt ist Segesta für Kultur- und Geschichtsinteressierte auf jeden Fall eine Stätte, die bei einer Sizilien-Rundreise besichtigt werden sollte.
„Ein herrlicher Anblick in tiefster Verlassenheit.“
(Sigmund Freud)
Wir setzten unsere Zeitreise am nächsten Tag in Erice fort.
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