Faial: Die Azoreninsel der Kontraste
Nach unserem Flug von Pico erreichten wir die wunderschöne Insel Faial. Zu Beginn unseres Aufenthalts genossen wir die Ruhe und Gelassenheit, die diese idyllische Umgebung ausstrahlte. Die ersten Tage verbrachten wir mit entspannten Erkundungstouren in der malerischen Landschaft, kleinen Dörfern und den atemberaubenden Küstenlinien.
Doch im Laufe der Woche erlebten wir eine grundlegende Veränderung des Wetters. Was zunächst mild begann, schlug plötzlich in unvorhersehbare Wetterkapriolen um. Die harmlosen Schwankungen, die wir anfangs bemerkt hatten, führten zu abrupten Umschwüngen. Starke Winde und Regenfälle machten sich bemerkbar und zeigten uns die kraftvolle Seite der Natur auf den Azoren. Doch dazu später mehr.
Inhalt
- Wo liegt die Azoreninsel Faial?
- Geschichtlicher Einblick über Faial
- Horta Sehenswürdigkeiten
- Die Nacht, in der Faial uns das Fürchten lehrte
- Über den Klippen der Nordküste
- Farol da Ponta dos Capelinhos
- Ponta dos Capelinhos – Faials Mondlandschaft
- Der Treffpunkt, den alle kennen
- Faial ohne Postkartenwetter – unser Fazit
Wo liegt die Azoreninsel Faial?
Faial liegt im zentralen Teil der Azoren und bildet zusammen mit Pico und São Jorge eine Art Dreieck mitten im Atlantik. Die Insel ist nur durch eine schmale Meerenge von Pico getrennt und an klaren Tagen scheint der Vulkan gegenüber fast zum Greifen nah. Politisch gehört Faial zu Portugal, atmosphärisch wirkt die Insel wie ein Knotenpunkt: klein, überschaubar, aber mit einem Hafen, der seit Jahrzehnten Segelyachten aus aller Welt anzieht.
Geschichtlicher Einblick über Faial
Faial wurde im 15. Jahrhundert besiedelt, ähnlich wie die anderen Azoreninseln. Die Lage im Atlantik machte die Insel früh zu einem Zwischenstopp für Schiffe, die zwischen Europa, Afrika und Amerika unterwegs waren. Obwohl auch die Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielte, war der Hafen von Horta ein wichtiger Punkt auf Faial.
Mit der Zeit entwickelte sich Horta zu einem wichtigem Anlaufpunkt für Transatlantikverbindungen. Schiffe legten hier an, um Reparaturen durchführen zu lassen, Proviant zu laden oder einfach nur, um auf besseres Wetter zu warten.
Wie auf den anderen Azoreninseln spielte auch auf Faial die Auswanderung eine Rolle. Viele Menschen verließen die Insel in Richtung Amerika oder Kanada.
Ein prägendes Ereignis der jüngeren Geschichte ist der Vulkanausbruch des Capelinhos in den 1950er-Jahren. Durch diese Eruption entstand an der Westküste eine fast mondartige Landschaft: karg, grau, windgeprägt. Bis heute blieb sie unverändert.
Horta Sehenswürdigkeiten
Horta ist eine kleine Hafenstadt mit einem eigenen ruhigen Rhythmus. Rund um die geschützte Bucht liegen kompakte Straßenzüge, alte Fassaden und ein Zentrum das eher durch Atmosphäre als durch Größe wirkt. Insgesamt präsentiert sich die Stadt gelassen.
Die Marina von Horta
Die Marina ist heute der zentrale Anlaufpunkt am Hafen, doch ihre Geschichte beginnt lange vor den modern gestalteten Stegen. In der geschützten Bucht war schon früh ein natürlicher Hafen, der sich im Laufe der Zeit immer mehr entwickelte. Als die Seefahrt größer und internationaler wurde, gewann Horta an Bedeutung.
Mit den Jahren wurde aus dem einfachen Anlegeplatz eine Marina, die für Boote auf dem Weg über den Atlantik fast selbstverständlich wurde. So wuchs der Hafen langsam in eine Rolle hinein, die ihn bis heute prägt. Ein Ort, an dem sich Routen kreuzen und an dem internationale Regatten immer wieder Station machen.
Bunte Hafenmauern
Die bemalten Hafenmauern und Stege gehören in Horta einfach dazu. Überall finden sich kleine und größere Bilder. Manche wirken, als wären sie spontan entstanden, andere dagegen sorgfältig ausgearbeitet. Gemeinsam ergeben sie ein farbiges Patchwork, das den Hafen sofort wiedererkennbar macht.
Es wird erzählt, dass es Unglück bringt, wenn eine Crew kein eigenes Bild hinterlässt, bevor sie weitersegelt. Also verewigen sich die Segler mit Namen, Routen und Symbolen auf den Mauern. Der Hafen von Horta ist dadurch zu einem offenen Logbuch der Weltumsegelungen geworden.
Achte stets auf die Gezeiten! Bei Hochwasser sind einige Teile der Hafenmauer nicht zugänglich.
Igreja de Nossa Senhora das Angústias
Die Igreja de Nossa Senhora das Angústias gehört zu den ältesten kirchlichen Bezugspunkten in Horta. Ihre Geschichte ist eng mit der frühen Besiedlung des südlichen Stadtgebiets verbunden. Der erste Bau war schlicht und eher funktional, was typisch für die Anfangszeit auf den Azoren war.
Wie viele Kirchen auf den Inseln, blieb auch diese nicht in ihrem ursprünglichen Zustand. Erdbeben, Stürme und die Nähe zum Meer führten immer wieder zu Schäden, so dass sie mehrfach erneuert werden musste. Dadurch wuchs sie über die Jahrhunderte zu dem Bau heran, den man heute sieht.
Für die Menschen in Horta war die Kirche lange Zeit ein fester Orientierungspunkt. Prozessionen, Feste und familiäre Ereignisse waren eng mit ihr verbunden. Heute wirkt die Kirche ruhig und unaufgeregt, mit ihrer weiß-basaltenen Fassade und dem hellen Innenraum.
Wir konnten einen Blick hineinwerfen, ließen die Kamera jedoch stecken, da gerade ein Gottesdienst stattfand.
Adresse: Igreja de Nossa Senhora das Angústias, Largo das Angústias, 9900-011 Horta
Forte de Santa Cruz
Das Forte de Santa Cruz ist eines der ältesten und geschichtlich bedeutendsten Bauwerke in Horta. Seine Entstehung geht auf eine Zeit zurück, in der die Azoren eine strategische Schlüsselrolle spielten. Im 16. Jahrhundert kamen mit den portugiesischen Schiffen, die aus Afrika, Asien und Amerika heimkehrten, wertvolle Waren auf die Inseln. Und genau deshalb waren die Azoren ein begehrtes Ziel für Piraten und Freibeuter.
Horta wurde mehrfach angegriffen. Besonders die Attacken englischer und französischer Freibeuter machten deutlich, dass die Stadt dringend einen besseren Schutz benötigte. So begann man mit dem Bau des Forte de Santa Cruz.
Die Festung entstand bewusst direkt am Hafenbecken, dort, wo ankommende Schiffe zuerst sichtbar waren. Von hier aus war die gesamte Bucht einsehbar und Annäherungen feindlicher Schiffe konnten frühzeitig erkannt werden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Anlage immer wieder erweitert. Es wurden zusätzliche Mauern, Bastionen und Wachtürme errichtet, um die Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen.
Mit der Zeit verlor das Forte seine militärische Bedeutung und die Bedrohung durch Piraten nahm ab.
Später wurde die Anlage zum portugiesischen Nationaldenkmal erklärt. Heute beherbergen die historischen Mauern die Pousada Forte da Horta, ein Hotel in der ehemaligen Festung.
Der Innenhof, die alten Kanonenstellungen und der Blick auf die Bucht vermitteln noch immer ein Gefühl dafür, wie wichtig dieser Ort einst war.
Die Lage am Hafen macht das Forte zu einem markanten Punkt im Stadtbild. Ein Abstecher lohnt sich allein wegen der Atmosphäre, die hier zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schweben scheint.
Nach unserer Stadtbesichtigung in Horta schlug das Wetter dramatisch um, so dass wir einen Tag pausieren mussten.
Die Nacht, in der Faial uns das Fürchten lehrte
Was als ruhiger Tag begann, verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in ein Unwetter, das die Insel fest im Griff hatte. Die Wolken zogen sich zusammen, der Himmel verdunkelte sich. Dann, noch bevor wir überhaupt verstanden, was da auf uns zukam, brach der Wind über die Insel herein, mit einer Wucht, wie man sie sonst nur aus Sturmwarnungen kennt. Wir hatten Mühe, überhaupt noch ins Hotel zu kommen.
Mit jeder Böe schien der Sturm an Kraft zu gewinnen und heulte um die Häuser. Türen und Fensterläden klapperten. Das Meer sah aus, als würde es jeden Moment über die Ufer steigen. Dies war wohl einer dieser Momente, in denen man spürt, wie schnell die Natur im Atlantik die Regeln ändern kann.
Vor uns lag eine Nacht ohne Ruhe. Im Hotel knarzten die Fensterscheiben, als stünden sie kurz davor, unter dem Druck zu zerbrechen. An Schlaf war kaum zu denken, denn mehrmals standen wir auf, um sicherzugehen, dass alles hält.
Am nächsten Morgen, als der Wind endlich nachließ, blieb Faial in einem gedämpften Grau zurück. Kein heller Streifen am Horizont und es regnete.
In unserem Hotel wohnte eine Gruppe Golfer – kurioserweise ließen sie sich trotz Sturm, Starkregen und Warnungen nicht davon abhalten, auf den Golfplatz zu gehen! Wie zum Trotz: Wir haben Golfen gebucht, also ziehen wir es durch. Sie waren erstaunlich schnell wieder zurück!
Am zweiten Tag nach dem Unwetter zeigte ein Blick aus dem Hotelzimmer, dass wir die Insel weiter erkunden konnten. Das Wetter wechselte zwar in den folgenden Tagen immer wieder, dennoch ließen wir uns von unseren Ausflügen nicht abbringen.
Faial gehört zu den Inseln, die man schnell ins Herz schließt: überschaubar, charakterstark und voller Orte, an denen Natur und Geschichte unmittelbar sichtbar werden. Zwischen jungen Vulkanlandschaften, alten Seefahrertraditionen und kleinen interessanten Orten gibt es viel zu entdecken.
Über den Klippen der Nordküste
Während unserer Tour über die Insel führte uns die Straße an einem dieser kleinen Plätze vorbei, die auf den Azoren fast beiläufig in die Landschaft gesetzt wirken. Sie sind schlicht angelegt, oft von einer niedrigen Mauer eingefasst und öffnen den Blick über Hänge und Täler. Von dem Miradouro reichte die Sicht bis hinunter zur Küste, wo das Grün abrupt in die Steilkante übergeht.
Am Rand des Platzes stand ein kleiner Heiligenschrein, wie man ihn auf den Azoren häufig findet. Sie gehören zum Landschaftsbild und einige sind mit Marienfiguren versehen. Andere sind mit einem Kachelbild ausgestattet, das Wind und Wetter über Jahre standhält.
Nur wenige Kilometer weiter eröffnete sich uns ein sagenhafter Blick.
Von der Mauer aus ließ sich der Verlauf der Steilküste gut überblicken. Die Abbruchkante fällt hier abrupt ab, dicht bewachsen und nur an wenigen Stellen unterbrochen. Der Platz lag direkt an unserer Route, so dass sich ein kleiner Zwischenstopp von selbst ergab.
Farol da Ponta dos Capelinhos
Der Farol da Ponta dos Capelinhos liegt am westlichen Rand von Faial, in einer Landschaft, die sich deutlich von den übrigen Teilen der Insel unterscheidet. Rund um den Leuchtturm dominieren dunkle, karge Flächen, die fast vollständig frei von Vegetation sind.
Das Gelände ist gut erschlossen. Vom Parkplatz aus erreicht man den Leuchtturm in wenigen Minuten. Die Pfade sind einfach zu gehen, können aber stellenweise durch lockere Steine beschwerlich sein, weshalb festes Schuhwerk sinnvoll ist. Der Wind ist hier fast immer präsent, was an warmen Tagen angenehm ist, an kühleren aber schnell unangenehm werden kann.
Der Leuchtturm stammt aus dem Jahr 1903. Er wurde als funktionaler Küstenleuchtturm gebaut, ohne besondere architektonische Inszenierung und diente schlicht der Orientierung entlang der Westseite der Insel. Sein heutiger Reiz entsteht weniger aus seiner Bauweise als aus seiner Lage und dem offenen Umfeld. Der Turm kann bestiegen werden. Die Treppen sind zwar schmal, aber gut begehbar und oben bietet sich ein weiter Blick über die Küste und das umliegende Gelände.
Ponta dos Capelinhos – Faials Mondlandschaft
Für uns gehört die Ponta dos Capelinhos zu den eindrucksvollsten Orten auf Faial. Sie bildet die westliche Landspitze der Insel und zeigt eine Landschaft, die sich deutlich von den übrigen Teilen Faials unterscheidet. Die ursprüngliche Landzunge existierte schon lange vor dem Ausbruch des Capelinhos Vulkans. Während der Eruption 1957/58 entstand vor der Küste zusätzliches Gelände, das sich mit der Ponta verband.
Die Landschaft wirkt auf den ersten Blick fast fremd. Der Boden besteht aus Asche und lockerem Gestein, das je nach Licht zwischen graubraun und tiefschwarz wechselt. Die Fläche ist nahezu vegetationslos und erinnert mit ihrer Mischung aus Staub, Stein und klaren Formen tatsächlich an eine Mondlandschaft. Beim Gehen spürt man, wie unterschiedlich der Untergrund reagiert. Manche Bereiche sind fest, andere geben leicht nach und bei Wind weht dir der feine Staub um die Nase.

Wer die Ponta besucht, steht sehr schnell mitten in dieser Aschelandschaft. Es lohnt sich auf jeden Fall, ein wenig das Terrain zu erkunden, denn kleine Pfade führen zu verschiedenen Aussichtspunkten. Robuste Schuhe sind wegen der Unebenheiten erforderlich. An windigen Tagen ist eine leichte Jacke ebenfalls hilfreich, da die offene Fläche kaum Schutz bietet.

Je nach Blickrichtigung verändert sich der Eindruck der Ponta. Mal wirkt sie fast abweisend, mal öffnet sich der Blick weit über die Küstenlinie. Besonders reizvoll ist ein Besuch am frühen Vormittag, wenn das Licht die Farben der Ascheflächen verändert und die Konturen der Landschaft deutlicher hervortreten lässt.
Gerade der deutliche Kontrast zu den grünen Teilen der Insel macht die Ponta dos Capelinhos zu einem interessanten Ort, der bei einem Aufenthalt auf Faial unbedingt eingeplant werden sollte.
Im Besucherzentrum erfährst du mehr über die vulkanische Geschichte und die Geologie der Insel.
Öffnungszeiten: Sonntag-Dienstag: geschlossen / Mittwoch-Samstag: 9.00 Uhr - 17.00 Uhr
(Stand: 2026)
Der Treffpunkt, den alle kennen
Das Peter Café Sport ist in Horta der Ort, an dem man früher oder später landet, ob man will oder nicht. Einheimische, Inselgäste und die Seglerwelt kommen hier zusammen. Seit über hundert Jahren gibt es diese urige Kneipe, die immer noch von derselben Familie geführt wird.
Die Einrichtung ist rustikal, wodurch eine gemütliche Atmosphäre entsteht, in der sich die Gäste wohlfühlen. Weltumsegler, Journalisten und Schriftsteller haben den Ruf des Hauses längst weit über den Atlantik getragen – und natürlich auch die Reiseblogger, die hier unauffällig ihre Smartphones zücken, aufmerksam beobachten und später ihre Eindrücke in die Welt schicken.😊
Früher tauschten die Crews hier Geld, holten Post ab und bekamen aktuelle Wetterinfos. Heute geht es hier entspannter zu und dennoch steckt die alte Hafenmagie in jeder Ecke. Wer mit dem Boot anreist, schaut automatisch vorbei – manchmal nur für einen Drink, ein Essen oder einfach um zu sehen, wer da ist.
Und genau deshalb gilt das Peter Café Sport bis heute als Pflichtstopp für alle, die in Horta unterwegs sind. Wer das Café besucht, sollte es nicht versäumen, das berühmte “Ginjinha” (Kirschlikör) zu probieren.
Viele Weltumsegler und Segelenthusiasten berichten von ihren Erfahrungen und Abenteuern, die sie auf ihren Reisen gemacht haben. Diese Geschichten werden oft bei einem Bier oder einer lokalen Spezialität wie “Lapas” (Schnecken) erzählt.
Mal ehrlich: Wer hier rausgeht, ohne wenigstens eine kleine Geschichte mitzunehmen, hat vermutlich nicht lange genug am Tresen gesessen!
Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway hat das Café besucht und seine Erlebnisse in seinen Werken verarbeitet.
Adresse: R. José Azevedo 9, 9900-027 Horta
Faial ohne Postkartenwetter – unser Fazit
Was wir gesehen haben, war dafür umso eindrücklicher: die raue Küste, die Farben von Horta, die Spuren der Seglerwelt und diese besondere Mischung aus Gelassenheit und Fernweh, die Faial ausmacht. Auch wenn nicht alles möglich war, hat die Insel uns neugierig genug gemacht, um gern wiederzukehren.
Mit Faial endete unsere Azoren-Reise – nicht ganz so sonnig, wie wir es uns erhofft hatten, aber reich an Eindrücken, Begegnungen und Momenten, die bleiben. Vielleicht ist es gerade dieser nicht ganz perfekte Abschluss, der die Inselgruppe noch ein Stück authentischer macht. Für uns ging es noch einmal für ein paar Tage nach Madeira, wo wir zum Ausklang der Reise noch etwas Sonne tanken konnten.
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