Pura Taman Ayun: Ein unverzichtbarer Tempel auf Bali
Es gibt so viele Tempel auf Bali, dass die Entscheidung schwerfällt, welchen man besuchen möchte. Daher empfiehlt es sich, bereits vor Reisebeginn eine entsprechende Route zu planen und sich über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu informieren.
Vom Goa Gajah Tempel ging unsere Route durch das grüne Herz Balis weiter zum Pura Taman Ayun. Die Fahrt ist mit etwa 40 Minuten recht überschaubar und verläuft größtenteils über gut ausgebaute Landstraßen. Unterwegs kamen wir an kleinen Dörfern vorbei und begegneten dem alltäglichen balinesischen Leben. Der Tempel liegt in Mengwi und beeindruckt mit seiner eleganten Gartenanlage. Ein lohnender Zwischenstopp auf jeder Bali-Rundreise.
Inhalt
Wo liegt der Pura Taman Ayun?
Das Dorf Mengwi liegt im südlichen Teil der Insel, etwa 17 Kilometer nordwestlich von Ubud in der Provinz Badung. Bis zur Hauptstadt Denpasar sind es etwa 20 Kilometer. Auch hier ist die Umgebung geprägt von grünen Reisfeldern und kleinen balinesischen Dörfern. Die Lage des Tempels ist landschaftlich reizvoll. Besucher, die von Ubud oder Seminyak aus anreisen, erleben auf dem Weg eine abwechslungsreiche Fahrt durch tropische Vegetation. Dank seiner günstigen Lage eignet sich Pura Taman Ayun bestens für einen Halbtagesausflug. Die Nähe zu anderen Sehenswürdigkeiten wie dem berühmten Tanah Lot Tempel oder dem Affenwald von Sangeh macht ihn zum idealen Zwischenstopp auf einer Rundreise durch den Süden Balis.
Wissenswertes über Pura Taman Ayun
Pura Taman Ayun wurde einst als Haupttempel des Königreichs Mengwi errichtet. Er liegt zentral zwischen den Küstenregionen und dem bergigen Land. Der Name Pura Taman Ayun bedeutet “Tempel des schwimmenden Gartens” und wer einmal durch das Eingangstor tritt, versteht sofort, warum. Errichtet wurde der Tempel im 17. Jahrhundert von der königlichen Familie, der Rajas von Mengwi, die über eines der mächtigsten Königreiche Balis herrschte. Als Haupttempel des Reiches war er nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein Ausdruck von Macht und kultureller Raffinesse.
Die Anlage wurde über viele Jahrhunderte mehrfach erweitert und restauriert, wobei Wert darauf gelegt wurde, die ursprüngliche Struktur zu erhalten. Das zeigt, wie wichtig der Ort für die lokale Bevölkerung geblieben ist. Auch heute finden dort noch Zeremonien statt, bei denen die Dorfgemeinschaft zusammenkommt, um zu beten, Opfergaben darzubringen und die alten Traditionen zu pflegen.
Die Architektur folgt dem klassischen balinesischen Stil, der sich durch eine klare Gliederung in mehrere Höfe auszeichnet. Jeder dieser Bereiche ist durch kunstvoll geschnitzte Tore voneinander getrennt, die mit floralen Mustern, mythischen Figuren und traditionellen Symbolen verziert sind.
Pura Taman Ayun zählt zu den bedeutendsten Tempeln auf Bali und beeindruckt mit insgesamt 27 kunstvoll gestalteten Bauwerken. Als Wassertempel spielt er eine besondere Rolle im traditionellen balinesischen Bewässerungssystem. Dieses sorgt dafür, dass das Wasser von den heiligen Bergen über die Reisfelder bis ins Meer fließt und durch Regen wieder zurückkehrt.
Heute zählt Pura Taman Ayun zu den “Königlichen Tempeln” Balis. Aufgrund seiner historischen und architektonischen Bedeutung wurde er 2012 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
Unterwegs in der Tempelanlage
Beim Rundgang durch die Anlage entdeckten wir immer wieder neue Details: steinerne Wächterfiguren, kleine Altäre und kunstvoll angelegte Gärten mit Wasserbecken. Wie ein friedlicher Rückzugsort liegt sie eingebettet in sattes Grün und umgeben von einem breiten Wassergraben. Das ganze Ensemble lässt den Tempel wie eine kleine Insel erscheinen.
Candi Bentar – Tempeleingang
Der Eingang zum Tempelkomplex ist an den hohen gespaltenen eindrucksvollen Steintoren erkennbar, den sogenannten Candi Bentar. Die Tore stehen wie zwei mächtige Säulen nebeneinander und bilden eine symbolische Passage vom weltlichen Bereich in die spirituelle Sphäre des Tempels.
Sie sind mit kunstvollen Ornamenten verziert, die traditionelle Muster und mythologische Figuren zeigen.
In der balinesischen Kultur ist dieser Übergang bewusst so gestaltet. Der offene Raum zwischen den beiden Torhälften lädt dazu ein, sich auf das einzulassen, was folgt.
Früher oder später stößt man auf beeindruckende steinerne Figuren. Mit großen Augen und einem energischen Gesichtsausdruck scheinen sie nicht nur den Eingang zu bewachen. Solche Figuren sind tief in der balinesischen Glaubenswelt verwurzelt. Sie verkörpern Schutzgeister, die böse Einflüsse abwehren, weshalb ihre Position an Mauern, Toren oder Tempelzugängen kein Zufall ist.
Was besonders faszinierend ist, ist die Lebendigkeit, die trotz des steinernen Materials ausgestrahlt wird. Moos und Patina hat sich über die Jahre auf der Oberfläche angesetzt, wodurch eine geheimnisvolle Atmosphäre entsteht. In Pura Taman Ayun sind solche Statuen nicht nur dekorative Elemente, sondern Teil eines größeren spirituellen Konzepts. So sollen sie daran erinnern, dass der Tempel ein Ort ist, in dem Kräfte wirken, die über das Sichtbare hinausgehen.
Paduraksa-Tor
Anders als das offene Candi Bentar-Tor ist das Paduraksa ein überdachtes, geschlossenes Tor. Es kennzeichnet den Übergang in den innersten und heiligsten Bereich des Tempels, der nur für Gläubige zugänglich ist.
Die kunstvollen Steinreliefs und die roten Ziegelsteine sind typisch für balinesische Tempelarchitektur. Auch hier flankieren Wächterfiguren die Treppen. Sie halten böse Geister fern und bewahren somit die Reinheit des Tempels. Das Tor ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein spirituelles Symbol.
Mit ihrer kraftvollen Haltung, dem erhobenen Keulen-Werkzeug und dem entschlossenen Blick wirkt sie wie ein stiller Verteidiger des heiligen Tempelinneren. Die kunstvolle Gestaltung erstreckt sich von der reich verzierten Krone bis zu den fein gearbeiteten Ornamenten an Kleidung und Sockel. Sie zeugt von der hohen handwerklichen Kunst, die in Bali gepflegt wird.
Meru-Türme
Besonders eindrucksvoll sind die mehrstöckigen Pagoden, die Meru-Türme. Ihre Dächer recken sich wie gestapelte Schirme in den Himmel. Mit ihrer eleganten Silhouette ziehen sie schnell die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich.
Jeder Meru-Turm ist einem bestimmten Gott gewidmet. Die Anzahl der Dächer ist unterschiedlich. Der Grund dafür liegt in der Bedeutung der Gottheit, der sie gewidmet sind. Einige haben drei Dächer, andere sieben oder sogar elf. Auffällig dabei ist, dass es meist ungerade Zahlen sind. Je höher der Turm, desto größer ist seine spirituelle Wichtigkeit.
Die Dächer bestehen traditionell aus schwarzem Palmfasermaterial. Es ist nicht nur wetterbeständig, sondern entfaltet im Sonnenlicht einen besonderen Glanz.
Die Meru-Türme sind nicht begehbar. Sie dienen ausschließlich als symbolische Wohnsitze der Götter.
Im Inneren der Türme befinden sich keine Räume. Sie sind nur mit heiligen Gegenständen ausgestattet, die bei Zeremonien verehrt werden.
Traditionelle Pavillons
Dieser Teil des Pura Taman Ayun Tempelkomplexes lädt mit seiner offenen Gestaltung und den weitläufigen Wegen zum Erkunden ein. Die Pavillons mit ihren strohgedeckten Dächern wirken wie kleine Inseln, eingebettet in eine gepflegte Gartenlandschaft. Die Häuser haben unterschiedliche Funktionen. Manche dienen rituellen Zwecken, andere wiederum als Rückzugsort für Priester und Gläubige.
Besonders reizvoll ist die Kombination aus Stein und Natur. Kunstvoll verzierte Mäuerchen, zum teil verwitterte Figuren und kleine Wasserläufe, die sich durch das Gelände ziehen, schaffen eine ruhige Atmosphäre.
Madya Mandala
Der mittlere Bereich des Pura Taman Ayun Tempels, genauer das Madya Mandala, ist zwar gut sichtbar und fotografisch reizvoll, aber nicht öffentlich zugänglich. Dieser Teil gehört zu den rituell genutzten Zonen des Tempels, die ausschließlich für Zeremonien und Personen wie Priester und Gläubige vorgesehen sind. Die klare Abgrenzung dient der Wahrung der spirituellen Reinheit. Für Besucher bedeutet dies: Auch wenn man diesen Teil nicht betreten darf, lohnt sich ein achtsamer Blick.
Auch hier stehen die Pavillons erhöht auf kunstvoll verzierten Sockeln. Die offene Bauweise lässt Licht und Luft frei zirkulieren. Umgeben ist der mittlere Teil von einem Wassergraben. Auch, wenn wir diesen Bereich nur aus der Distanz betrachten konnten, so spürten wir dennoch seine Wirkung. Hier und da sahen wir einen Priester in Vorbereitung auf eine Zeremonie.
Die räumliche Trennung ist typisch für balinesische Tempelarchitektur.
• Jaba Pisan, der äußere Bereich, ist öffentlich zugänglich
• Madya Mandala, der mittlere Bereich, ist ausschließlich für die rituelle Vorbereitung
• Utama Mandala, der innere Bereich, ist der heiligste Ort und streng geschützt
Garuda und Nāga
Diese eindrucksvolle Detailaufnahme aus dem Madya Mandala zeigt zwei zentrale Figuren der balinesisch-hinduistischen Mythologie. Garuda, der geflügelte Reitvogel des Gottes Vishnu und Nāga, das drachen- oder schlangenartige Wesen, das für Erdkräfte und Wasser steht.
Garuda thront mit ausgebreiteten Flügeln und wachsamem Blick über dem Kopf des Nāga. Diese Komposition beeindruckt nicht nur künstlerisch, sondern ist auch tief symbolisch.
Die kunstvolle Ausarbeitung der Figuren ist beeindruckend. Sie reicht von den fein geschnitzten Federn bis zu den geschwungenen Ornamenten des Drachenkopfes. Dies zeigt die hohe handwerkliche Präzision balinesischer Tempelkunst.
Pura Taman Ayun – Stille Schönheit fernab der Massen
Wer Bali jenseits der ausgetretenen Pfade erleben möchte, findet im Pura Taman Ayun einen Ort, an dem es kein Gedränge und keine inszenierten Shows gibt. Vielmehr bekommen Besucher hier einen authentischen Einblick in die balinesische Tempelkultur.
Ist ein Besuch lohnenswert? Ganz klar: Ja! Für uns war es ein Ort, der nicht laut beeindruckt, sondern leise nachwirkt.
Zeremonien und Feste
Auch wenn der Tempel nicht täglich für Zeremonien geöffnet ist, finden hier regelmäßig religiöse Feste statt, vor allem im Rahmen des balinesischen Kalenderjahres. Besonders eindrucksvoll sind die Zeremonien zu Odalan, dem Tempelgeburtstag, der alle 210 Tage gefeiert wird. Wenn du das Glück hast, zu dieser Zeit vor Ort zu sein, kannst du farbenfrohe Prozessionen, traditionelle Kleidung und die Klänge der Gamelan-Musik erleben. Besucher sind hierbei willkommen!
Praktische Tipps für deinen Besuch
Öffnungszeiten
Der Tempel ist täglich von 8.00 Uhr bis 18.15 Uhr geöffnet. Während des balinesischen Neujahrsfestes Nyepi, das meistens im April stattfindet, ist die Anlage geschlossen. (Stand: 2025)
Eintritt & Ticket
Für ausländische Erwachsene kostet der Eintritt 30.000 IDR (ca. 2,00 Euro). Für ausländische Kinder 15.000 IDR. Die Tickets gibt es direkt am Eingang. (Stand: 2025)
Gelände & Zeitplanung
Plane etwa drei Stunden für deinen Besuch ein. Die Anlage ist weitläufig, aber gut strukturiert.
Kleidung & Verhalten
Wie in allen Tempeln auf Bali gilt: Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Sarongs können am Eingang ausgeliehen werden. Bitte respektiere die heiligen Bereiche und fotografiere mit Rücksicht.
Sonstiges
Es gibt vor Ort kleine Shops für Snacks und Getränke. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Abstecher zu den nahegelegenen Reisterrassen oder dem Markt in Mengwi verbinden.
Auf zur nächsten Etappe
Unsere Reise geht weiter und mit ihr das Staunen. Vor uns liegt ein Ort, der wieder einmal anders ist, als alle anderen, die wir zuvor gesehen haben. Dramatischer, kraftvoller und vom Meer umspült. Ein Bauwerk, das nicht nur durch seine Lage beeindruckt, sondern auch durch die Atmosphäre, die es umgibt.
Wohin es uns als Nächstes verschlägt? An die Küste – zum sagenumwobenen Pura Tanah Lot.
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