Die Geschichte der Marksburg: Eine Zeitreise ins Mittelalter
Manchmal liegen die schönsten Sehenswürdigkeiten direkt vor der eigenen Haustür verborgen. Während viele in die Ferne aufbrechen, lohnt es sich, die Schätze der eigenen Region zu entdecken. Die Marksburg ist ein perfektes Beispiel dafür.
Hoch oben auf einem steilen Felsen thront sie über dem Rhein, seit Jahrhunderten unversehrt und voller Geschichten. Als einzige nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein bietet sie nicht nur atemberaubende Ausblicke, sondern auch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte und Architektur des Mittelalters. An einem milden Apriltag nutzten wir das gute Wetter für einen Besuch und waren entschlossen, die Geheimnisse dieser historischen Stätte zu erkunden.
Inhalt
Wo die Marksburg liegt und wie man sie erreicht
Die Marksburg befindet sich in Braubach am Mittelrhein in Rheinland-Pfalz, etwa zehn Kilometer von Koblenz entfernt. Auf einem markanten Felsen erhebt sie sich über den Ort und ist schon von weitem gut zu sehen. Die Anreise nach Braubach ist unkompliziert. Wer mit dem Auto unterwegs ist, erreicht die Region am bequemsten über die A3 oder A61. Von der A3 kommend führt die Ausfahrt Montabaur über die B49 Richtung Koblenz und weiter entlang des Rheins nach Braubach. Von der A61 aus bieten sich die Ausfahrten Boppard oder Koblenz an, von wo aus man ebenfalls der Rheinstrecke folgt.
Im Ort selbst folgt man der Beschilderung zur Marksburg. Die Straße windet sich in engen Kurven den Hang hinauf und endet an einem Parkplatz unterhalb der Burg.
Von dort führt ein kurzer, steiler Fußweg zur Burg. Dieser ist gut begehbar und belohnt mit immer neuen Ausblicken auf das Rheintal.
Adresse: Marksburg, 56338 Braubach
Geschichte und Hintergründe zur Marksburg
Die Ursprünge der Marksburg reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als sie erstmals urkundlich erwähnt wurde. Erbaut wurde die Höhenburg von den Herren von Eppstein. Nicht etwa als repräsentativer Wohnsitz, nein, als strategische Schutzanlage zur Kontrolle der Rheinroute. Man muss wissen, dass Besitzer einer Burg nicht nur den Schiffsverkehr kontrollierten, sondern auch die Zölle einnahmen.
Besonders die Herren von Braubach, die die Burg im 13. Jahrhundert als Lehen erhielten, prägten die Geschichte der Marksburg.
Die Lage der Burg auf einem steilen Felsen ermöglichte nicht nur eine hervorragende Sicht auf den Rhein, sondern auch eine effektive Verteidigung gegen Angreifer. 1283 ging sie in den Besitz der Grafen von Katzenelnbogen über.
Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten zahlreiche Umbauten und Erweiterungen. Die markanten Türme und die beeindruckende Zinnenkrone stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, als die Burg erheblich vergrößert wurde.
Die Marksburg kombiniert verschiedene Baustile und Elemente, die im Laufe der Zeit hinzugefügt wurden. Besonders auffällig sind die gut erhaltenen Wohnräume, die Kapelle und die große Zisterne, die für die Wasserversorgung der Burg sorgte. Charakteristisch sind die hohen Türme, dicken Mauern und der imposante Bergfried, der als Hauptturm der Burg fungiert. Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte die Burg eine Blütezeit, als sie aufwendig im Stil des Barocks umgebaut wurde.
Trotz der zahlreichen Kriege und politischen Konflikte, die die Region erschütterten, wurde die Marksburg verschont. Ein bemerkenswerter Umstand, der sie von vielen anderen Burgen im Rheintal unterscheidet.
Mittlerweile steht sie unter Denkmalschutz und ist zur Touristenattraktion geworden.
Die Marksburg gehört zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal
Rundgang durch die Marksburg
Kaum hatten wir unsere Tickets gekauft, ging es auch schon hinauf zum Fuchstor. Die Wartezeit bis zum Beginn der Führung betrug nur wenige Minuten, war aber lang genug, um die Spannung steigen zu lassen. Was würde uns hinter den Mauern der Marksburg erwarten? Die fast einstündige Führung lieferte die Antwort und überraschte mehr als einmal.
Wer die Marksburg betritt, beginnt seinen Rundgang am alten Zugbrückentor, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. Gleich daneben befindet sich die historische Torwächterstube, in der heute unter anderem historische Drucke zu bewundern sind.
Am Fuchstor wurden wir von unserem Burgführer mit einem beeindruckend großen Schlüssel empfangen.
Der eigentliche Besuch der Burg beginnt jedoch erst hinter dem Tor. Kaum waren wir durch das Fuchstor getreten, entdeckten wir eine massive Steinkugel. Sie stammte von einer Belagerungsmaschine, die einst Mauern zum Einsturz bringen sollte.
Unmittelbar hinter dem Fuchstor zog sich der Weg zusammen und wir standen vor einem Steinmassiv, die Reitertreppe. Diese liegt tief im Mauerwerk, steil und schmal, von Jahrhunderten gezeichnet. Oben endet sie an einem kleinen Absatz, von dem aus sich der Weg weiter in die Burg verzweigt.
Im Mittelalter und in den darauffolgenden Jahrhunderten war der Zugang zur Kernburg der Marksburg alles andere als komfortabel. Die Bewohner mussten sich auf eine natürliche Gegebenheit verlassen, um zur Burg zu gelangen.
Der Weg zum Burginneren führte über einen steilen, glatt geschliffenen Felsen. Dies bedeutete, dass die Menschen, die in der Burg lebten, sich auf einen mühsamen Aufstieg einstellen mussten. Für berittene Personen war dieser Zugang jedoch weniger problematisch, da sie sogar auf ihren Pferden bis zur Burg reiten konnten. Es ist leicht vorstellbar, welche Kraftanstrengung es bedeutete, wenn schwere Gegenstände, Lebensmittel oder Baumaterialien über diesen Aufstieg zur Burg gebracht werden mussten. Gerade bei nassen oder rutschigen Bedingungen erforderte dies viel Geschick.
Erst im 17. Jahrhundert, als die Nutzung von Pferden in der Burg zurückging, wurden Treppenstufen in den Felsen gehauen und die Reitertreppe erhielt ihr heutiges Aussehen.
An den Wänden entdeckten wir einige historische Wappen der verschiedenen Burgbesitzer. Jedes Wappen hat seine eigene Geschichte von Macht, Einfluss und politischen Verhältnissen der jeweiligen Zeit.
Der Gang über die Reitertreppe war für uns ein Erlebnis, auch weil die alten, abgetretenen Stufen Aufmerksamkeit erforderten. Jeder Schritt musste bewusst gesetzt werden.
Bevor wir den Aufstieg zur Kernburg fortsetzten, warfen wir noch einen Blick in die Burgschmiede, die sich direkt an der Reitertreppe befindet. Diese Schmiede ist ein faszinierendes Zeugnis vergangener Handwerkskunst und gibt den Besuchern einen Einblick in die Arbeitswelt des Mittelalters.
Der Raum ist teilweise in den Felsen gehauen, was eindrucksvoll verdeutlicht, wie eine Burgschmiede im 15. Jahrhundert ausgesehen hat. Ausgestattet mit einem Amboss, einem Blasebalg für die Esse, einer Werkbank, einem Schleifstein und einer Vielzahl an Werkzeugen, vermittelt der Raum den Eindruck, sofort wieder in Betrieb genommen werden zu können. Während der Führung erfahren wir, dass tatsächlich hier auch in der modernen Zeit echte Schmiedearbeiten durchgeführt wurden.
Der Raum hatte eine fast magische Wirkung. Es war leicht vorstellbar, dass hier einst Rüstungen und Werkzeuge gefertigt wurden.

Die Marksburg war über Jahrhunderte nicht nur Wohn- und Verwaltungsort, sondern vor allem ein militärischer Stützpunkt, der das Rheintal kontrollierte. Zwei Geschützstellungen markieren diese Funktion bis heute besonders deutlich: die Kleine Batterie und die Große Batterie. Beide Anlagen entstanden in unterschiedlichen Bauphasen, erfüllten jedoch denselben Zweck, nämlich die Überwachung der Zugänge zur Burg und die Sicherung des Flusstals.

Die Kleine Batterie entstand 1711 als Sicherungsposten für das östliche Tal und die Straße Richtung Wiesbaden. Diese strategische Positionierung war entscheidend, um mögliche Angriffe abzuwehren. Heute steht hier eine Nachbildung einer sogenannten Kammerbüchse aus dem Jahr 1450.
Bei Grabungen auf dem Batteriehof kamen die Fundamente einer Kapelle zum Vorschein, die bereits 1588 abgerissen wurde. Ihr ursprüngliches Alter ließ sich nicht eindeutig bestimmen. Möglicherweise reichen die Mauern weiter zurück als die Burg selbst.

Die Große Batterie liegt exponiert zum Rhein hin. Ihre ältere Hälfte stammt aus dem Jahr 1589, die jüngere wurde 1711 ergänzt. Die hier aufgestellten Geschütze stammen aus napoleonischer Zeit und sind nach dem Gewicht ihrer Geschosse in Zwölf- und Sechspfünder unterteilt.
Sie hatten eine Reichweite von etwa 1.000 Metern, was bedeutete, dass sie das gesamte Rheintal in seiner Breite abdecken konnten. Selbst in Friedenszeiten waren sie in Gebrauch. So wurden sie bei Besuch hochrangiger Gäste auch für Salutschüsse genutzt.
Bevor wir mit der Innenbesichtigung starteten, schlenderten wir noch durch den Kräutergarten, der sich entlang der Zwingeranlage zieht. Zwischen Mauern und Beeten öffnete sich immer wieder der Blick ins Tal.

Die 1967 geschaffene Anlage beherbergt heute eine Vielzahl von Nutz- und Zierpflanzen. Dieser Garten befindet sich in einem Teil der rund um die Burg führenden Zwingeranlage. Wir erfuhren, dass es hier während der Vegetationszeit bis zu 150 verschiedene Pflanzenarten gibt. Manche Namen sind nur aus Märchen bekannt. Und Hand aufs Herz: Wer kann sich Schierling oder Bilsenkraut vorstellen? Gott sei Dank war eine Beschilderung vorhanden, die neben alten Bezeichnungen, lateinischen Fachbegriffen auch die heutigen Namen auswies. Erstaunlich wie sich Sprache und Nutzung über die Jahrhunderte verändert haben.
Während wir ins Rheintal blickten, wies uns unser Guide auf ein Detail hin, das man leicht übersieht. An der Ostseite des gotischen Saalbaus hängt der mittelalterliche Aborterker hoch oben an der Wand. Der Saalbau wurde 1435 von den Grafen von Katzenelnbogen als zweiter Palas errichtet und prägt bis heute die Silhouette der Marksburg.
Unsere Innenbesichtigung der Marksburg beginnt traditionell im beeindruckenden Weinkeller, einem Ort, der nicht nur die Geschichte des Weinanbaus in der Region widerspiegelt. Hier, in den kühlen dunklen Gewölben lagerten edle Tropfen, die aus den umliegenden Weinbergen stammen.
Im Weinkeller wird schnell deutlich, welche Rolle Wein im mittelalterlichen Alltag spielte. Die Menschen tranken damals erstaunlich viel, denn Wein gehörte selbstverständlich auf den Tisch. Diese Mengen würden uns heute wahrscheinlich überraschen. Kein Wunder also, dass dieser Raum früher voller Fässer war. Wasser hingegen war wegen möglicher Verunreinigungen nicht immer vertrauenswürdig.
Der Weinkeller war nur der Auftakt. Danach begann eine Reihe von Räumen, die den mittelalterlichen Alltag mit jeder Tür ein Stück eindringlicher werden ließen. Einige überraschten, andere warfen Fragen auf und manche bleiben einem länger im Kopf, als man es in diesem Moment ahnt. Es war eine Entdeckungstour, die nicht nur die Vergangenheit greifbar machte, sondern auch die eigene Vorstellungskraft anregte.
Und was könnte näher liegen, als nach dem Weinkeller direkt in die Burgküche einzutreten? Über die Treppe aus dem Weinkeller gelangt man in das Erdgeschoss des Saalbaus, das Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet wurde.
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Der Raum, der sich oben öffnet war einst der Mittelpunkt des Lebens der Burgbewohner und nimmt fast den gesamten Grundriss des Gebäudes ein. Auf den ersten Blick ist direkt festzustellen, dass dieser Bereich einst eine zentrale Funktion im Alltag der Burg hatte. Wir befanden uns in der riesigen Burgküche, ein Ort, an dem Tag für Tag gearbeitet, vorbereitet und organisiert wurde. Der mächtige Kamin, die robusten Kochgeräte und die einfachen Gefäße vermitteln eine Vorstellung davon, wie hier die Mahlzeiten für die Burgbewohner entstanden. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie es in diesem Raum zur Essenszeit zuging, wenn das Gesinde zusammenkam, um gemeinsam zu essen.
Die Kemenate der Marksburg zeigt, wie viel Wert im Mittelalter auf einen geschützten, beheizbaren Wohnraum gelegt wurde. Holz, Stoffe und wenige, aber sorgfältig gearbeitete Möbel prägen den Raum.

Auf Burgen bezeichnete man jene Räume als Kemenaten, in denen überhaupt geheizt werden konnte. Ein Kamin machte sie im Winter zu den wenigen Bereichen, in denen es einigermaßen warm war. Gegenüber dem Bett befindet sich eine breite Sitznische mit Fenster, so dass dieser Teil des Raums häufig zum Lesen oder für Handarbeiten genutzt wurde.
Die Truhe mit der Inschrift MAS ELB Anno 1777 folgt einem typischen Muster des 18. Jahrhunderts. Zwei Initialensätze und ein Jahr, wie man es häufig auf Aussteuer- oder Besitztruhen findet. Die Wandteppiche zeigen Szenen mit Menschen und Tieren, dekorativ und erzählerisch zugleich.
Wir haben die Kemenate als einen ruhigen, privaten Raum wahrgenommen, fern von allem, was die Burg sonst bestimmt.
Von diesem privaten Bereich aus führte der Weg weiter in den Rittersaal, wo das Leben der Burg eine ganz andere Dimension bekam. Hier zeigt sich die Marksburg von ihrer öffentlichen Seite. Über Jahrhunderte war dieser Raum Mittelpunkt des höfischen Lebens. In diesem Saal wurde beraten und verhandelt, man nahm üppige Mahlzeiten ein, empfing Gäste und feierte kräftig.
Wer jetzt denkt, dass die lange Tafel bei Feiern eher hinderlich war, liegt falsch. Sie wurde für die Mahlzeiten aufgebaut und anschließend wieder hinausgetragen. Ob hier wohl die alte Redewendung, man habe “die Tafel aufgehoben”, ihren Ursprung hat?
Auch die praktischen Seiten des höfischen Alltags blieben hier nicht außen vor. Und wenn sich nach dem Mahl ein gewisses menschliches Drängen nach Erleichterung bemerkbar machte, öffnete man die Tür im Rittersaal und folgte dem schmalen Mauergang zum Aborterker, der weit über dem Zwingergraben auskragt. Dort saß man in einer gemauerten Nische mit kleinem Fenster – schlicht, funktional und erstaunlich konsequent im Verzicht auf jeden Luxus.

Selbst hier oben bringt es die Außenwand noch auf über drei Meter Stärke. Das Gelände fällt unterhalb der Burg so steil ab, dass die Mauern ordentlich Masse brauchten, um das alles zu tragen.
Vom Rittersaal aus liefen wir durch einen schmalen Gang, gespannt darauf, was uns als nächstes erwartete. Die Atmosphäre veränderte sich und am Ende des Ganges standen wir in einer kleinen Burgkapelle, die uns auf eine unaufdringliche Weise beeindruckte.
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Im Kapellenturm (1372) verbirgt sich der kleine geistliche Rückzugsort der Marksburg. Die Kapelle wirkt auf den ersten Blick eher bescheiden, doch ihr zehnteiliges spätgotisches Gewölbe zeigt, wie viel Sorgfalt man hier einst investierte. Große Menschenmengen mussten in ihr ohnehin nicht untergebracht werden, denn im Alltag lebten nur wenige Personen auf der Burg. Zur Messe kamen lediglich der Burggraf und seine Familie.
In einer seitlichen Nische steht heute eine Replik einer Madonna von 1445, die einen Eindruck davon vermittelt, wie die Kapelle einst ausgestattet war.
… und wieder ging es durch einen schmalen Gang. Die Stufen aus blankgetretenem Stein, das Geländer schlicht und das Licht reduziert. Alles wirkte zweckmäßig. Gerade diese Schlichtheit macht deutlich, wie funktional die Burg über Jahrhunderte genutzt wurde. Wir gelangten zunächst zur Waffenstube.
Nachdem wir alle Waffen inspiziert hatten, besichtigten wir die Rüstkammer, die sich im Rheinbau (1706) befindet. Dieser wurde als letztes Gebäude innerhalb der Kernburg errichtet.
In diesem Raum befindet sich die ‘Gimbelsche Sammlung’, eine Reihe von vierzehn lebensgroßen Figuren aus dem Jahr 1880. Dieses Ensemble gilt als selten und kunsthistorisch bedeutsam, weil es die Entwicklung des gepanzerten Kriegers über viele Jahrhunderte hinweg nachvollziehbar macht. Für die dargestellten Rüstungen wurden sowohl Rekonstruktionen als auch Originalteile verwendet.



Nach der Rüstkammer konnten wir kurz mal wieder frische Luft schnappen. Zunächst führte uns der Weg über eine Treppe zwischen zwei Gebäuden nach oben. Das Mauerwerk zu beiden Seiten wirkte solide und alt. Ein kurzer aber gut begehbarer Weg, der uns weiter in den inneren Bereich der Burganlage leitete.
Oben auf dem Felsen erhebt sich der fast 40 Meter hohe Bergfried. Der untere Teil stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert. Erst später ergänzte man den runden Aufsatz, eine in südlichen Regionen übliche Form. Man sprach damals von Butterfasstürmen. Der Bergfried diente nicht nur als Aussichtspunkt, sondern auch als Rückzugsort in Ausnahmesituationen. Das im unteren Geschoss gelegene Verlies sowie der Turm selbst sind nicht zugänglich, da die damalige Bauweise den heute geltenden Vorschriften nicht entspricht. Die Treppen sind zu eng und der Bergfried verfügt nur über einen einzigen Zugang.
Der Rundgang nahm nun eine deutlich düsterere Wendung. Wir kamen zur Folterkammer im Romanischen Palas, einem Raum, der schon im Vorfeld für gemischte Gefühlte gesorgt hatte. Was uns dort wohl erwarten würde? Der Raum, den wir betraten, liegt im Keller des Palas. Im Mittelalter standen hier die Tiere, die für den steilen Aufstieg zur Burg benötigt wurden. Deshalb wurde er auch als Pferdestall bezeichnet.
Kalter Stein, gedämpftes Licht. Hier regierte das Grauen tief im Inneren der Marksburg! In der Folterkammer wurde nicht nur Recht gesprochen, sondern unter Schmerzen Geständnisse erzwungen. Zwischen den Schatten der Vergangenheit stehen sie noch immer: Der Streckbock, die eiserne Maske, der Daumenschraubstock. Werkzeuge, die einst nicht nur Körper brachen, sondern auch den Willen. Die Folter war damals Teil der Rechtsprechung, sie war ein Ritual der Einschüchterung. Wer hier landete, hatte meist schon verloren. Nachdem uns alles ausführlich erklärt worden war, verließen wir den Raum, denn niemand wollte an diesem Ort länger als nötig verweilen.
Mit der Besichtigung der Folterkammer endete ein insgesamt sehr interessanter und absolut empfehlenswerter Rundgang durch die Marksburg.
Wie die Marksburg zu ihrem Namen kam
Der Sage nach lebte auf der Burg einst Elisabeth, die mit dem Ritter Siegbert von Lahneck verlobt war. Als Siegbert im Krieg verschwand und man ihn für tot hielt, tauchte ein angeblicher Vetter namens Rochus auf und gewann Elisabeths Vertrauen. Eine Hochzeit wurde geplant.
Kurz vor der Trauung soll der Heilige Markus den Priester gewarnt haben: Rochus sei der Teufel. Als der Geistliche ihm ein Kreuz entgegenhielt, verschwand Rochus in der Tiefe. Elisabeth zog sich ins Kloster zurück. Zu Ehren des Heiligen Markus erhielt die Burg ihren Namen: Marksburg.
Tipps für den Besuch der Marksburg
Besichtigung
Die Marksburg kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden.
Öffnungszeiten
Sommersaison (April – Oktober)
• Öffnungszeiten: 10.00 – 17.00 Uhr
• Führungen finden regelmäßig statt
Wintersaison (November – März)
• Öffnungszeiten: 11.00 – 16.00 Uhr
• Führungen finden regelmäßig statt
Eintrittspreise
Erwachsene: 11,00 Euro
Kinder unter 6 Jahren: frei
Kinder bis 15 Jahre: 8,00 Euro
Familienkarte: 24,00 Euro
Parkgebühren
Die Gebühr für den Parkplatz unterhalb der Burg beträgt je PKW 4,00 Euro. Motorräder kosten 2,00 Euro. Wohnmobile und Reisebusse bezahlen 8,00 Euro.
Hinweis: Alle Angaben entsprechen dem Stand 2025 und können sich ändern. Bitte prüfe aktuelle Informationen auf der offiziellen Webseite.
Gut vorbereitet zur Marksburg
Viele unterschätzen den Anstieg zur Marksburg. Der Weg ist zwar gut machbar, aber stellenweise steil. Auf dem Burggelände gibt es Kopfsteinpflaster und viele Stufen.
Mit festem Schuhwerk läuft es sich deutlich entspannter.
Wie immer gilt auch hier unser Motto: Früh kommen lohnt sich! Wer früher startet, hat meist kürzere Wartezeiten und mehr Ruhe beim Rundgang.
Der Aufstieg und Teile des Burggeländes liegen im Freien. Ein leichter Regenschutz oder Sonnenschutz kann je nach Jahreszeit hilfreich sein.
Warum sich ein Besuch lohnt
Die Marksburg hat uns rundum überzeugt. Ihre Lage hoch über dem Rhein, die eindrucksvolle Silhouette und die Atmosphäre innerhalb der Mauern machen sie zu einem besonderen Ausflugsziel. Wer sich für Geschichte interessiert oder einfach einen schönen Ort mit weitem Blick über das Mittelrheintal erleben möchte, ist hier genau richtig.
Für uns steht fest: Die Marksburg gehört zu den Burgen, die man auf jeden Fall einmal gesehen haben muss. Einen Besuch können wir uneingeschränkt empfehlen.
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