Abseits ausgetretener Pfade: Siziliens Bergdörfer
Warum nicht einmal statt über die Küstenstraße quer durch das Gebirge fahren? Nach der Besichtigung der Alcantara Schlucht entschlossen wir uns für einen anderen Rückweg nach Taormina, als bei der Hinfahrt.
Über eines muss man sich allerdings im Klaren sein, die Strecke dauert fast doppelt so lange, ist dafür aber umso spektakulärer.
Fernab der üblichen Touristenrouten schlängelten wir uns entlang der Berghänge und bewältigten enge Straßen mit zahlreichen Serpentinen.
An malerischen kleinen Dörfern mangelt es auf Sizilien nicht. Hin und wieder hat man den Eindruck, sie seien einem Märchen entsprungen. Gerade dies macht die Ortschaften mit ihren historischen Gebäuden, einer bewegenden Geschichte, verwinkelten Gassen und tollen Aussichten so interessant.
Inhalt
Randazzo – Mittelalterliches Zentrum mit schöner Aussicht auf den Ätna
Randazzo ist eine typisch sizilianische Stadt im Nordosten der Insel. Da sie in der Nähe des Ätna auf einem Hügel thront, gibt es von dieser nicht nur faszinierende Blicke auf die markante kegelförmige Form des Ätna. Dieser ist noch aktiv, weshalb Randazzo auch spektakuläre Ausblicke auf die austretenden Rauchwolken und Lavaflüsse bietet.
Da die Stadt Randazzo in ihrer Blütezeit über etwas mehr als 100 Kirchen und Kapellen verfügte, wurde sie auch als das Siena Siziliens bezeichnet.

Teilweise wurde für den Bau der Kirchen der dunkle Lavastein genutzt. Dies ist zwar praktisch, da das Material vor Ort ist, aber es ist nicht unbedingt das schönste für einen Kirchenbau.
Der Grund, warum man auch heute noch bei einem Spaziergang durch das mittelalterliche Zentrum drei Kirchen besichtigen kann liegt darin, dass es in der Stadt bis zum 16. Jahrhundert drei christliche Gemeinden gab. Dies waren eine griechische, eine lateinische und eine lombardische Glaubensgemeinschaft.

Randazzo war im 12. Jahrhundert von einer Stadtmauer umgeben, die sich über mehrere Kilometer hinzog. Leider ist nur noch ein Teil von ihr erhalten geblieben. Möglichkeiten, in die Stadt zu kommen, gab es mehr als genug, denn die Mauer hatte insgesamt zwölf Stadttore.
Von den acht Wachtürmen existiert nur noch einer. Der Il Castello befindet sich auf der Piazza San Martino.

Nur etwa 15 Kilometer vom Ätna entfernt und dennoch hat das kleine Städtchen Glück gehabt, es blieb größtenteils von den Ausbrüchen verschont.
Novara di Sicilia – Eines der bezauberndsten Bergdörfer Siziliens
Ein weiterer Anreiz ist das beschauliche Dorf Novara di Sicilia. Wenn du im Sommer das Dorf besuchst, wirst du es allein schon wegen der erfrischenden Temperaturen lieben.
Es befindet sich an der Grenze zwischen dem Nebrodi-Gebirge und dem Peloritani-Gebirge in 670 Metern über dem Meeresspiegel. Von der Nordküste sind es einige Kilometer landeinwärts bis Novara di Scilia.
Die Einwohner sind hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig oder betreiben ein Handwerk.
Einer Erzählung nach sollen hier einst Zyklopen gelebt haben. Jedoch ist in der gesamten Stadt kein Hinweis darauf zu finden.

In Novara di Sicilia befand sich an einem Steilhang eine Burg, von der heute nur noch ein paar Ruinen zu besichtigen sind. Der Blick bis hin zum Meer ist fabelhaft.
Im historischen Zentrum befindet sich die Kathedrale Santa Maria Assunta.

Wie viele andere Gebäude wurde die Kirche aus Sandstein erbaut. Sie stammt aus dem Jahr 1400 und wurde Maria SS. Assunta geweiht. Der majestätische Glockenturm (18. Jahrhundert) überragt die Häuser.
Neben der Kathedrale gibt es noch die Kirche San Giorgio, die allerdings entweiht wurde. Im Inneren ist sie beispielsweise mit zwölf monolithischen Säulen im korinthischen Stil ausgestattet.
Der größte Teil der Gebäude von Novara di Sicilia stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde seither nicht wesentlich verändert.
Novara di Sicilia ist nicht nur eins schönsten Dörfer Siziliens, es wird auch unter den schönsten Dörfer Italiens aufgeführt.
Der Rocca Novara ist nicht der höchste Berg, dennoch erhebt er sich markant hinter dem Dorf. Eine Wanderung zu dessen Gipfel wird mit einem traumhaften Blick auf das Meer belohnt. Wegen der Form wird er häufig als „Matterhorn von Sizilien“ bezeichnet.
Tradition in Novara di Sicilia
Novara di Sicilia hat neben dem sehenswerten Dorf auch Kulinarisches zu bieten. So gibt es dort beispielsweise den berühmten Maiorchino-Käse.
Maiorchino-Käse ist ein typischer Käse der Region, der aus Schafsmilch hergestellt wird.
Selbstverständlich gibt es dazu auch eine Tradition, ja sogar ein richtiges Spektakel. Einmal im Jahr, und zwar regelmäßig im Februar (meist zu Karneval) werden alte Käselaibe durch die engen Gassen des Bergdorfes gerollt. Da diese nicht nur eng, sondern auch steil sind, kannst du dir vorstellen, dass es hierbei sehr lebendig zugeht.
Es werden mehrere Teams zusammengestellt, die aus jeweils drei Spielern bestehen. Von der Via Duomo aus soll der Käse ungefähr zwei Kilometer durch die Stadt bewegt werden. Hierzu wird um den Käse ein ca. 1,20 Meter langes Band gezogen. Dieses wird beim Wegstoßen des Käselaibs abgerollt, damit er extra Schwung erlangt.
Der Käse kugelt hierbei nicht einfach nur die Straße hinunter, er muss auch über Stufen hüpfen.
Am Schluss wird traditionell der Sieger gefeiert.
Von Novara di Sicilia aus geht es wieder Richtung Taormina. Bevor wir das Hotel erreichten legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein.
Capo Taormina
Capo Taormina, ein atemberaubendes Kap gehört zur Gemeinde der Hauptstadt Taormina.
Das malerische Ausflugsziel ist für seine natürliche Schönheit und historische Bedeutung bekannt. Seine Geschichte geht zurück bis in die Antike.

Durch die gute Lage wurde es zu einem wichtigen Standort. Nicht nur für die Verteidigung, sondern auch hinsichtlich der Kontrolle der Schifffahrtsrouten.
Der Torre Sant’Andrea ist ein Wachturm aus dem Mittelalter. Er ist heute noch als historisches Wahrzeichen zu besichtigen. Auch er diente zum Schutz der Küste. Von ihm aus sollten die Piraten in Schach gehalten werden.
Jedes Dorf hat seinen eigenen Charme und wartet darauf, entdeckt zu werden
Nach der Tour durch das Gebirge sind wir der Auffassung, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat.
Der Besuch der Dörfer hat uns einen Einblick in das Leben der Einwohner gegeben, die im Übrigen Touristen gegenüber äußerst freundlich und jederzeit zu einem kleinen Plausch bereit sind. Der ein oder andere hat sich sogar als Touristenführer betätigt und einiges gezeigt und erklärt.
Wir können dir nur empfehlen: Wage es, dich einmal abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen und lasse dich von der wahnsinnig schönen Natur überraschen.

Den Tag haben wir zunächst am Hotel-Pool ausklingen lassen. Nach dem Abendessen haben wir die Ausrüstung für den nächsten Tag zusammengepackt, denn an unserem letzten Urlaubstag wollten wir den Ätna bezwingen.
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