Pura Besakih: Der Muttertempel Balis
Keine Zeit zum Verschnaufen: Unsere Reise auf Bali begann direkt mit einem echten Highlight, dem Pura Besakih. Er ist der größte und bedeutendste Tempel der Insel.
Kaum gelandet, ließen wir die Küste hinter uns und fuhren hinauf in die Berge. Dort, am Hang des mächtigen Vulkans Gunung Agung erstreckt sich der Pura Besakih, auch bekannt als der “Muttertempel” Balis. Die Fahrt dorthin war kurvenreich, gesäumt von üppigem Grün und kleinen Dörfern, die sich sanft in die Landschaft schmiegten. Je näher wir dem Tempel kamen, desto mehr wuchs unsere Neugier.
Inhalt
- Wo liegt die Tempelanlage Pura Besakih?
- Geschichtlicher Einblick
- Verwirrung in der Tempelanlage
- Unterwegs in der Tempelanlage Pura Besakih
- Lohnt sich ein Besuch der Tempelanlage Pura Besakih?
- Zeremonien und Feste
- Praktische Tipps für den Besuch im Pura Besakih
- Pura Besakih kurz erklärt
- Zwischenstopp im Hochland
Wo liegt die Tempelanlage Pura Besakih?
Der Pura Besakih liegt im Osten Balis, eingebettet in die grüne Hügellandschaft am Südwesthang des majestätischen Vulkans Gunung Agung. Dies ist der höchste und heiligste Berg der Insel. Von den touristischen Zentren im Süden führt der Weg vorbei an Reisfeldern und üppigem Dschungel. Je weiter wir uns vom Küstentrubel entfernten, desto ruhiger und ursprünglicher wurde die Umgebung.
Der Tempel selbst thront auf fast 1.000 Metern Höhe und bietet beeindruckende Ausblicke auf die umliegende Landschaft. Diese ist hier weniger touristisch, dafür aber umso authentischer.
Für die Fahrt sind je nach Ausgangsort zwischen 1,5 und 2,5 Stunden einzuplanen.
Der Vulkan zeigt sich nur vollständig bei klarer Sicht, die hier nicht immer vorhanden ist. Nebel hüllt den Vulkan häufig ein.
Geschichtlicher Einblick
Die Ursprünge von Pura Besakih reichen vermutlich bis ins 8. Jahrhundert n. Chr. zurück. Damals war die Anlage wahrscheinlich noch eine einfache hinduistische Kultstätte, errichtet von wandernden Priestern. Über die Jahrhunderte entwickelte sich daraus das bedeutendste religiöse Zentrum der Insel, das heute als Muttertempel verehrt wird.
Ein besonders dramatisches Ereignis geschah 1963. Während der Zeremonie Eka Dasa Rudra, die nur alle hundert Jahre gefeiert wird, brach der Vulkan Gunung Agung aus. Hierdurch wurde ein großer Teil der Umgebung verwüstet. Viele Menschen starben und tausende Balinesen verloren ihr Zuhause. Erstaunlicherweise blieb der Muttertempel trotz des gewaltigen Ausbruchs verschont. Vielleicht war es genau dieser Moment, der Pura Besakih endgültig zum spirituellen Herz der Insel machte.
Verwirrung in der Tempelanlage
Was steckt wirklich hinter dem Namen Pura Besakih? Viele nennen ihn einfach “Pura Besakih”, was durchaus nachvollziehbar ist. Denn dieser Name hat sich für den gesamten Tempelkomplex etabliert, der aus über zwanzig einzelnen Anlagen besteht. Doch genau genommen ist der Pura Penataran Agung das spirituelle Zentrum. Er ist das Hauptheiligtum, in dem die wichtigsten Zeremonien stattfinden. Zudem wird er als Sitz der höchsten Gottheit verehrt.
Ich erinnere mich noch gut daran, als wir vor dem imposanten Eingang standen und den Namen Pura Penataran Agung Besakih lasen. Kurz waren wir irritiert. War das nun ein anderer Tempel als geplant? Nein, ganz und gar nicht! Wenn in Reiseführern vom Pura Besakih die Rede ist, und dabei die Bezeichnung Pura Penataran Agung Besakih auftaucht, liegt keine Verwechslung vor. Es ist schlicht die präzisere Bezeichnung für das Herzstück dieses heiligen Ortes.
Unterwegs in der Tempelanlage Pura Besakih
Der Pura Besakih ist eine weitläufige, terrassenförmig angelegte Tempelstadt. Sie setzt sich aus drei Haupttempeln, ungefähr 30 Nebentempeln und über 200 einzelnen Bauwerken zusammen. Eindrucksvolle Tempeltürme und kunstvoll verzierte Schreine schmiegen sich harmonisch an den Hang des 3.142 Meter hohen Vulkans.
Der Weg zum Tempel führte uns über eine breite, steil ansteigende Steintreppe nach oben. Dort angekommen standen wir vor einem typisch balinesischen Tor. Dieses gespaltene Eingangstor, das wie zwei spiegelbildliche Hälften eines Ganzen wirkt, symbolisiert den Übergang vom weltlichen zum spirituellen Raum.
Candi Bentar

Das Candi Bentar ist ein charakteristisches balinesisches Eingangstor. Es wirkt, als sei ein ursprünglich geschlossenes Tor in der Mitte gespalten worden. In Wirklichkeit ist es ein bewusstes architektonisches Symbol.
Das Tor selbst hat keine Tür. Der offene Raum dazwischen lädt dazu ein, eine Schwelle in den spirituellen Tempelbereich zu überschreiten. Die kunstvoll verzierten Steinreliefs spiegeln die balinesische Ästhetik und religiöse Symbolik wider.
Pura Penataran Agung
Der Pura Penataran Agung Besakih ist der Haupttempel innerhalb des weitläufigen Tempelkomplexes von Besakih. Seine Nähe zum Gunung Agung wurde bewusst gewählt, um ihm eine besondere spirituelle Kraft zu verleihen. Unser Guide erklärte uns, dass der Berg als Sitz der Götter gilt. Der Tempel wurde so ausgerichtet, dass er eine symbolische Verbindung zwischen Himmel und Erde schafft.
Pura Penataran Agung ist ein Komplex mit 80 eigenen Tempeln, die sich terrassenförmig den Hang hinaufziehen. Der Haupttempel selbst besteht aus mehreren Höfen, die durch Tore voneinander getrennt sind. In die Tempel durften wir nicht, denn nur Gläubigen ist es erlaubt, die innersten Bereiche zu betreten. Besucher können sich auf den Höfen umsehen. Aber allein das war schon sehr beeindruckend und wir wussten teilweise nicht, wohin wir zuerst schauen sollten. Die Tempelbauten sind reich mit traditionellen Ornamenten, Götterfiguren und symbolischen Elementen verziert. Sie bilden Geschichten aus der hinduistischen Mythologie ab.
Der Tempel zieht die Touristen magisch an, denn er ist Schauplatz zahlreicher Zeremonien. Gläubige aus ganz Bali pilgern hierher. Dies ist ein Ort, an dem alle Kasten und Gemeinschaften jederzeit willkommen sind. Fast täglich finden die farbenprächtigen Zeremonien statt, bei denen weiß gekleidete Gläubige in stiller Andacht ihre Opfergaben zum Tempel hinauftragen. Die Luft ist geschwängert mit dem süßlich-herben Duft der Räucherstäbchen, der sich zwischen den Tempelmauern ausbreitet. Während die Gläubigen in stiller Hingabe ihre Götter verehren, entsteht eine Atmosphäre voller Ehrfurcht und innerer Ruhe. Dieses Ritual mitzuerleben, eingebettet in die Klänge der Gebete und das rhythmische Murmeln der Zeremonien, war sehr bewegend.
Pura Pangu Bengan
Wer sich zum höchsten Punkt des Besakih-Geländes aufmacht, verlässt allmählich die geschäftige Welt der Haupttempel. Oben angekommen, eröffnet sich ein Ort von stiller, fast entrückter Wirkung. Hier ist es ganz anders als in der Nähe der belebten Haupttempel weiter unten. Kein Trubel, keine Zeremonien mit lauten Gongschlägen. Stille, Wind und ein weiter Blick über die Hänge des Gunung Agung. Einer der zahlreichen Nebentempel ist der Pura Pangu Bengan.
Wie jeder Tempel innerhalb dieser heiligen Anlage erfüllt auch er eine ganz eigene spirituelle Funktion. Er steht allen Glaubensrichtungen offen. Ganz gleich, welcher religiösen Tradition man folgt, jeder ist willkommen.
Im Gegensatz zu den anderen Tempeln liegt dieser schon fast etwas versteckt. Der Aufstieg ist steil, die Treppen alt und unregelmäßig.

Wann der Pura Pangu Bengan errichtet wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Er gehört zu den späteren Erweiterungen der Tempelanlage, die seit Jahrhunderten als spirituelles Zentrum Balis gilt. Doch hier oben scheint das genaue Baujahr ohnehin keine Rolle zu spielen. Was wirklich zählt, ist die Atmosphäre und die ist zeitlos. Vielleicht liegt seine Kraft gerade in dieser stillen, unaufdringlichen Präsenz.
Beim Ausbruch des Gunung Agung 1963 bliebt der Tempel unversehrt, obwohl die Lava ihm gefährlich nahe kam. Viele Balinesen sehen darin ein Zeichen dafür, dass dieser Ort unter einem besonderen Schutz steht.
Von hier oben eröffnet sich ein toller Blick über die Tempelanlage. Die dunklen, mehrstöckigen Dächer heben sich markant vom satten Grün ab. Traditionelle Pagoden wirken wie stille Wächter in der tropischen Vegetation. Hinter dem Tempel breitet sich eine scheinbar endlose Weite aus. Eine Landschaft aus Dschungel, Palmen und sanften Hügeln, die sich bis zum Horizont erstreckt. Der Kontrast zwischen der kunstvollen Architektur und der grünen Landschaft ist beeindruckend.
Pura Besakih ist mehr als nur ein Tempel
Was auf den ersten Blick wie ein einzelner Tempel erscheint, entpuppt sich schnell als eine weitläufige spirituelle Anlage. Rund um den Haupttempel erstreckt sich ein komplexes Netz aus Schreinen und Nebentempeln, die jeweils bestimmten Dorfgemeinschaften oder Clans zugeordnet sind. Jeder Balinese gehört einem dieser Clans an und somit auch einem bestimmten Tempelhof. Die Höfe sind von Mauern umgeben. Wer nicht zur jeweiligen Gemeinschaft gehört, darf bestimmte Bereiche nicht betreten. Neben diesen Clan-Tempeln existieren sogar für Fürstenfamilien eigene Bereiche.
Das Zusammenspiel von Glauben, Tradition und sozialer Ordnung ergibt ein vielschichtiges Bild, das sich nicht jedem sofort erschließt. Doch auch ohne tiefere Einblicke in die balinesische Kultur hinterlässt Pura Besakih einen starken Eindruck. Atmosphäre, Architektur und Rituale machen deutlich, wie tief dieser Ort im Leben der Menschen verwurzelt ist.
Lohnt sich ein Besuch der Tempelanlage Pura Besakih?
Absolut: Der Besuch ist bei einer Bali-Reise ein Muss! Schließlich handelt es sich hier um einen der ältesten, größten und heiligsten Tempel der Insel. Die Anlage beeindruckt nicht nur durch ihre Größe. Ihre Lage am Hang des Gunung Agung ist ebenfalls beeindruckend. Auch die spirituelle Atmosphäre überträgt sich sofort auf die Besucher.
Für uns hat sich der Besuch definitiv gelohnt. Die Stimmung vor Ort war besonders eindrucksvoll. Es war ein Erlebnis, das weit über das reine Sightseeing hinausging und lange nachwirkt.
Besonders schön ist: Du musst deinen Besuch nicht auf einen bestimmten Tag legen, denn Zeremonien finden hier täglich statt. So bekommst du fast immer einen authentischen Einblick in das religiöse Leben der Balinesen.
Wer solche Tempelanlagen besucht, sollte eine gewisse Offenheit und Affinität für spirituelle Orte mitbringen. Denn hier geht es nicht nur um beeindruckende Architektur, sondern um lebendige Tradition, tief verwurzelte Rituale und eine Kultur, die bis heute mit großer Hingabe gepflegt wird. Solche Orte sind zu wertvoll und faszinierend, um sie lediglich im Vorbeifahren mit einem schnellen Foto abzuhaken. Sie verdienen Zeit, Aufmerksamkeit und ehrliches Interesse.
Zeremonien und Feste
Eka Dasa Rudra ist eine der bedeutendsten Zeremonien. Sie findet nur alle 100 Jahre statt und richtet sich nach dem balinesischen Mondkalender.
Bathara Turun Kabeh – das große Fest wird einmal jährlich im zehnten Mondmonat gefeiert. Meistens ist dies im März oder April. Hunderte Gläubige versammeln sich, um alle Gottheiten des Tempels zu ehren.
Die Feste sind tief im balinesischen Hinduismus verwurzelt und ziehen nicht nur Einheimische, sondern auch viele spirituell interessierte Reisende an.
Praktische Tipps für den Besuch im Pura Besakih
Bevor du dich auf den Weg zum Pura Besakih machst, lohnt es sich, ein paar Dinge zu wissen.
Öffnungszeiten
Der Tempel ist täglich in der Regel von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. (Stand: 2025)
Eintritt & Tickets
Für ausländische Besucher kostet der Eintritt zwischen 150.000 IDR (etwa 8,00 Euro).
Tipp: Bei organisierten Touren ist der Eintritt oft bereits enthalten. Vor Ort kann man auch lokale Guides buchen, die spannende Einblicke geben. Die Sprache ist meistens Englisch.
Gelände & Zeitplanung
Die Anlage ist weitläufig und besteht aus mehreren Ebenen, die sich den Hang hinaufziehen. Plane mindestens drei bis vier Stunden ein. Dies gilt besonders, wenn du gerne fotografierst und du daran interessiert bist, dir eine Zeremonie anzuschauen. Der Aufstieg ist nicht besonders anstrengend. Allerdings sind die Wege teils uneben und steinig.
Kleidung & Verhalten
Pura Besakih ist ein heiliger Ort. Respektvolle Kleidung ist Pflicht, Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Am Eingang erhältst du bei Bedarf einen Sarong, den du über deiner Kleidung tragen kannst.
Feste Schuhe sind empfehlenswert, Flip-Flops eher ungeeignet.
Sonstiges
Sonnencreme, Wasser und eine Kopfbedeckung sind wichtig. Schatten gibt es nicht viel. Je nach Jahreszeit kann ein Regenschutz ebenfalls sinnvoll sein.
Pura Besakih kurz erklärt
- “Pura” ist die balinesische Bezeichnung für einen hinduistischen Tempel.
- Besakih ist der größte und bedeutendste Tempelkomplex auf Bali, der oft als Muttertempel bezeichnet wird.
- Die Ursprünge reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück.
- Der Tempel liegt am Hang des heiligen Vulkans Gunung Agung, der als Sitz der Götter gilt.
- Pura Besakih ist ein zentraler Ort für Zeremonien und spirituelle Feste.
Zwischenstopp im Hochland
Manchmal überrascht nicht der Zielort, sondern der Weg dorthin. Die nächste Etappe fühlte sich nicht mehr nach dem Bali an, das wir bis dahin kennengelernt hatten. Weniger Palmen, mehr Vulkangestein – weniger Trubel, mehr Weite. Es wurde stiller, kühler, ursprünglicher. Am Ende wartete der Lake Batur in Kintamani auf uns: rau und eindrucksvoll!
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