Mérida: Tor zur Welt der Maya
In Mérida kamen wir erst am späten Nachmittag an. Obwohl es die Hauptstadt der Halbinsel Yucatán ist, haben wir die Stadt lediglich als Zwischenstopp genutzt.
Letztendlich haben wir uns in Kabah doch länger umgeschaut, als ursprünglich geplant. Daher machten wir während der Fahrt nach Mérida eine Pause. Diese wollten wir dazu nutzen, eine Kleinigkeit zu essen. Entgegen des geplanten Ziels schlug unser Reiseleiter vor, in einem Restaurant eines Freundes am Strand zu stoppen. Wir waren einverstanden … leider.
Inhalt
Gourmet-Falle: Die bizarre Fischsuppe
Der kleine Imbiss sah recht nett aus und wir waren gespannt, was uns hier erwarten würde. Am Tisch neben uns saßen Reisende aus Hamburg. Nach dem Motto, alles frisch aus dem Meer, haben sie sich eine Fischsuppe bestellt. Wir taten es ihnen gleich. Während wir warteten, tauschten wir gegenseitig unsere Erlebnisse über die Reise aus, was recht spannend war.
Achtung, die Fischsuppe kommt! Das Entsetzen war groß. Wir trauten unseren Augen nicht. Die Teller waren mit heißem Wasser gefühlt. Darin lag ein kompletter Fisch mit Kopf und Schwanz. Das Gericht war zusätzlich mit etwas “Suppengrün” garniert. Zwischen Kellner und den Gästen am Nebentisch entbrannte eine heiße Diskussion darüber, wie eine Fischsuppe auszusehen hat. Letztendlich wanderten die Fische in dem Wasser wieder zurück in die Küche.
Wir stornierten unsere Bestellung und entschieden uns, erst am Abend in Mérida etwas zu essen. Dies fällt dann wohl in die Kategorie „Wenn einer eine Reise tut …“.
Schnell beruhigten sich die Gemüter am Nachbartisch, die Stimmung war wieder fröhlich. Da wir alle das gleiche Ziel hatten, machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Mérida.
Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, wollten wir uns noch ein wenig in der Stadt umsehen. Unser Reiseleiter sagte, dass es sich um die sicherste Stadt Mexikos handelt. Daher sprach nichts dagegen, dass wir alleine loszogen.
Wissenswertes über Mérida
Mérida lockt durch eine entspannte Atmosphäre, die reich an kultureller und kosmopolitischer Vielfalt ist. Heute ist die Stadt deutlich geprägt von europäischen Einflüssen.
Über viele Jahre hinweg war sie weitgehend isoliert vom Rest Mexikos. Dennoch stammen viele Einwohner von den Maya ab. Sie pflegen eine tiefe Verbundenheit und haben großen Respekt vor ihren Vorfahren.
Schon zu Zeiten der Maya befand sich an der Stelle der heutigen Stadt Mérida eine Siedlung mit beeindruckenden Tempelpyramiden.
In den 1540er Jahren traf die Maya-Stadt T’ho ein unheilvolles Schicksal. Francisco de Montejo kam mit seinen Truppen und drang in die Siedlung ein. Mit der Übernahme der Maya-Stadt durch die spanischen Eroberer begann eine neue Ära.
Brutal und gnadenlos gingen sie hierbei vor. Die imposanten Bauwerke der Maya wurden zerstört. Stattdessen errichteten die Eindringlinge neue Prachtbauten.
Von Mérida aus nahmen die Eroberer die gesamte Halbinsel Yucatán in Beschlag.
Heute wird die Stadt häufig als Ausgangspunkt für Touren zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung genutzt.
Was gibt es in Mérida zu sehen?
Die ehemalige Maya-Stadt begeistert mit ihrer Kolonialarchitektur, die sich entlang einer eleganten Allee befindet. Der Paseo de Montejo lädt zum Flanieren ein.
Mérida wird auch die „Weiße Stadt“ genannt. Diesen Namen verdankt sie den markanten Bauwerken, die aus dem strahlend hellen Kalkstein der Region errichtet wurden.
Plaza Mayor
Wie in allen mexikanischen Städten üblich, findet ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens auf den großen Plätzen statt. Diese befinden sich meistens im Herzen der Stadt.
Als wir am frühen Abend den Plaza Mayor betraten, wurden wir sofort an die aktuelle Jahreszeit erinnert.
Es war ein surrealer Moment. Wir standen inmitten einer tropischen Idylle während in Deutschland der Winter Einzug hielt und Weihnachten vor der Tür stand.
Der Plaza Mayor wird als das pulsierende Herz Méridas bezeichnet, denn hier findet das soziale und kulturelle Leben statt.
Umrahmt von historischen Bauwerken wie beispielsweise die Kathedrale und das Rathaus, zieht der Platz sowohl Einheimische als Touristen magisch an.
Später am Abend verwandelte sich der Platz in einen Ort der Geselligkeit. Die Menschen kamen, um Musik zu hören, zu tanzen oder einfach nur um miteinander zu sprechen.
Da wir mittags nichts gegessen hatten, probierten wir in einem Restaurant die lokale Küche. Dabei hatten wir Gelegenheit, das bunte Treiben auf dem Platz zu beobachten.
In vergangenen Zeiten war der Platz das Herz der Maya-Stadt T’ho. Die Ureinwohner nutzten ihn als religiöses Zentrum. Durch die Eroberung der Spanier erfuhr nicht nur die Stadt, sondern auch der Platz eine dramatische Veränderung. Er wurde umfunktioniert zum Plaza de Armas, einem Paradeplatz.
Morgens und abends versammeln sich die Menschen, um einer Zeremonie beizuwohnen, die fast schon eine elektrisierende Spannung ausstrahlt. Das feierliche Hissen und Einholen der mexikanischen Flagge ist ein alltägliches Ritual.
Beim Einholen der Flagge haben wir gespürt, dass die Stimmung von einer Mischung aus Feierlichkeit und nationalem Stolz geprägt ist. Während des Senkens der Flagge herrschte eine ehrfurchtsvolle Stille. Nachdem die Flagge eingeholt war, applaudierten die Menschen, die Stimmung löste sich und das Leben auf dem Platz ging weiter. Für uns war es Gänsehaut-Feeling pur und ein Moment, den wir sicherlich nie vergessen werden.
Catedral de San Ildefonso
Imposant erhebt sich auf der Ostseite des Plaza Mayor die Kathedrale von Mérida. An der Stelle eines einst prächtigen Maya-Tempels errichtet, fasziniert das Bauwerk mit seiner historischen Bedeutung. Die Geschichte der Kathedrale reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert.
In der Zeit zwischen 1561 und 1598 wurde die Kathedrale erbaut. Um sie zu errichten, wurden die Steine des zerstörten Tempels Xbac-Luum-Chaan verwendet. Durch den Einsatz dieser Baumaterialien wird ihre Bedeutung und auch die Einzigartigkeit deutlich hervorgehoben.
Die Geschichte von König Philipp II. von Spanien wurde in den Mauern der Kathedrale festgehalten. Über dem Eingang thront das königliche Wappen. Es steht für Macht und Präsenz.
Die Kirche ist ein architektonisches Meisterwerk, dass eine Vielfalt an Baustilen aufweist. Darunter sind ebenso maurische Elemente zu sehen wie barocke und solche aus der Zeit der Renaissance.
Das Innere der Kathedrale präsentiert sich in einem eher schlichten Stil. Zurückzuführen ist dies darauf, dass die prunkvolle Ausstattung während der mexikanischen Revolution entwendet wurden.
In einer separaten Kapelle wird die Statue Cristo de las Ampollas aufbewahrt, ein äußerst bedeutendes religiöses Artefakt der Stadt. 1645 n. Chr. wurde sie von dem Dorf Ichmul nach Mérida gebracht. Sie genießt besondere Verehrung, da sie auf unerklärliche Weise einen verheerenden Brand des Dorfes überstanden hat.
Jährlich finden Prozessionen und Gedenkfeiern zu Ehren von Cristo de las Ampollas statt.
Die Kathedrale ist in der Regel von 7.00 Uhr bis 10.00 Uhr und von 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet.
Palacio de Gobierno
An der Nordseite des Zócalos erhebt sich majestätisch der Palast im Kolonialstil. Das 1892 errichtete Gebäude beeindruckt im Inneren mit einem großzügigen Patio sowie einer imposanten Treppe. Wenn du die Möglichkeit hast, solltest du dir die Zeit nehmen und diese hinaufsteigen. Vom Balkon des Salons wirst du mit einem atemberaubenden Blick auf den Zócalo und die imposante Kathedrale belohnt.
Einst im neoklassizistischen Stil erbaut, zeichnet sich der Palast durch seine prächtigen Fassaden, Säulen und Bögen aus. Die Bauarbeiten dauerten von 1892 bis 1911. Auch der Palast wurde auf den Ruinen alter Tempel und Königshäuser erbaut.
Der Palacio de Gobierno stellt heute ein faszinierendes Wahrzeichen in der Geschichte von Mérida und Yucatán dar. In seinen ehrwürdigen Mauern erfährst du einiges über die Machtwechsel, revolutionären Bewegungen und auch kulturellen Höhepunkte.
Er zieht nicht nur die Einheimischen, sondern auch die Touristen an, in die Vergangenheit der bemerkenswerten Stadt einzutauchen.
Das markante Gebäude beherbergt heute Büros, in denen die Regierung von Yucatán ihre administrativen Aufgaben erfüllt und wichtige politische Entscheidungen trifft.
Die Gemälde, die überwiegend 1978 fertiggestellt wurden, erzählen die Geschichte Yucatáns von den ersten Maya bis hin zur spanischen Invasion.
Dies ist ein Meisterwerk von Fernando Castro Pacheco, der im Übrigen ein einheimischer Künstler ist.

Ein weiteres Highlight ist die Nachbildung einer Glocke der Kirche von Dolores. Diese Glocke erinnert symbolisch an den Beginn des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges.
Der Palacio de Gobierno ist von Montag bis Sonntag in der Zeit von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.
(Stand: 2024)
Monumento a la Patria
Am nächsten Morgen vor der Weiterfahrt nach Chichén Itzá besuchten wir das Monumento a la Patria. Es ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Mérida.
Das beeindruckende Denkmal bietet nicht nur eine großartige Kulisse für Fotos. Auf der Rückseite befindet sich eine Zeitleiste aller bemerkenswerter Ereignisse der mexikanischen Geschichte.
Im März 1945 wurde mit der Errichtung des Denkmals begonnen. Bis zur Fertigstellung dauerte es sage und schreibe elf Jahre.
Wenn du es dir genauer ansiehst, so erklärt sich die lange Bauzeit von selbst. Szenen aus der mexikanischen Geschichte wurden in Stein gemeißelt. Darunter befindet sich die Unabhängigkeitserklärung, die Revolution und auch die Schlacht um Puebla.
Am nach Süden ausgerichteten Ende des Denkmals thront eine weibliche Figur mit geheimnisvollen indigenen Zügen. Ihre prähispanische Kleidung und der überaus kunstvoll gestaltete Schmuck wurden in filigraner Kleinarbeit in den Stein gemeißelt.
Das Monumento a la Patria wurde vom kolumbianischen Bildhauer Rómulo Rozo erschaffen.
Die harmonische Verschmelzung von künstlerischer Gestaltung und historischer Darstellung verleiht dem Denkmal eine spannende Aura.
Wieviel Zeit solltest du in Mérida verbringen?
Um die hübsche Kolonialstadt ausgiebig zu besichtigen, solltest du drei bis vier Tage einplanen. Wer weniger Zeit zur Verfügung hat, kann sich die wichtigsten Highlights an einem Tag ansehen. Für uns war Mérida lediglich ein Zwischenstopp. Beim nächsten Besuch würden wir uns auf jeden Fall mehr Zeit für die Stadt nehmen.
Lohnt sich Mérida?
Auf jeden Fall. Mit einer herzlichen Atmosphäre und der kulturellen Vielfalt hinterlässt die Stadt bei jedem Reisenden einen bleibenden Eindruck. Wenn du mit dem Gedanken spielst, nach Mexiko zu reisen, solltest du Mérida mit einplanen. Du wirst es nicht bereuen.
Bereit für das nächste Abenteuer?
Nach Mérida erlebten wir eine faszinierende Reise zu einem der beeindruckendsten Wunder der Welt.
Bereite dich darauf vor, die geheimnisvolle Welt der Maya zu erleben und die atemberaubenden Pyramiden hautnah zu erleben.
Lass uns gemeinsam das Geheimnis von Chichén Itzá enthüllen!
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