Bad Nauheim – Friedberg

Dort, wo einst Kaiser, Burgmannen und Großherzöge lebten, haben mittlerweile einige Menschen ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Teile der Verwaltung sowie Lehrer mit ihren Schülern füllen heute die Gebäude der Burganlage mit Leben.

Spontan habe ich mich entschlossen, mir die Burg in Friedberg anzuschauen. Für jeden, der einen längeren Aufenthalt in Bad Nauheim eingeplant hat, ist der Besuch in Friedberg ein Muss!

Friedberg ist die Nachbarstadt von Bad Nauheim und gut zu Fuß zu erreichen. Früher war sie eine Freie Reichsstadt. Im Mittelalter war Friedberg eine der wichtigsten Städte. An Sehenswürdigkeiten hat die Stadt neben der ehemaligen Reichsburg die Mikwe (Judenbad) und eine gotische Stadtkirche.

Von meinem Standort Lindenstraße sind es bis zur Burg knapp 3,5 Kilometer. Das Wetter ist heute durchwachsen, mal sieht es nach Regen aus, dann ist wieder strahlender Sonnenschein. Mein Weg führt mich immer an der Usa entlang.

Immer an der Usa entlang

Über einen gut angelegten Weg, vorbei an gepflegten Kleingärten ist die Strecke gut zu bewältigen. Schon bald entdecke ich den Adolfsturm, der zur Burganlage gehört.

Um zur Burganlage zu gelangen, ist das letzte Stück ein wenig anstrengender. Teilweise führt der Weg über Stufen hinauf oder man wählt den etwas leichteren Weg an der Gießener Straße entlang und läuft dann über die Straße „In d. Burg“ weiter.

Mit seiner Geschichte von 2.000 Jahren waren auf dem Burgberg in Friedberg sowohl Römer als auch Großherzöge und Ritter beheimatet. Mittlerweile gehört die Anlage zu den größten in Deutschland.

Lasst mich euch auf meinem Streifzug in die Geschichte der Burg Friedberg entführen.

Über den nördlichen Torweg gelange ich in die Burganlage. Diesen Torweg säumen noch insgesamt drei übrig gebliebene Tore aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Dieser Teil der Anlage ist derjenige, durch den der einstige Burgzauber noch dargestellt wird. Dies deshalb weil er mit seiner stark abfallenden Mauer und dem alles überragenden Adolfsturm seine ganze Dominanz zum Ausdruck bringt. Ursprünglich besaß der nördliche Torweg insgesamt sechs Tore. Nachdem allerdings eine Straße angelegt wurde, verblieben lediglich drei Tore.

Der Adolfsturm, den ich während meiner Wanderung bereits von Weitem bewundert habe, ist das Wahrzeichen der Burg und das älteste erhaltene Bauwerk. Errichtet wurde er im 14. Jahrhundert. Mit seinen 58 Metern thront er auf dem Friedberg. Der Turm beherbergte im unteren Teil einen Kerker, der immer noch besichtigt werden kann. Wem das zu gruselig ist, kann sich bei gutem Wetter und entsprechender Sicht von der Aussichtsplattform an einem wunderschönen Blick in die Wetterau erfreuen.

Zum Adolfsturm erzählt man sich folgende Legende:

Graf Adolf von Nassau hatte Ärger mit den Burgmannen. Der Konflikt endete damit, dass Graf Adolf von den Burgherren bei einer Fehde 1347 festgenommen wurde und nur gegen ein Lösegeld wieder auf freien Fuß kam. Glück für den Grafen und die Burgherren. Der Graf bekam die Freiheit und die Burgherren bauten von den unerwarteten Einnahmen einen neuen Turm im Norden der Anlage – den heutigen Adolfsturm.

Wenn du Lust hast, den Adolfsturm zu besichtigen, so ist dieser in jedem Jahr ab dem letzten Märzwochenende bis zum letzten Oktoberwochenende (nur an Wochenenden) und an den Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Gleich hinter dem Torbogen befindet sich die ehemalige Burgbäckerei, mittlerweile so umgebaut, dass sie als Wohnhaus fungiert.

Das 1533 erbaute Burgmannenhaus Brendel von Homburg befindet sich ebenfalls gleich hinter dem Torbogen. Die Familie Brendel von Homburg  stellte mit Johann Brendel (1532-1569) einen der bedeutendsten Burggrafen. So führte er in der Burg die Reformation ein. Johann Brendel war ein Freund von Philipp Melanchthon, der ihn dabei unterstützte, in Friedberg die erste Lateinschule zu errichten. Dies geschah im Jahr 1543.

Burgmannenhaus Brendel

Von 1905 bis 1974 beherbergte das Burgmannenhaus Brendel die Schillerschule, ein reines Mädchengymnasium. Heute ist die Schule Teil des Burggymnasiums.

Burgkirche

Die Burgkirche ist eine von Franz Ludwig Cancrin entworfene frühklassiszistische Kirche. In der Zeit von 1783 bis 1808 wurde sie von dem aus Bad Nauheim stammenden Baumeister Johann Philipp Wörrishöfer nach den Plänen von Cancrin erbaut. Es wird berichtete, dass die lange Bauzeit seinerzeitigen politischen Auseinandersetzungen geschuldet sei. Nach Fertigstellung ersetzte sie die St. Georgskirche, deren Abriss im 18. Jahrhundert beschlossen und vollzogen wurde. 1947 war diese kleine Kirche Gründungsort der evangelischen Landeskirche in Hessen und Hanau.

Der Dreiecksgiebel des Turms wurde mit einem Prunkwappen des Burggrafen Waldbott von Bassenheim sowie der Burgbaumeister Freiherr Rau zu Holzhausen und Freiherr Zobel zu Giebelstadt-Dorstatt ausgestattet.

Wer aufmerksam unsere Berichte verfolgt, weiß, dass Kirchen von uns auch immer von innen besichtigt werden. Nun, hier hat man mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Türen sind verschlossen und somit bleibt mir der Zugang verwehrt. Ich habe also herumgefragt, was sich im Inneren der Kirche verbirgt. So wird mir berichtet, dass es sich um eine typische protestantische Kirche handelt. Dominant hervorgehoben werden sowohl die Empore als auch die Orgel. Sodann erfahre ich noch, dass die Fassade der Kirche früher rot war. Erst im Rahmen von Renovierungsarbeiten im Jahr 2008 hat die Fassade das jetzige Taubenblau mit gelben Absätzen erhalten.

Nur ein paar Schritte weiter entdecke ich einen barocken Brunnen, den St. Georgsbrunnen. Der aus dem Jahr 1738 stammende Brunnen wurde von Johann Philipp Wörrishofer in der Nähe des Schlosses errichtet. Gedwidmet wurde er dem Heiligen Georg in der Reichsburg Friedberg. Die in der Mitte des Brunnens thronende Figur stellt den Heiligen Georg dar. Dieser steht über einem Drachen. Allerdings ist dies nur eine Kopie, das Original wurde in das Wetterau-Museum verbracht.

In der linken Hand trägt der Heilige Georg ein Wappenschild mit einem Doppelkopfadler. Die rechte Hand hält einen Speer, der auf den Drachen zeigt. Der Sockel, auf dem die Skulptur des Heiligen Georgs steht, aber auch die Seitenwände des Brunnens sind mit Burg- und Adelswappen verziert.

Schloss Friedberg

Das Schloss Friedberg, im Stil der Hochrenaissance erbaut, stammt aus der Zeit von 1604 bis 1610. Allerdings war es nicht von Anfang an als Schloss gedacht. Nach der Fertigstellung benutzte der Burggraf es als Amtssitz. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Burggrafiat“. Erst später wurde es von den hessischen Großherzögen bis 1918 als Sommerresidenz genutzt.

Ein Brand zerstörte 1990 das Schloss so, dass lediglich die Außenmauern erhalten bleiben konnten. Der Wiederaufbau ist sehr gut gelungen. Mittlerweile sind neue Schlossherren eingezogen, die Räumlichkeiten dienen heute der Stadtverwaltung.

Direkt hinter dem Schloss befindet sich der Burggarten, diesen entdecke ich durch eine Öffnung in der Burgmauer. Und natürlich möchte ich wissen, was sich dort so alles verbirgt.

Kurz vor dem Eingang zum Burggarten finde ich eine blaue Tafel mit Informationen. Danach diente im Mittelalter das gesamte Gelände des heutigen Burggartens zu Verteidigungszwecken. Zu erkennen sind immer noch die hohe Mauer, der Wall und der Zwinger.

Im 18. und 19. Jahrhundert  wurde das Gelände nach barocken, später englischen Vorbildern in eine Gartenanlage umgestaltet. Dieser Burggarten, der als großherzoglicher Schlossgarten diente, war bis in das Jahr 1918 den Bürgern von Friedberg nur eingeschränkt zugänglich. 1919 pachtete die Stadt diese einzigartige Anlage.

Verwunschene Bereiche

Großherzog Ernst Ludwig mit seiner Frau Großherzogin Eleonore konnten die Annehmlichkeiten des Parks genießen und flanierten bereits im Jahr 1919 mit ihren beiden Kindern durch diese groß angelegte grüne Oase.

Wer möchte, kann sich in dieser wunderschönen historischen Anlage stundenlang aufhalten und die Geschichte auf sich wirken lassen. Zwei Jahre lang wurde sie saniert und 2010 für die Besucher wieder geöffnet. Die Wege wurden nach Rekonstruktion wieder neu angelegt und einige Aussichtpunkte gestaltet. Von diesen bieten sich dem Besucher Blicke in die Wetterau und bis Bad Nauheim.

Trotz der Sanierung finden sich noch immer Stellen, die ziemlich zugewachsen und somit auch sehr urig wirken. Der Burgcharakter behält dadurch seinen Charme.

Es wird Zeit, dass ich mich wieder von dieser großzügigen Parkanlage löse, ich habe hier völlig die Zeit aus den Augen verloren und es gibt noch einiges zu sehen.

Gegenüber dem Eingang zum Burggarten befindet sich die Burgwache. Diese wurde nach dem Vorbild der Hauptwache von Frankfurt erbaut. Errichtet wurde sie in den Jahren 1771/72.

Im Dreiecksgiebel befindet sich das Wappen von des Burggrafen Freiherr von Dalberg. Rechts und links sind die Wappen der Burgbaumeister Freiherr Riedesel zu Eisenbach und Graf zu Elz-Kempenich zu sehen.

Links von der Burgwache befindet sich das Burgtor und die Burgrentei, in dieser ist mittlerweile auch ein Teil der Verwaltung untergebracht.

Rechts laufe ich am Burggymnasium und am Römerbad vorbei, bis ich zum Dr. Fritz Usinger-Platz komme. Ein kleiner unspektakulärer Platz, der dem Lyriker Fritz Usinger gewidmet wurde. Fritz Usinger wurde 1895 in Friedberg geboren und ist im Dezember 1982 auch dort verstorben.

Ehemaliges Zeughaus / Später Wohnhaus von Fritz Usinger

Unmittelbar hinter dem Platz entdecke ich das ehemalige Zeughaus. Im Erdgeschoss sind noch Reste des ehemaligen Zeughauses zu finden. Von 1954 bis 1982 wurde dieses Haus von Fritz Usinger bewohnt. Daneben schließt sich ein Wohnhaus mit einem schön gestalteten Innenhof an.

Bevor ich mich auf den Weg zurück nach Bad Nauheim mache schaue ich mich noch einmal um und erhasche noch einen Blick auf ein schönes Fachwerkhaus.

Danach beginnt der „Abstieg“ von der Burg. Auch auf dem Rückweg laufe ich immer entlang der Usa. Ungefähr nach der Hälfte der Strecke habe ich noch einen tollen Ausblick auf den Steinkopf.

Neben der Burganlage gibt es in Friedberg noch einige andere Sehenswürdigkeiten. So befindet sich in der Stadt ein Elvis Presley-Denkmal, das Wetterau-Museum, die Stadtkirche und selbstverständlich auch zahlreiche Cafés, die zu einer kleinen Pause einladen. Die Besichtigung der Burganlage selbst nimmt allerdings schon einige Zeit in Anspruch, ist lohnenswert und sollte bei einem Besuch in Friedberg auf dem Programm stehen.

Bei meiner nächsten Wanderung in Bad Nauheim begebe ich mich auf historische Spuren und suche Lost Places.

© 2021 by Travel-See-Xperience

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