Das heilige Kloster Kykkos – Der meistbesuchte Pilgerort Zyperns
Auf Zypern befinden sich zahlreiche Klöster, wovon einige zu den renommiertesten der Welt gehören. Viele von ihnen haben im Laufe der Zeit turbulente Phasen und Katastrophen überstanden.
Sie dienten den Mönchen als Wohn- und Arbeitsräume. Auch Pilger waren herzlich willkommen und wurden gerne aufgenommen.
Kloster Kykkos (Movή Κύκκος), im byzantinischen Stil errichtet, ist nicht nur der am häufigsten besuchte Pilgerort Zyperns, sondern auch der schönste. Dies wohl deshalb, weil sich in dem Kloster eine Marienikone befindet, die die Fähigkeit besitzen soll, Wunder geschehen zu lassen.
Wir wollten der Sache auf den Grund gehen und haben das Kloster als eines der Ziele auf Zypern in unseren Reiseverlauf eingeplant. Außerdem war es richtig, dass wir vom Mofa auf das Auto umgestiegen sind, denn das Kloster befindet sich abgeschieden in der Bergregion des Marathasa-Tals (Troodosgebirge) in einer Höhe auf 1.140 Metern, umgeben von einem dichten Zedernwald.
Info: Ungefähr 20 Kilometer vom Kloster entfernt befindet sich das sehenswerte „Tal der Zedern“.
Wie immer bei unseren Besichtigungstouren machten wir uns sehr früh auf den Weg, schließlich lagen etwas mehr als 160 Kilometer vor uns. Über zahlreiche Serpentinen erreichten wir das im 11. Jahrhundert errichtete Kloster.

Leider ist das Kloster, wie Touristen es sich heute ansehen können, nicht die ursprüngliche Klosteranlage, denn dieses wurde durch Erdbeben und Brände immer wieder stark beschädigt. Die nun zu besichtigende Anlage stammt aus dem 20. Jahrhundert. Jedoch schmälert dies in keiner Weise die Schönheit.

Einen interessanten Anblick bietet der prachtvolle, mit wunderschönen Mosaiken ausgestattete Eingang. Bereits hier lässt sich erahnen, was uns im Inneren des Klosters erwarten wird. Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon von der Lage des Klosters und seiner Gestaltung sehr beeindruckt.
Beim Betreten der Anlage verspürten wir eine unsagbare Ruhe, die von dem Kloster ausgestrahlt wurde. Es waren außer uns weniger als fünf Besucher vor Ort. Allesamt gingen wir ehrfürchtig durch die Klostergänge.

Einer Legende nach wurde Isaias, ein Einsiedlermönch, vom Gouverneur Zyperns, Manue Voutoumetes, in seiner Einsamkeit gestört. Es wird erzählt, dass der Gouverneur Ende des 11. Jahrhunderts während einer Jagd die Orientierung verlor und vom Weg abgekommen sei. So traf er auf den Mönch und bat diesen, ihm den richtigen Weg zu weisen. Der Mönch weigerte sich und erhielt dafür einen Fußtritt. Erst als der Gouverneur, mittlerweile wieder zu Hause angekommen, erkrankte, sprach er dem Mönch gegenüber eine Entschuldigung aus. Isaias heilte daraufhin den Gouverneur, da er im Traum von der Gottesmutter die Aufforderung dazu erhielt. Für diese Heilung erhielt der Mönch die gemalte Marienikone des Kaisers von Konstantinopel.
Und gerade diese Marienikone, die Panaghía Kykkiotissa, ist das wichtigste Detail des Klosters. Apostel Lukas soll die Heilige Jungfrau selbst darauf gemalt haben. Ihr werden verschiedene Wunder in unterschiedlichen Epochen zugeschrieben, die sogar in Schriften festgehalten worden sein sollen.
Die Ikone ist mit einem zum Teil aus Silber und zum Teil aus Gold bestehendem Gehäuse bedeckt.
Leider durfte sie zum Zeitpunkt unserer Reise schon seit geraumer Zeit nicht mehr besichtigt werden. Möglicherweise ist dies heute anders.

Der steinerne Innenhof mit dem Brunnen ist relativ groß. Die Architektur der Anlage ist beeindruckend. Allerdings war zu dieser frühen Stunde noch kein Mönch zu sehen.
Dargestellt ist hier der Haupthof des Klosters. Von diesem gelangt man sowohl in das Museum als auch in einen Souvenirladen.

Bei dem Anblick der wunderschönen Mosaike ist man schier ergriffen. Die Gestaltung der Klostergänge mit zahlreichen aufwendigen Mosaiken und Fresken fand in den 1990er Jahren statt. Das Kloster besticht nicht nur durch seinen Reichtum, sondern auch durch eine unsagbare Schönheit.
Die Gebäude der Klosteranlage stammen aus verschiedenen Epochen. Natürlich ist die Kirche das Zentrum, um die herum sodann die einzelnen Gebäude errichtet wurden. Interessant ist, dass fast alle Gebäude des ursprünglichen Klosters aus Holz bestanden, welches dem nahegelegenen Wald entnommen wurde.

Nach diversen Bränden und Zerstörungen wurde das Kloster mit Steinen wieder aufgebaut.

Der Glockenturm befindet sich zwischen den Gebäuden und ist im unteren Teil durchgängig. Allerdings ist dies nur der kleinere Turm. Etwas weiter oben am Hang wurde ein weiterer Glockenturm neueren Datums errichtet. Dieser stammt aus dem Jahr 1882.
Jetzt wirst du dich fragen, warum der Glockenturm erst später errichtet wurde. Nun, während die Türken die Herrschaft hatten, war das Läuten der Glocken der Christen strengstens verboten.
Heute hängen in dem größeren Glockenturm sechs Glocken. Uns wurde berichtet, dass die größte Glocke mit fast 1.300 Kilogramm in Russland hergestellt wurde.
Die Kirche selbst durften wir zwar besichtigen, allerdings war das Fotografieren in ihr verboten. Schade, aber solche Verbote sind nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu respektieren.
Die Luft in der Kirche war von Weihrauch geschwängert und es herrschte eine unsagbare, fast schon bedrückende Stille. Beim Betreten der Kirche stockt dir der Atem. Was für ein Glanz! Eine gigantische Ikonostase (1755) aus Gold und Silber dominiert den Raum. Insgesamt ist die Kirche mit ihren Ikonen, den wunderschönen Fresken und byzantinischen Reliquien das beeindruckendste Gebäude des Klosters. In ihr wurden neben Gold und Silber auch Perlmutt und andere hochwertige Materialien verarbeitet.
Wir entdeckten eine silberne Platte. Der aufsichtshabende Mönch erklärte uns, dass sich hinter dieser die Marienikone befinden würde.


Die Gänge sind wunderschön mit Mosaiken gestaltet.

Der vollständige Name des Klosters Kykkos ist im Übrigen „Heiliges Königliches und Kreuzfundiertes Kloster der Panayia von Kykkou“.
Königlich wird das Kloster bezeichnet, da es im königlichen Auftrag und mit Mitteln von Kaiser Alexios von Komninos gegründet wurde. Nun mussten wir nur noch herausbekommen, warum es als „kreuzfundiert“ bezeichnet wird. Die Erklärung erhielten wir umgehend und ist ganz einfach. Bei der Errichtung wurde in den Grundstein des Klosters ein Kreuz eingemauert.
Auch heute noch ist das Kloster Kykkos im Besitz großer Ländereien, die von verschiedenen Landschaftsbetrieben bewirtschaftet werden.
Als weiteres Ausflugsziel gilt auch das in der Nähe gelegene Grab von Erzbischof Makarios III., dem ersten Präsidenten Zyperns. Sein Wunsch war, dass sich seine Grabstätte in der Nähe des Klosters befinden sollte. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass er an diesem Ort 1926 seine Laufbahn als Mönch begann. 1977 verstarb er und sein Wunsch wurde erfüllt. Ungefähr drei Kilometer westlich des Klosters befindet sich seine Grabstätte.

Beachte! Bei der Besichtigung des Klosters ist darauf zu achten, dass angemessene Kleidung getragen wird. Kykkos ist ein noch funktionsfähiges griechisch-orthodoxes Kloster und Touristen dürfen nicht alle Gebäude betreten. Deshalb beachte bitte die entsprechenden Hinweise.
Am meisten haben uns die Fresken und Mosaike beeindruckt, die zahlreiche religiöse Szenen wiedergeben. Fast jede Wand und sogar die Decken sind in grandioser Weise damit verziert.
Wenn du dir die Frage stellst, ob du Kloster Kykkos im Troodosgebirge in deinen Reiseplan aufnehmen solltest, so ist die Antwort auf jeden Fall „Ja“. Unserer Meinung nach ist der Besuch des Klosters ein absolutes Muss!
Wir verließen diesen beeindruckenden Ort und setzten unsere Fahrt durch das Gebirge Richtung Pedoulas fort.

Pedoulas liegt ungefähr in 1.100 Metern Höhe und ist ebenso wie das Kloster Kykkos im Marathasa-Tal umgeben von Obstplantagen. Darüber hinaus ist das Dorf für seine Kirchen bekannt, insgesamt elf Kirchen und Kapellen sind hier zu finden.

Die Hauptkirche ist die Kirche des Heiligen Kreuzes, erbaut in der Zeit zwischen 1933 und 1935. In ihr befinden sich Ikonen und Teile der Ikonostase aus dem 16. Jahrhundert.
Hierneben gibt es in dem Ort unter anderem noch eine Scheunendachkirche zu besichtigen, die dem Erzengel Michael geweiht wurde. Diese wurde 1474 ausgemalt, die Kosten soll der Priester Basil Chamados übernommen haben. Scheunendachkirchen sind im Übrigen in den Bergdörfern häufiger zu finden.
Von Pedoulas aus ging es durch das Gebirge zurück zu unserem Hotel. Enge, kurvenreiche Straßen auf denen häufig recht große Felsbrocken rumlagen, mussten überwunden werden. Wir hatten Glück, dass im Gebirge nicht gerade viele Autos auf der Straße unterwegs waren, so konnten wir mal die eine, mal die andere Straßenseite nutzen, um die Steine zu umfahren. Du musst wissen, auf Zypern ist Linksverkehr. Dies bedeutet auch, dass der Fahrer rechts sitzt, was das Ganze noch abenteuerlicher machte.
Für den nächsten Tag waren mit Kap Aspro und Paphos wieder spannende Ziele geplant.


