Entdecke den Wat Phra Si Rattana Mahathat in Phitsanulok
Manchmal starten Tage einer Rundreise einfach nicht glamourös. Dieser gehörte definitiv dazu: 6 Uhr morgens, noch nicht richtig wach und schon wieder unterwegs. 287 Kilometer quer durch Zentralthailand. Viel Kaffee, wenige Gespräche, einfach losfahren und Kilometer machen.
In Phitsanulok steuerten wir zuerst unser Hotel an, um kurz durchzuatmen und uns von den Stunden im Kleinbus zu erholen. Danach machten wir uns auf den Weg zum Wat Phra Si Rattana Mahathat, unserem Ziel für diesen Tag und waren gespannt, was uns dort erwartete. Der Tempel ist berühmt für die Phra Phuttha Chinnarat Buddha-Statue.
Inhalt
Wo liegt Wat Phra Si Rattana Mahathat?
Der Wat Phra Si Rattana Mahathat (oft Wat Yai genannt) liegt im Herzen von Phitsanulok, einer Stadt im unteren Norden Thailands, direkt am östlichen Ufer des Flusses Nan. Von Bangkok aus sind es ungefähr 380 Kilometer Richtung Norden. Die Strecke führt über den Highway 1 (Phahonyothin Road), eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen des Landes. Von der Provinz Saraburi aus ist es deutlich kürzer: etwas mehr als 280 Kilometer, ebenfalls über den Highway 1, der gut ausgebaut und übersichtlich ist.
Adresse: 92/3 Phutthabucha Alley, Nai Mueang, Mueang Phitsanulok District, Phitsanulok 65000, Thailand
Wissenswertes über den Wat Phra Si Rattana Mahathat
Die Wurzeln des Tempels reichen zurück in die Sukhothai-Zeit, also ins 14. Jahrhundert, als Phitsanulok noch ein wichtiger Außenposten des damaligen Königreichs war. Somit gehört er zu den ältesten und bedeutendsten Tempelanlagen der Region. Die Lage am Fluss Nan war günstig, da dieser als Handels- und Versorgungsroute diente.
Im 15. und 16. Jahrhundert, während der Ayutthaya-Periode, gewann Phitsanulok immer mehr an Bedeutung. Zeitweise diente die Stadt als Residenz eines Kronprinzen, was den Tempel zusätzlich aufwertete. Die Anlage wurde immer wieder erweitert, restauriert und architektonisch an den Stil der Ayutthaya-Zeit angepasst. Heute ist der Tempel nicht nur ein religiöser Ort, sondern auch ein kulturelles Symbol für die gesamte Region. Er verbindet mehrere Epochen thailändischer Geschichte in einer einzigen Anlage, was ihn so besonders macht.
Rundgang durch den Wat Phra Si Rattana Mahathat
Entgegen unserer sonstigen Routine, die Außenbesichtigung zuerst durchzuführen, sind wir dieses Mal direkt in das Innere des Tempels gegangen, weil in der Außenanlage bereits viele Touristen unterwegs waren.
Das Herzstück des Tempels ist der Phra Buddha Chinnarat, eine Statue, die in einem aufwendigen Bronzegussverfahren hergestellt wurde.
Dass sie so harmonisch und ausgewogen wirkt, ist kein Zufall. Die Künstler der Ayutthaya-Zeit galten als Meister ihres Faches und der Chinnarat gilt bis heute als eines ihrer gelungensten Werke. Viele Thais halten ihn sogar für die schönste Buddhafigur des Landes.
Bei unserem Tempelrundgang entdeckten wir eine smaragdgrüne Figur, die den Gott Indra darstellt. In Thailand wird sie kurz nur Phra In genannt. Sie gilt als himmlischer Beschützer des Buddha und als Wächter über den heiligen Raum, weshalb sie bewusst im Vordergrund steht.
Die Farbe ist kein dekoratives Detail, sondern ein Hinweis auf seine Verbindung zu Himmel, Natur und den Elementen, über die er in vielen Erzählungen herrscht. Auffallend fanden wir den Dreizack, den er in der Hand hält. Dieses Attribut gehört zu seinen klassischen göttlichen Zeichen und macht ihn sofort für alle erkennbar.

Indra tritt nicht als kämpferische Figur auf, sondern als jemand, der allein durch seine Präsenz Stabilität schafft. Aus diesem Grund findet man ihn häufig in Tempeln, die besonders verehrte Buddha-Darstellungen beherbergen.
Seine Haltung und sein Ausdruck passen zu seiner Rolle als Gott, der wichtige Momente im Leben des Buddha begleitet und bezeugt.
Der große goldene Prang des Wat Phra Si Rattana Mahathat ist ein Bauwerk, das man bereits von weitem sieht. Mit seinen fast 38 Metern ragt er wie ein leuchtender Marker über die Tempelanlage und zeigt sehr deutlich, wie stark hier der Einfluss der frühen Ayutthaya-Zeit ist. Dieser Stil mit der leicht geschwungenen “maiskolbenähnlichen” Form ist typisch für das 15. Jahrhundert und verleiht dem Turm eine Mischung aus Schlichtheit und Monumentalität.
Das Besondere ist der obere Bereich, der komplett vergoldet ist und durch das Sonnenlicht fast schon blendet. Diese Form steht symbolisch für den mythischen Berg Meru, das Zentrum des Universums in der buddhistisch-hinduistischen Kosmologie. Da der Tempel den Namen “Mahathat” (Große Reliquie) trägt, dient der Prang als Reliquienschrein. Im Inneren werden in einer Nische Überreste des Buddha aufbewahrt. Diese ist über eine extrem steile Treppe zu erreichen.
Auch die dekorativen Details erzählen viel über die Epoche: feine Stuckarbeiten, Schutzgottheiten an den Stirnseiten und Buddha-Darstellungen, die den Turm wie eine Wächterreihe begleiten. Die Spitze besteht aus einem mehrstufigen Schirm, was wiederum ein klassisches Zeichen für den heiligen Status des Bauwerks darstellt.
Der Viharn Luang des Wat Phra Si Rattana Mahathat wirkte auf uns wie eine kleine Welt innerhalb der Tempelanlage. Schon von außen fällt die klare Linienführung auf, die rhythmisch angeordneten weißen Säulen, die den Eingang umsäumen. Obwohl das Gebäude große Präsenz ausstrahlt, wirkt es nicht überladen. Ein besonderes Detail, das man leicht übersieht, sind die kunstvoll gearbeiteten Türen. Die Perlmutt-Einlegearbeiten wirken wie ein stiller Kontrast zur Schlichtheit der Fassade. Sie stammen aus einer Zeit, in der Handwerk nicht nur Dekoration war, sondern Ausdruck von Hingabe.
Der Viharn Luang hat als Mittelpunkt des Tempelareals eine große Bedeutung, da hier wichtige Zeremonien stattfinden. Er ist quasi der Ort, an dem die spirituelle Energie des Tempels zusammenläuft. Der Raum selbst lädt dazu ein, ein paar Minuten zu verweilen, den Blick schweifen zu lassen und die Ruhe zu genießen. Der Viharn Luang, auch als große Versammlungshalle bekannt, verbindet neben religiösen Elementen, Geschichte, Handwerk und Atmosphäre.
Bei unserem Rundgang über das Gelände entdeckten wir den alten Chedi, der zu den frühesten Bauelementen des Wat Phra Si Rattana Mahathat gehört. Der Tempel wurde 1357 unter König Lithai errichtet und dieser Chedi stammt sehr wahrscheinlich aus dieser frühen Phase. Somit ist er eines der ältesten erhaltenen Bauteile der gesamten Anlage und gleichzeitig ein Hinweis darauf, wie der Tempel ursprünglich ausgesehen hat.
Was ihn so besonders macht, sind die sichtbaren Altersspuren. Der Putz ist teilweise verwittert und die Steine zeigen typische Patinazeichen eines Bauwerks, das über viele Jahrhunderte Wind, Sonne und Regen ausgesetzt war. Dadurch, dass diese Spuren bewusst so belassen wurden, wirkt der Chedi authentisch und unverfälscht und stellt einen deutlichen Kontrast zu den renovierten Bereichen des Tempels dar.
Zwischen den Wegen, Bäumen und Mauern tauchen immer wieder kleine Schreine und Nebengebäude auf. Teilweise wirken sie fast versteckt und könnten beim Durchschreiten der Anlage leicht übersehen werden. Sie zeigen, wie vielfältig die religiöse Praxis in Nordthailand ist. In ihnen befinden sich kleine Opfergaben, Räucherstäbchen und Figuren, die nur lokal verehrt werden.
Nach vielen Tempelbesichtigungen in Thailand ertappst du dich irgendwann dabei, wie du denkst: Ein Tag ganz ohne Räucherstäbchen wäre jetzt auch mal schön. Deshalb hatten wir solche “Ruhetage” bereits bei der Reiseplanung berücksichtigt.
Feste und wiederkehrende Ereignisse am Tempel
Wenn du den Tempel nicht nur architektonisch erleben möchtest, sondern auch im lebendigen Alltag, findest du über das Jahr verteilt mehrere Anlässe. Einige davon sind religiös geprägt, andere eher atmosphärisch.
Phra Buddha Chinnarat Fair: Jeden Januar verwandelt sich das Tempelgelände in eine große Festmeile zu Ehren der Hauptbuddha-Statue mit allem, was zu einem traditionellen Jahrmarkt gehört.
Das Visakha Bucha Festival findet meist im Mai statt. Es ist eines der wichtigsten buddhistischen Feste des Jahres, das den Vollmond des vierten Monats markiert. Besonders eindrucksvoll sind die Kerzenlichtprozessionen, bei denen Gläubige die Hauptkapelle dreimal umrunden.
Zum thailändischen Songkran im April bringen Besucher Sand in den Tempel und formen daraus kleine Sandpagoden.
Zu bestimmten Zeiten im Jahr soll sich am Tempel ein besonderes Lichtspiel beobachten lassen, das als Sonnenwende/Tagundnachtgleiche beschrieben wird. Dieses Äquinoktium-Phänomen gibt es auch in Mexiko bei den Pyramiden.
Zudem gibt es noch den wöchentlichen Nachtmarkt: Jeden Samstagabend verwandelt sich die Sangkha Bucha Road in eine lebhafte Walking Street.
Unser Fazit zum Tempelbesuch
Für uns gehört der Wat Phra Si Rattana Mahathat ganz eindeutig auf die Liste der Tempel, die man bei einer Rundreise durch Thailand einplanen sollte. Die Mischung aus historischer Bedeutung, lebendiger Atmosphäre und den vielen kleinen Details, die man erst vor Ort wahrnimmt, hat uns wirklich beeindruckt. Wir waren total begeistert – nicht nur vom berühmten Phra Buddha Chinnarat, sondern vom gesamten Gelände, das viel mehr bietet, als man auf den ersten Blick erwartet. Deshalb empfehlen wir den Besuch ohne Einschränkungen.
Praktische Tipps für den Besuch im Wat Phra Si Rattana Mahathat
Bevor du dich auf den Weg zum Wat Phra Si Rattana Mahathat machst, lohnt es sich, ein paar Dinge zu wissen.
Öffnungszeiten
Der Tempel ist täglich in der Regel von 6.30 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. (Stand: 2026)
Eintritt & Tickets
Der Eintritt ist für Thailänder frei. Für ausländische Besucher kostet der Eintritt zwischen 40 und 50 Bath (etwa 1,40 Euro). Die Tickets sind direkt am Eingang erhältlich.
Tipp: Bei organisierten Touren ist der Eintritt oft bereits enthalten. Vor Ort kann man auch lokale Guides buchen, die spannende Einblicke geben. Die Sprache ist meistens Englisch.
Gelände & Zeitplanung
Das Gelände ist gut begehbar. Plane mindestens drei bis vier Stunden ein. Dies gilt besonders, wenn du gerne fotografierst und daran interessiert bist, dir eine Zeremonie anzuschauen.
Kleidung & Verhalten
Der Tempel ist ein heiliger Ort. Respektvolle Kleidung ist Pflicht, Schultern und Knie müssen bedeckt sein.
Sonstiges
Sonnencreme, Wasser und eine Kopfbedeckung sind wichtig. Je nach Jahreszeit kann ein Regenschutz ebenfalls sinnvoll sein.
Für den restlichen Tag stand nichts mehr auf dem Programm. Zum Abendessen trafen wir uns mit unserem Reiseführer, der uns auf die nächste Etappe einstimmte. Bevor wir diese jedoch erreichten, mussten wir noch einmal 117 Kilometer zurücklegen, um dann in Sukhothai anzukommen. Was uns dort erwartete, erfährst du im nächsten Beitrag.
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